Rhein-Pfalz-Kreis
Asiatische Tigermücke: Warum die Bekämpfung so wichtig ist
„Ich hab’ am Wochenende meinen kleinen Teich zu Hause gereinigt und bin voll verstochen worden. Ich hab’ dann gleich Tabletten rein.“ Landrat Volker Knörr (CDU) berichtet zum Einstieg gleich mal aus erster Hand, dass die Stechmücken im Rhein-Pfalz-Kreis schon aktiv sind. Doch waren das jetzt Rheinschnaken oder Asiatische Tigermücken, die den Waldseer gepikt haben? Das lässt sich kurzfristig nicht mehr klären. Dazu hätte Knörr ein Anschauungsobjekt mitbringen müssen.
Anschauungsobjekte hat zum Infotag Asiatische Tigermücke im Kreishaus die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) mitgebracht. Vor und nach den Vorträgen kann man sich unterm Mikroskop anschauen, wie die Larven der „normalen“ Rheinschnake aussehen, und wie die der Tigermücke. Beide gleichen in zigfacher Vergrößerung eher einem Alien.
Per Container und Koffer nach Europa
Wie ihr Name schon verrät – die Asiatische Tigermücke ist eine invasive Art. Sie ist hier nicht heimisch, sondern wurde eingeschleppt. Aber wie? Wie Dirk Reichle, Wissenschaftlicher Direktor der Kabs, erläutert, sind dabei vor allem drei Faktoren zusammengekommen: „Der internationale Warenhandel, die Reisen der Menschen sowie klimatische und ökologische Veränderungen.“ Hinzu komme, dass die Eier der Tigermücke trockenresistent seien. Das heißt, eine Schifffahrt über mehrere Tage in einem Container stellen kein Problem dar.
In Europa sei die Tigermücke erstmals 1979 registriert worden – in Albanien. 1990 ist sie laut Reichle zum ersten Mal in Genua festgestellt worden. Von dort aus habe sie ihren „Siegeszug“ durch Europa angetreten. „Mittlerweile ist die Asiatische Tigermücke die dominante Stechmücke in Italien“, betont Reichle. Die Landkarte, die er am großen Monitor zeigt, verdeutlicht, dass die Stechmücke inzwischen im gesamten Mittelmeerraum heimisch ist, aber auch an der Schwarzmeerküste. Und sie verbreite sich immer weiter in Richtung Norden, begünstigt durch den Klimawandel.
Anpassungsfähige Stechmücke
Die Asiatische Tigermücke sei aber auch anpassungsfähig. Durch die Abholzung der Regenwälder in Südostasien, was zum Verlust von Lebensraum geführt habe, habe sich die Tigermücke an den Menschen angepasst und habe sich Brutstätten in Siedlungsgebieten gesucht.
Im Gegensatz zur Rheinschnake, die sich um ihre Brutstätte bis zu 15 Kilometer weit ausbreiten könne, sei die Asiatische Tigermücke ein fauler Flieger, erläutert Reichle. Maximal 200 Meter komme sie je Generation von der Brutstätte weg. Auch deswegen sei die Bekämpfung sinnvoll.
Der ungebetene Gast aus Südostasien sorgt übrigens in Sachen Stechmücken für ein „Ganztagsvergnügen“ in der Region: „Die Asiatische Tigermücke ist tagaktiv, die Rheinschnake kommt in der Dämmerung“, sagt Reichle.
Überträger von Krankheiten
Warum die Bekämpfung der invasiven Art so wichtig ist, erläutert Dr. Joëlle Bals vom Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises. „Die Asiatische Tigermücke kann sowohl das Dengue- als auch das Chikungunyavirus übertragen“, erläutert sie. Beide seien fieberhafte Infekte, bei denen die Patienten unter starken Kopf- und Gliederschmerzen litten. Die beiden Krankheiten seien dabei keine theoretischen Gebilde. Im Elsass seien schon Chikungunyafälle dokumentiert worden, berichtet Bals.
Vor allem beim Denguefieber nehme die Dynamik weltweit zu. Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge, seien im Jahr 2000 505.000 Fälle registriert worden. 2024 seien es 14,6 Millionen gewesen. 12.000 Tote habe die Krankheit vor zwei Jahren gefordert. Schwerpunkte seien Süd- und Mittelamerika, Südostasien, aber auch in Europa komme es zu Fällen. „Die Übertragung ist in Europa Realität“, betont die Medizinerin. 2024 habe es 1717 importierte Fälle in Deutschland gegeben.
Keine Panikmache, aber Vorbereitung
Beim Chikungunyafieber steigen dagegen die hausgemachten Fälle in Europa an. Im vergangenen Jahr sind laut Bals 788 Fälle in Frankreich und 384 in Italien registriert worden. In Deutschland seien es 51 gewesen, allerdings seien diese Fälle alle importiert gewesen, also von Reisen mitgebracht und nicht durch eine Stechmücke in Deutschland verursacht worden.
Bals wirbt vor allem für Prävention. Auch wenn ihr klar ist: „There is no glory in prevention.“ Auf Deutsch: Mit Prävention ist kein Ruhm zu bekommen. Der Hintergrund: Die Auswirkungen des Vorbeugens sieht man eben nicht. Ja, aktuell sei das Risiko noch gering. Aber lokale Ausbrüche seien möglich. Es gehe ihr nicht um Panikmache, aber um Vorbereitung. Sie spricht sich für eine Sensibilisierung der Mediziner in der Region in Bezug auf relevante Erkrankungen aus.
Wo die Tigermücke gerne brütet
Doch wie den kleinen Biestern am besten zu Leibe rücken? Da kann laut Artur Jöst von der Kabs jeder im eigenen Garten, auf dem Balkon oder an anderen Stellen anpacken. Wichtig sei, zu vermeiden, dass sich irgendwo Wasser ansammeln könne. Ein Kinderspielzeug, das rumliege, der Untersetzer eines Blumentopfs, eine Getränkedose, eine Regentonne, ein Gully – die Asiatische Tigermücke ist nicht wählerisch, wenn es um Plätze für die Eiablage geht. „Die Rheinschnake ist eine klassische Überschwemmungsmücke. Die Asiatische Tigermücke ist ein Phytotelmen-Brüter“, erklärt Jöst. Das bedeutet, dass sie von Natur aus kleine Wasseransammlungen in Pflanzen nutzt, um ihre Eier dort abzulegen.
Die effektiven Bekämpfungsmaßnahmen richten sich laut Jöst gegen die Larven. Im Prinzip sei das auch alles ganz einfach. Man müsse eben nur zum Beispiel das Spielzeug wegräumen. Oder Wasser ausleeren. Aber das müsse man eben von April bis Oktober regelmäßig machen. Reinigungsaktionen wie die Dreck-weg-Tage im Kreis seien nur zu begrüßen, weil dadurch Müll aus der Umwelt verschwinde und somit auch den Mücken potenzielle Brutstätten genommen würden.
Das können Bürger tun
Zu Hause kann man mit einfachsten Mitteln verhindern, dass Garten, Terrasse oder Balkon zur Wohlfühloase für die Asiatische Tigermücke werden. Über offene Regentonnen könne man Moskitonetze spannen, eine Schubkarre, die man nicht braucht, kann man so lange umgedreht lagern, offene Zaunpfosten können mit Plastikflaschen dicht gemacht werden. „Das eine oder andere sieht vielleicht nicht schick aus, aber es funktioniert“, betont Jöst.
Wer auch nur eine kleine Lücke lässt, der hilft den Asiatischen Tigermücken eher noch. „Das sind Baumhöhlenbrüter. Kleine, enge, dunkle Zugänge, das mögen sie“, erklärt Jöst. Die Dachrinne regelmäßig reinigen, helfe. Vogeltränken im wöchentlichen Rhythmus ausleeren und das Wasser wechseln ist ebenfalls sinnvoll. „Das kann die Vermehrung schon verhindern.“
Wer doch eine Brutstätte bei sich findet, kann sich mit Bti-Tabletten helfen. Die gibt es für Einwohner von Mitgliedergemeinden der Kabs kostenlos bei der jeweiligen Verwaltung. Zusätzlich will sich die Kabs dafür einsetzen, dass die Asiatische Tigermücke in den Unterricht an Grundschulen integriert wird. Die anwesenden Gemeindevertreter zeigen sich diesem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen. Landrat Volker Knörr kann sich Vorträge von Experten der KABS auch an weiterführenden Schulen vorstellen.
Die eine Lösung im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke gebe es nicht, betonte Dirk Reichle abschließend. „Aber es gibt viele kleine Puzzleteile, die viel bringen und wenig kosten.“