Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Angelo Montana: Pizza im Kirchturm, Gastronom mit Kultstatus

So kennt man ihn: Angelo Montana vorm „La Torre“ mit – natürlich – einem Espresso.
So kennt man ihn: Angelo Montana vorm »La Torre« mit – natürlich – einem Espresso.

Sein Ristorante ist eine Institution in Ludwigshafen, sein Humor und seine Eiskunst sind legendär. Am Montag hat Angelo Montana seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Er ist ein Unikat und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Sein Lokal, die Pizzeria „La Torre da Angelo“ im Lutherturm in der Innenstadt, ist längst eine Institution in Ludwigshafen. Am Montag ist Angelo Montana 70 geworden. Gefeiert wurde mit einem „Auswärtsspiel“. In Frankenthal hat seine Familie eine Überraschungsparty für ihn organisiert.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Angelo Montana eine feste Größe in Ludwigshafen – ein Mann, der aus seiner Wahlheimat längst nicht mehr wegzudenken ist und dort inzwischen Kultstatus genießt. Jeder kennt sein italienisches Restaurant im ehemaligen Kirchturm. Wenn die Sonne scheint und der Lutherbrunnen plätschert, wird die Terrasse zu einem der schönsten Plätze im Zentrum, um Pizza, Pasta und Eis zu genießen.

„Herz und Seele des Restaurants“

Doch der besondere Charme des Lokals speist sich nicht allein aus dem Standort, der regelmäßig Künstler, Politiker, Kirchenleute, Schöngeister und Journalisten anzieht. Es ist die Familie Montana, die dem Ort Wärme und Persönlichkeit verleiht – allen voran ihr Oberhaupt. Angelo sitzt meist auf der obersten Treppenstufe an seinem Stammtisch und hält Ausschau nach vertrauten Gesichtern, die ihre Mittagspause oder den Abend bei ihm verbringen. „Er ist das Herz und die Seele des Restaurants“, sagt Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) über den Jubilar. Treffender kann man es kaum formulieren.

Fingerzeig 1: Zum Thema Fußball hat Angelo Montana immer eine knackige Botschaft.
Fingerzeig 1: Zum Thema Fußball hat Angelo Montana immer eine knackige Botschaft.

Seit gut 20 Jahren residiert das Ristorante im Lutherturm und trägt folgerichtig den klangvollen Namen „La Torre da Angelo“. „1979 habe ich mein erstes Lokal in der Kaiser-Wilhelm-Straße eröffnet“, erzählt Montana, eingefleischter Anhänger von Inter Mailand. Über Fußball, Gott und die Welt kann man mit ihm stundenlang parlieren, stets mit einem Augenzwinkern und tiefer Leidenschaft.

Anfangs verkaufte er nur Eis, bald kamen kleine Snacks, schließlich eine umfangreichere Speisekarte hinzu. Früh knüpfte er enge Bande zum Pfalzbau-Theater: Das Ensemble traf sich stets in seinem Lokal – eine Tradition, die bis heute lebt. Die Wände zieren Fotos und Autogramme prominenter Gäste: Musiker, Sportler und Schauspieler – von Senta Berger bis Ulrike Folkerts. Montanas Pfalzgeschichte begann allerdings noch früher: im Landkreis Bergstraße, und zwar mit einer Kugel Nusseis.

Mit dem Eisbus auf Achse

„Eigentlich wollte ich nur für zwei Monate nach Deutschland kommen – das ist über 50 Jahre her“, erzählt der Italiener, der in Venezuelas Hauptstadt Caracas geboren wurde und als Vierjähriger nach Sizilien kam. In seiner Heimatstadt hatte er eine Priesterausbildung begonnen. In den Ferien besuchte er den Onkel in Deutschland, einen Eismacher in Hirschhorn am Neckar, und half über den Sommer im Geschäft. Eine 15-Jährige mit Vorliebe für Nusseis kam täglich, kaufte eine Kugel und lächelte – mehr brauchte es nicht. „Da wusste ich, dass ich hierbleiben muss“, erinnert sich Montana an die erste Begegnung mit seiner späteren Frau Gabriele.

Priesterausbildung passé

Die Priesterausbildung war damit passé. Montana tourte zunächst mit einem Eisbus durch die Kurpfalz und ließ sich mit seiner Jugendliebe in Ludwigshafen nieder. Heute sind der 70-Jährige und seine Gabi Eltern zweier erwachsener Kinder – Salvatore (Jahrgang 1988) und Michelina (Jahrgang 1982) – und Großeltern von vier Enkeln, das fünfte, ein Mädchen, wird im April erwartet. Die Familie steht für ihn über allem, das Lokal ist stets ein Familienbetrieb geblieben.

Fingerzeig 2: Bröckeln Steinchen vom Lutherturm, entgeht das dem Hausherr natürlich nicht.
Fingerzeig 2: Bröckeln Steinchen vom Lutherturm, entgeht das dem Hausherr natürlich nicht.

Drei Generationen tragen das Haus und halten zusammen – in guten wie in schweren Zeiten. Besonders schwer war der Verlust von Michelinas Ehemann Johannes, Vater ihrer zwei kleinen Töchter, der innerhalb weniger Wochen an einer Corona-Infektion starb. Er wurde nur 50 Jahre alt.

Offiziell hat Junior Salvatore, selbst verheiratet und Familienvater, die Leitung des Betriebs übernommen. Doch Angelo bleibt jener ruhende Pol, der vom Stammplatz aus das bunte Treiben auf der Terrasse und am Lutherbrunnen im Blick behält – der Chef im besten Sinne: präsent, nahbar, mit wachem Sinn für Details, um keinen Kommentar verlegen.

Streng geheimes Rezept

Vor allem im Sommer sind seine Künste als Eismacher gefragt. Seine Rezepturen sind sein Schatz, den er eisern hütet. „Alles streng geheim. Das dürfen auch meine Kinder nicht wissen. Nur meiner Enkelin Lucia – der habe ich schon einige Rezepte aufgeschrieben. Irgendwann tritt sie dann in meine Fußstapfen“, sagt er mit einem Lächeln. Neben frischen Zutaten sei vor allem eines entscheidend: das Eis „mit sehr viel Liebe“ zuzubereiten.

Im Lokal: Angelo und sein Sohn Salvatore Montana.
Im Lokal: Angelo und sein Sohn Salvatore Montana.

Zum runden Geburtstag des Familienpatrons, begleitet von italienischer Live-Musik, reisten sogar Verwandte aus Sizilien an. Rund 40 Gäste feierten mit ihm. Fragt man Montana, woher er kommt, sagt er: Ludwigshafen sei sein Zuhause. Im Herzen bleibt er natürlich Italiener – und leidenschaftlich genug, um sich furchtbar darüber zu ärgern, dass die „Squadra Azzurra“ das direkte Ticket für die Fußball-WM verpasst hat. „Eine Blamage ist das.“

Das Kunststück mit dem Eis

Sein Humor ist ebenso legendär wie ein Kunststück, das er in den wärmeren Monaten gern mit seinem nicht minder gewitzten Sohn auf dem Lutherplatz vorführt: Angelo wirft „Salva“ eine Eiskugel über mehrere Meter im hohen Bogen zu, der sie lässig mit dem Mund auffängt – ein eiskalter Volltreffer, der nie sein Ziel verfehlt. Das größte Geschenk bleibt für ihn jedoch, am Geburtstag die ganze Familie um sich zu wissen. Die Rolle, die ihm am besten steht: Der liebenswerte Pate von Ludwigshafen.

Pasta in BVB-Farben

Deutschland liebt er, wie er immer wieder betont. Und wenn der Fußball enttäuscht, verarbeitet er das kulinarisch, garniert mit ein wenig Häme: Als die Elf von Hansi Flick bei der WM 2022 in Katar früh ausschied – wohin der amtierende Europameister Italien gar nicht erst fuhr –, erfand Montana eine Pizza. Ihr Name: „Endstazione“. Ein Konter, der saß. Und ein weiterer Beleg dafür, wie sehr dieser Mann Lebensfreude, Heimatliebe und italienisches Temperament vereint. In seinem ersten Lokal servierte Montana dem Autor dieser Zeilen übrigens am Abend des 28. Mai 1997 schwarz-gelbe Nudeln, also in den Vereinsfarben von Borussia Dortmund. Der BVB verputzte Juventus Turin im Champions-League-Finale in München am Ende mit 3:1. Montana war keineswegs betrübt. Als Inter-Fan drückte er nämlich den Westfalen die Daumen.

x