Limburgerhof
Anwohner erlebt Absturz mit: „Da ist ein Flugzeug im Garten gelandet“ (mit Bildergalerie)
Am Montagmorgen sind im Limburgerhofer Norden rund um die Albert-Einstein-Allee immer noch die Spuren des schrecklichen Flugzeugabsturzes vom Samstagvormittag zu sehen. Kurz vor 11.30 Uhr ist ein Kleinflugzeug vom Typ North American T-28A Trojan über dem Wohngebiet abgestürzt. Die beiden Insassen, ein 60 und ein 66 Jahre alter Mann aus Bayern, kamen bei dem Absturz ums Leben.
Die Trümmerteile waren weit um die Absturzstelle herum verstreut. Bunte, mit Sprühfarbe angebrachte Markierungen, zeigen genau, wo etwas gelegen hat. Mal sind die Kreise größer, mal kleiner. Auf dem Gehweg stehen auch an diesem Vormittag noch vereinzelt Anwohner. Man muss nicht lange raten. Die Mienen auf ihren Gesichtern verraten einem schon aus einiger Entfernung, welches Thema gerade diskutiert wird.
Dachdecker bei der Arbeit
Zum Beispiel bei der Dame und dem Mann kurz bevor man in den Siebenbürgenweg abbiegt. Auf dem Dach des Hauses, das dem Mann gehört, sind die Dachdecker bereits am Werk. Sie müssen eine Fläche neu decken, die durch heruntergefallene Flugzeugteile zerstört worden ist und werden auch bald fertig sein. Er habe zum Glück noch Ziegeln im Haus gehabt, sagt der Mann. Mehr will er nicht sagen. Er habe am Wochenende genug erzählt. Doch eins ist ihm noch wichtig: „Die Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr, das Technische Hilfswerk, die Polizei und den Bürgermeister war wirklich gut.“
Anhand der Markierungen wird deutlich, welchen Weg die Zweisitzer-Maschine bei ihrem Absturz genommen hat, ehe der Rumpf in den Garten eines Hauses in der Max-Planck-Straße gekracht ist. Der Bewohner des Hauses hat die Ereignisse vom Wochenende noch sehr deutlich parat. Er sei gerade dabei gewesen, mit seiner Frau aus dem Haus zu gehen. „Wir wollten eigentlich in den Pfälzerwald“, berichtet er im RHEINPFALZ-Gespräch. Sein Sohn sei mit den Enkelkindern schon vorgefahren gewesen. Um 12 Uhr habe man sich treffen wollen.
Einschlag im Garten
Doch dann habe seine Frau auf einmal gesagt: „Ach Gott, da ist ein Flugzeug im Garten gelandet.“ Er selbst habe Explosionen gehört, und schließlich einen Einschlag im Garten. Er habe zunächst gedacht, dass der Knall vielleicht von der BASF her gekommen sei. „Es hat sich angehört, als ob zwei Lastwagen zusammengestoßen sind“, erzählt er von dem Schreckmoment. Dann habe er sofort Polizei und Feuerwehr angerufen. Kurz danach hätten sich auch schon die ersten Schaulustigen eingefunden. Sein anderer Sohn habe sich nur ein paar Minuten später gemeldet. Er hatte offenbar aus dem Internet vom Flugzeugabsturz erfahren, wollte nun wissen, ob alles in Ordnung sei.
Der Mann, der gerade darauf gewartet hat, dass jemand von der Versicherung vorbeikommt und die Schäden in Augenschein nimmt, deutet auf seine Hecke, in der eine deutliche Lücke klafft. Dort habe das Flugzeug kopfüber gelegen. Einer der verunglückten Insassen habe sich noch im Cockpit befunden. Der Mann schaut schräg rüber zum Nachbarhaus. Auch dort seien Trümmerteile runtergegangen. Aber die Bewohner seien gerade in Urlaub. Auf dem Dach eines anderen Hauses ist die Leiche des zweiten Insassen niedergegangen. Diese ist laut Polizei von den Rettungskräften geborgen worden.
Bergung durch das THW
Bei ihm im Garten habe das abgestürzte Wrack eine Schneise geschlagen „bis zum Oleander“, erzählt er weiter und öffnet das Gartentor. Der Blumenkübel des Oleanders ist schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Ebenso das Gartenmäuerchen. Zum Glück sei von den Anwohnern niemand zu Schaden gekommen. Im Anschluss habe er mit vielen Geschädigten aus der Nachbarschaft gesprochen.
Noch im Laufe des Samstags sei das Technische Hilfswerk angerückt und habe mit der Bergung begonnen. „Dann sind auch die Leute aus Braunschweig gekommen“, berichtet der Mann. Er meint damit die Vertreter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, die ihren Sitz in der niedersächsischen Stadt hat. Am Sonntag hätten die Bergungsarbeiten bis zum Einbruch der Dunkelheit gedauert.
Vorsicht beim Rasenmähen
Er schaut sich in seinem Garten um. Ein Rechen und eine Harke lehnen an einer Vorrichtung für eine Hängematte. „Ach, die hat das THW offenbar vergessen. Die haben damit den Rasen durchkämmt und nach Kleinteilen gesucht“, berichtet der Mann. Man habe ihm auch geraten, beim Rasenmähen erstmal vorsichtig zu sein. Es sei ja nicht auszuschließen, dass kleinere Teile übersehen worden seien.
Neben dem Haus liegen kaputte Dachziegeln. Ein Blick nach oben zeigt, dass auch sein Haus etwas abbekommen hat. Und das nicht nur am Dach. Er deutet nach unten in Richtung Keller. Die Risse an einer Fensterscheibe sind auch aus ein paar Metern Entfernung deutlich zu sehen. Ein Flügel sei wohl zuerst aufs Dach gefallen und dann von dort in Richtung Keller gerutscht.
Seiner Frau und ihm gehe es gut, sagt er. „Im Augenblick haben wir keine Probleme.“ Aber er könne nicht sagen, wie das in ein paar Tagen aussehe, wenn sich die ganze Aufregung gelegt hat.
Die Ermittler der Kriminalpolizei und der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig haben indes die Ermittlungen zu der Unglücksursache aufgenommen. Sie werden in den kommenden Monaten das Wrack zusammenbauen und Flugdaten auswerten. Nach aktuellem Ermittlungsstand gehe man davon aus, dass das Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen sei, sagt Thorsten Mischler vom Polizeipräsidium Rheinpfalz. Einen Zusammenprall mit einem Flugzeug oder einem anderen Flugobjekt – eine Drohne etwa – schließe man aus. Die Maschine war am Samstagmorgen auf dem privaten Flugplatz Aachen-Merzbrück in Richtung Oberpfaffenhofen in Bayern (Kreis Starnberg) gestartet. Geschwindigkeit und Flughöhe seien konstant und unauffällig gewesen, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung bereits am Sonntag auf Anfrage. Um 11.20 Uhr habe der Pilot mit den Kollegen der Flugsicherung das letzte Mal Kontakt gehabt. Um 11.27 Uhr habe man auffällige Flugbewegungen bemerkt und sofort die Rettungskräfte alarmiert.