Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Angehörige leiden nach Friedhof-Diebstahl: Grabkreuz und Grablicht geklaut

Das gestohlene Grabkreuz der Familie Mähler.
Das gestohlene Grabkreuz der Familie Mähler.

Auf einem Friedhof in Ludwigshafen verschwinden wertvolle Erinnerungsstücke. Die Polizei sieht ein bekanntes Muster. Für Angehörige bleibt vor allem der emotionale Schaden.

Auf den ersten Blick ist alles ruhig auf dem Friedhof in Maudach. Doch der Eindruck täuscht. Gleich zwei Diebstähle innerhalb weniger Tage verunsichern derzeit Angehörige und werfen die Frage auf, ob es womöglich noch weitere Fälle gibt, die bislang unbemerkt geblieben sind. Betroffen sind Wilfried Mähler und Rita Augustin-Funck. Von ihren Familiengräbern wurden wertvolle Gegenstände aus Metall entwendet, offenbar gezielt und mit erheblichem Aufwand.

Zwei Fälle, ein Muster

Mähler stellte den Diebstahl eher zufällig fest. Als er an einem Abend zum Gießen ans Grab seiner Mutter kam, fiel ihm zunächst nichts auf. „Ich habe es erst nach ein paar Minuten gemerkt“, sagt der 82-Jährige. Dann wurde ihm klar: Das etwa 1,50 Meter große Bronzekreuz war verschwunden.

Nach seiner Einschätzung wurde es fachmännisch aus dem Steinsockel geflext. Beschädigungen am Grab selbst gibt es keine. „An Ostern war noch alles da“, sagt er. Der materielle Schaden liegt bei rund 3500 Euro.

Auch Augustin-Funck, ehemalige Stadträtin und Ortsvorsteherin für die CDU, machte eine ähnliche Erfahrung. In der Zeit zwischen dem 7. und 16. April verschwand vom Grab ihrer Familie ein schweres Bronzelicht. Es war auf einem massiven Granitsockel fest verankert und stand dort seit Jahrzehnten.

Große emotionale Bedeutung

In beiden Fällen geht es den Betroffenen nicht nur um den materiellen Verlust. Für Mähler hatte das Kreuz eine besondere Bedeutung: Seine Mutter sei an Krebs gestorben, das Kreuz habe symbolisch für ihr Leid gestanden. 35 Jahre lang habe es das Grab geprägt.

Augustin-Funck verbindet mit dem gestohlenen Licht die Erinnerung an ihren Vater. Er starb vor 40 Jahren, hatte Krieg und Gefangenschaft erlebt. „An Ostern habe ich noch eine Kerze angezündet“, sagt sie. Wenige Tage später war das Licht verschwunden. „Der ideelle Wert ist nicht zu beziffern“, sagt sie. Der materielle Schaden liegt bei etwa 1000 Euro.

Täter möglicherweise gut vorbereitet

Beide Fälle weisen Parallelen auf. Es wurden gezielt Gegenstände aus Metall entwendet, die fest verankert waren und sich nicht ohne weiteres entfernen lassen. Augustin-Funck vermutet daher, dass mehrere Täter beteiligt gewesen sein könnten. „Das ist sehr schwer gewesen, das trägt keiner einfach so weg“, sagt sie. Möglich sei, dass ein Fahrzeug benutzt wurde.

Auch Mähler hält es für denkbar, dass die Täter ungestört gearbeitet haben und möglicherweise sogar tagsüber. „Die Leute denken sich nichts dabei, wenn jemand am Grab etwas macht“, sagt er. Die Sorge, dass es nicht bei diesen beiden Diebstählen geblieben ist, wächst. Denn viele Gräber werden nicht täglich besucht. „Es kann gut sein, dass noch mehr passiert ist und es nur noch nicht aufgefallen ist“, sagt Augustin-Funck.

Beide haben Anzeige bei der Polizei erstattet, machen sich jedoch wenig Hoffnung auf Aufklärung. Gleichzeitig ziehen sie Konsequenzen: Wertvolle Gegenstände wollen sie nicht mehr auf den Gräbern lassen. „Jetzt kommt nur eine Blumenschale aus Blech hin“, sagt Mähler.

Forderung nach mehr Sicherheit

Augustin-Funck wünscht sich mehr Schutz für den Friedhof. „Mehr Präsenz würde abschrecken“, sagt sie. Auch über technische Maßnahmen wie Kameras müsse man zumindest nachdenken, auch wenn das auf einem Friedhof zunächst befremdlich wirke.

Die vorhandene Umfriedung hält sie für wenig wirksam. „Es gibt eine Sandsteinmauer, aber die kann ich mit 70 noch übersteigen“, sagt sie. Mähler setzt vor allem auf Aufmerksamkeit. Sein Appell: „Wenn jemand am Grab arbeitet, sollte man ruhig mal nachfragen.“

Polizei: Metall im Fokus

Nach Angaben einer Sprecherin des Polizeipräsidiums Rheinpfalz handelt es sich um ein bekanntes Phänomen. „Typischerweise werden sakrale Gegenstände aus Metall entwendet“, erklärt sie – darunter Kreuze, Lampen oder Vasen aus Bronze, Kupfer oder Messing.

Hintergrund sei meist der Materialwert. „Auf den Diebstahl folgt oft eine Verwertungstat“, so die Polizei. Die Gegenstände würden eingeschmolzen und weiterverkauft, was die Ermittlungen erschwere. Die Schadenssummen liegen im Durchschnitt im niedrigen dreistelligen Bereich, können im Einzelfall aber deutlich höher sein.

Einen klaren Schwerpunkt gäbe es in Ludwigshafen nicht, auch wenn der Friedhof in Maudach bereits in der Vergangenheit betroffen gewesen sei. In einigen Fällen konnten Tatverdächtige ermittelt werden, meist handele es sich jedoch um Einzeltäter.

Einen Anstieg der Fälle sieht die Polizei aktuell nicht. Dennoch rät sie zu erhöhter Aufmerksamkeit. Besucher sollten verdächtige Beobachtungen melden, Friedhofsverwaltungen könnten durch Beleuchtung, Sicherungen oder Kontrollen vorbeugen.

Maudacher Friedhof: Zwei Diebstähle innerhalb weniger Tage verunsichern Angehörige und werfen viele Frage auf.
Maudacher Friedhof: Zwei Diebstähle innerhalb weniger Tage verunsichern Angehörige und werfen viele Frage auf.
Das 1,5 Meter große Kreuz wurde fachmännisch und mit viel Aufwand aus dem Stein geflext.
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35 Jahre lang stand dieses Bronzelicht auf dem Familiengrab.
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