Mannheim
Armenspeisung: Warmes Essen für Hunderte
Es gab Hähnchenknöchel, Bratwurst, Frikadellen, Gemüse, Makkaroni und Tomatensoße. Beim Mittagstisch im Bürgerhaus Neckarstadt-West wurden alle satt. Eingeladen hatte Richard Brox. Der ehemalige Obdachlose weiß, was es bedeutet, Hunger zu haben. Deshalb engagiert sich der 61-Jährige für seine ehemaligen Leidensgenossen.
Eingeladen waren Arme, Einsame, Obdachlose und Wohnungslose. „Wer kommt, bekommt auch etwas zu essen“, so das Versprechen von Brox. „Armenspeisung“, nennt er die Veranstaltungen, zu der er mehrmals im Jahr einlädt – immer dann, wenn sein persönlicher Spendentopf wieder gut gefüllt ist. Brox schätzte die Anzahl seiner Gäste auf „300 oder 350“. Doch das spielte für ihn keine Rolle. Wichtiger war, dass alle satt geworden sind.
Mittlerweile gutes Netzwerk
Unterstützung hat der ehemalige Neckarstädter, der nun in Köln wohnt, aus einem erstaunlichen Netzwerk an Helfern. Johann Wagner, der frühere Leiter des Kongresszentrums Rosengarten, gehört dazu. Wagner unterstützt Brox mit seinen Kontakten und finanziell bei jeder Armenspeisung. Zudem finden sich immer wieder neue Mithelfer.
Boris Scheuermann, Vorsitzender des VfR Mannheim, erklärt, wie es zur Zusammenarbeit zwischen dem Fußballverein und Richard Brox kam. „Er ist auf uns zugekommen, weil er über seinen Vater und seinen Großvater einen Bezug zum VfR hatte“, sagte Scheuermann.
Nicht mehr alle Mannheimer wüssten heute, dass die Wurzeln des VfR in der Neckarstadt liegen. Auch die Meistermannschaft von 1949 spielte noch auf dem Platz bei den Brauereien. „Wir waren deshalb sofort dabei, als wir von diesem Projekt gehört haben“, erklärte Scheuermann. Die Geschäftsstelle aber auch das Trainerteam der ersten Mannschaft und auch der Vereinspräsident halfen im Bürgerhaus tatkräftig mit.
Herzlich ging es dabei zu. Manches Mal auf Kosten von Struktur und Ordnung. Denn der Plan war, dass freiwillige Helfer den Gästen das Essen an den Tisch servieren. Diese griffen aber zwischendurch immer wieder zur Selbsthilfe, was die Essensausgabe nicht unbedingt erleichterte. Satt wurden am Ende alle – und das war das Hauptziel von Richard Brox, der in 30 Jahren in der Obdachlosigkeit gelernt hat, dass Hunger auf der Straße ein schlimmes Gefühl ist.
VfR verspricht weitere Hilfe
„Ich will grundsätzlich etwas Gutes tun“, erklärt Brox, der in 30 Jahren Obdachlosigkeit die schmerzliche Erfahrung gemacht hat, wie schlimm Hunger auf der Straße sein kann. Er freut sich über den großen Andrang im Bürgerhaus. Neben dem Gastraum war auch ein Nebenraum schnell mit Gästen gefüllt.
VfR-Präsident Boris Scheuermann ist darüber gleichermaßen erfreut und erschrocken. „Es ist gut, dass es solche Initiativen, wie die von Richard Brox gibt. Aber es ist schlimm, dass es in Mannheim so viele Menschen gibt, die auf so etwas angewiesen sind.“
Sein VfR sei zwar zum ersten Mal bei der Aktion dabei, aber nach der Resonanz der Premiere sicher nicht zum letzten Mal . Und auch Richard Brox hat bereits zukünftige Veranstaltungen im Blick, denn unmittelbare Hilfe, soziale Verantwortung und gelebte Nächstenliebe liegen ihm am Herzen.