Mannheim
Anders schön: „Dschungelbuch“ als Kindermusical im Palazzo
Draußen tragen die kleinen Gäste dicke Jacken, doch drinnen tobt der Dschungel. Schon vor der Premiere des nun an 25 Tagen präsentierten Musicals für Kinder ab vier Jahren verwandelt sich das Spiegelzelt des Harald Wohlfahrt Palazzos in eine magische Traumwelt voller Urwaldgeräusche. Es ist ein Fauchen, Knurren und Brüllen, schwere Ketten baumeln wie Lianen von der Decke. Alles ist festlich dekoriert und erstrahlt in einem grünen Licht. Schnell können sich die 430 Besucher so einfühlen, in eine ferne, exotische Welt.
Prominenter Komponist
„Dschungel: wie viel Fantasie und Zauber liegen in diesem Wort. Und wie märchenhaft ist die Geschichte des kleinen Jungen, der Mogli hieß“, heißt es in dem 1894 von Rudyard Kipling geschriebenen Meisterwerk. 130 Jahre später werden die Besucher von sächselnden Geiern begrüßt, taucht man ein in eine humorvolle, coole und kindgerechte Sprache. Als Vorlage dient das Stück des 2022 verstorben Kindermusical-Produzenten Christian Berg, die Musik wurde von niemand Geringerem als dem Münchner Liedermacher Konstantin Wecker komponiert. Und die Lieder können es durchaus mit den Disney-Hits aufnehmen. Der Tourneeveranstalter C2-Concerts hat bereits im vergangenen Jahr die Geschichte von Jim Knopf als Musical ins Palazzo gebracht.
Schon beim „Dschu-Dschu-Song“, der die Choreografie („Jeder tanzt heute mit, ein Schritt vor, zwei zurück“) bereits in seinen Zeilen trägt, bewegen sich wie automatisch ein paar junge Mädchen mit. Das Publikum wird immer wieder in die Geschichte einbezogen. Oft muss man Mogli vor den Gefahren im Dschungel warnen und dabei – ob als Kind oder Erwachsener – selbst lernen, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Überdicker Kuschelbauch
Denn das Menschenkind, das im Urwald ausgesetzt wird und im Schutz der Wölfe aufwächst, muss sein Rudel verlassen, als der Tiger Shir Khan in den Dschungel zurückkehrt. Mit dem schwarzen Panther Baghira begibt sich der Junge eher unfreiwillig auf den Weg zur Menschensiedlung, und eine innere Zerrissenheit zwischen wild sein und Kind sein wird spürbar. „Im Dschungel bleiben oder zu den Menschen gehen?“: Diese Frage wird während der Handlung häufiger gestellt, und immer sieht die Antwort ein wenig anders aus.
Fünf Schauspieler schlüpfen für das 90-minütige Musical in die unterschiedlichsten Rollen. Da wird Mogli (gespielt von Sonja Caterina Grenz) von der Schlange Kaa (Süster Kristin Paulsen) hypnotisiert oder von einer Affenbande entführt. Gespannt aber wartet alles auf den Auftritt von Balu. Florian Bruno Kondur mimt den etwas tollpatschigen Bären mit überdickem Kuschelbauch und passendem „Babalu“-Song. Und er warnt seinen Freund Mogli ganz up to date vor den Menschen, die in flüsternde Bananen sprechen und nie Zeit hätten.
„Ganz anders, aber schön“
In diesen Momenten ist das Musical dem Disney-Klassiker natürlich seiner Zeit voraus. Der Einsatz eines Dschungelforschers ist für ältere Besucher zunächst ungewohnt, aber erhellend. Zumal Erzähler Denis Bode später in die Rolle von Shir Khan schlüpft. Keine Tigermaske, sondern eine einfache gestreifte Pranke und eine fauchende, tiefe Stimme genügen, um dem Publikum Respekt einzuflößen. Ganz still ist es dann im Spiegelzelt. Doch keine Bange! Auch die Frage nach dem Bösen wird nicht eindimensional erzählt. Sogar der Tiger kann das Publikum zum Lachen bringen.
Und so erweist sich das Dschungelbuch am Ende als große Metapher. Es geht um eine Suche nach Freunden, Vertrauen und letztlich um eine Suche nach sich selbst, nach einer Identität. „Es ist ganz anders, aber schön“, lautet das Fazit der Erwachsenen, während viele Kinder beim Weg nach draußen noch den Dschu-Dschu-Song auf den Lippen haben. Ein Lied, nach dem sie im Disney-Film vergeblich suchen werden.
Termine
Bis Sonntag, 5. Januar, täglich um 10 Uhr im Palazzo-Spiegelzelt auf Taylor. Im Netz: www.mannheimer-kindermusical.de.