Ludwigshafen
Architektur trifft Kunst: Neue Reihe „Haus-Besuche“ macht Ausflüge vor Ort
Hierhin können sich Menschen zurückziehen: Das Oval aus behaglich-bunten Leuchtflächen vermittelt Geborgenheit und umringt einen Quader über dem Tonfiguren an Fäden ins Licht schweben. Den „Raum der Stille“ hat das Künstlerduo Illig & Illig für das Ökumenische Hospiz Worms entwickelt. Entstanden ist ein Dazwischen. „Ein Raum auch als Zeitraum herausgenommen aus dem Alltag: geborgen, geschützt, gefasst, zart, poetisch. Ein Raum, in dem man drinnen draußen sein kann“, wie das Duo sein Projekt beschreibt. Das Zusammenspiel von Kunst und Architektur soll zeigen, dass Sterbebegleitung keine Dienstleistung, sondern eine Kulturtätigkeit am Ende des Lebens sei. Einen Eindruck davon kann man am Samstag, 14. März, 16 Uhr, gewinnen, im Gespräch mit den Künstlern. Die Gruppengröße sei zwar begrenzt bei den „Haus-Besuchen“ auf 20 bis 30 je nach Zielort, sagt Organisatorin Eleonore Hefner. Aber für Kurzentschlossene seien noch Plätze frei.
Linien aus der Landvermessung
Es werden Fahrgemeinschaften gebildet, und man steigt in die Bahn. Nach einigen Besuchen als Pilotprojekt bietet Eleonore Hefner die Reihe mit sieben Terminen nun öffentlich an. Auch wenn die Kunstschaffenden bekannt seien, bieten die Ausflüge die Chance, sich im Schauen zu üben und wieder anders zu schauen, zumal unterwegs und mit den Künstlern Gespräche entstünden, meint Hefner. Sie nennt sich bewusst „Expeditionsleiterin“. „Die Leute fliegen zwar nach Mallorca, aber mit der S-Bahn nach Dielheim, das ist das wahre Abenteuer.“ Oder nach Remagen in den Landkreis Ahrweiler. Dort hat Michael Volkmer, gebürtiger Ludwigshafener und Pfalzpreisträger 2024, fürs Arp-Museum 2014 eine Gästewohnung minimalistisch eingerichtet, die Raum für Inspiration bietet: graue Hocker zu einem himbeerroten Tisch vor einer zartgrünen Wand, die von der Künstlerin Birgit Schuh mit einem Liniennetz überzogen ist, das der Landvermessung entlehnt ist. Die Decke und Leuchtobjekte sind in Hell-Elfenbein gehalten.
Die Kunst des Fußballs
Diese Farbe, die als frei von „gefühlsmäßigen Zuschreibungen“ gilt, ist Michael Volkmers Markenzeichen. Er hat sie auch für 180 Pflastersteine verwendet, die am Skulpturenufer des Museums das Wort „Lapsus“ bilden, lateinisch für „Ausrutscher“, weil die bestehende Norm durchbrochen wird. Hier könnte die Gruppe entlangschlendern, die den Kunst-Bahnhof am Samstag, 6. Juni, 14 Uhr, besucht. Einige wollen übernachten und noch das Arp-Museum besichtigen.
Als „kleinen Ausrutscher“ bezeichnet Organisatorin Eleonore Hefner die Fahrt zum FCK-Museum am Sonntag, 29. März, 14 Uhr, in Kaiserslautern, um sich der Fußballkunst zu widmen. Stefanie Buffy Werner arbeitet nicht nur als Aufseherin in der Ludwigshafener Scharpf-Galerie, sondern hat selbst als Künstlerin ihre Häkelobjekte aus VHS-Bändern oder ihre „Manie-Bilder“ ausgestellt. In Kaiserslautern war ihre ordnende Hand gefragt: Sie ist seit 2022 Museumsleiterin und hat die Ausstellung chronologisch neu sortiert. „Den Wandel der ästhetischen Geschmäcker kann man jetzt nachverfolgen“, sagt Hefner und meint die Gestaltung der Schals und Pokale.
Kreativität im Umspannwerk
Mit dem Vernähen von Sicherheitsnetzen von der maroden Ludwigshafener Hochstraße hat Fritzi Haußmann auf sich aufmerksam gemacht. Die Künstlerin realisiert in Trier bei der Rheinland-Pfalz Triennale eine Arbeit für die Paulskirche. Mehr über ihre prozessorientierte Arbeitsweise erfährt man am Samstag, 30. Mai, 14 Uhr. Wo Geschäfte dicht machen, entstehen Freiräume: Nicht umsonst werden ungenutzte Gebäude in Ateliers umgewandelt. „Darüber kann man kontrovers diskutieren“, meint Hefner. „Nicht in jeden ehemaligen Optiker-Laden kann man Kunst reinsetzen und dann wird es schon gut.“ Aber das ehemalige Umspannwerk in Ludwigshafen, wo sich eine Atelier-Gemeinschaft gebildet hat, sei „der größte Wurf der letzten 30 Jahre, wo der Kunst etwas zugute gekommen ist“. Um „Transformation“ soll es deshalb beim Besuch mit Ulrich Thul und Markus Stürmer am Samstag, 1. August, 16 Uhr, gehen.
Den Bahnhof in Limburgerhof haben Sabine Amelung und Michaela Jäkel in eine Kultureinrichtung mitsamt Jugendkunstschule und Erwachsenenbildung umgewandelt. Während sie gegenüber ihr Atelier als Ort der Zurückgezogenheit nutzen und am Samstag, 23. Mai, 16 Uhr, Einblicke in „Kontemplation und Gemeinschaft“ geben. Um „Ferne Orte“ geht es am Samstag, 12. September, 16 Uhr, wenn sich der „Haus-Besuch“ mit dem Werk von Elke Weickelt beschäftigt, deren Arbeit durch Reisen inspiriert ist. Keine Sorge: Die Expedition bricht nur nach Dielheim im Kraichgau auf.
Termin
Anmeldeschluss ist sieben Tage vor Termin per Mail an info@kulturrheinneckar.de.