Ludwigshafen Alles Mechanik und Handarbeit
„Ich bin 75 Jahre alt, meine Kamera aber wesentlich älter“, erzählt Heinz Trink aus Mutterstadt. Es besitzt noch seine alte Balda-Kamera, ein Geschenk von seinen Eltern in den 1950er-Jahren. „Sie war klein, kompakt und praktisch“, erzählt der 75-Jährige, der aus dem Salzburger Land stammt. Als Österreicher ging er oft auf Bergtouren, dafür war der kleine Apparat perfekt, denn er passt in den Rucksack. „Er war schon auf der Tour zum Dachstein dabei“, erzählt er. Das Besondere an der Kamera ist, dass in ihr ein Rollfilm aus Negativ-Papier belichtet wurde. Das Fotografieren war reine Mechanik und Handarbeit. Die Blende und Belichtungszeit mussten an Kamera und Objektiv eingestellt werden. „Meist Blende 11 und 1/125 Sekunde“, erinnert sich der Mutterstadter, veränderte sich das Wetter, wurde nachjustiert. Manchmal kam auch ein Belichtungsmesser zum Einsatz. „Man hat sehr bewusst fotografiert“, sagt er, denn jeder Film hatte nur zwölf Bilder und das Entwickeln war damals nicht billig, vor allem für einen Zwölfjährigen. Dennoch hat die Balda bei Heinz Trink die Liebe zur Fotografie geweckt: „Es ist bis heute mein Hobby.“ Exot beim Schüleraustausch Seine Begeisterung fürs Fotografieren hat Horst Müller von seinem Vater, erzählt der Limburgerhofer. Ende der 1960er-Jahre bekam er die alte Kamera seiner Mutter, eine Billy II von Agfa, geschenkt. „Da konnte ich dann mit meinem Vater über Brennweiten und Belichtungszeit fachsimpeln.“ Seine Bewährungsprobe als Hobby-Fotograf hatte er 1974 als Schüler der Realschule Mutterstadt, denn es ging zum Schüleraustausch nach England. Damals war er 14 Jahre alt und musste seine Eltern erst überzeugen, die Kamera mitnehmen zu dürfen. „Damit war ich natürlich ein Exot, aber stolz und zufrieden, nicht mit einer billigen Plastikkamera, wie in den 1970ern üblich, rumlaufen zu müssen“, erinnert sich Horst Müller. Zudem konnte er schon damals „Selfies“ mit seinem Fotoapparat machen, denn „die Billy II hatte als Highlight einen Selbstauslöser“, sagt er. Während der England-Reise gab es viel zu fotografieren, doch pro Film konnten nur acht oder zehn Fotos gemacht werden. „Ich kam mit über zehn Filmen zurück“, erzählt der 58-Jährige. Das Geld für die Filme war noch im Reisebudget enthalten, aber nicht die Kosten fürs Entwickeln. Also hat er die Fotos nach und nach entwickelt, immer dann, wenn er wieder genügend Taschengeld dafür hatte. Erste Motive waren Burgen Winfried Seelinger besitzt eine Sammlung alter Fotoapparate. Seine eigene erste kompakte Kamera war eine Agfa Adox Golf, Baujahr 1954, er bekam sie als Zwölfjähriger von seinen Eltern geschenkt. Auf Ausflügen zu den Burgen in der Region und bei Familienfesten macht er damit seine ersten Fotos – „alle im Format sechs mal sechs oder sieben mal sieben Zentimeter“. Alle Einstellungen waren Handarbeit, es gab keinen Autofokus. Ein Belichtungsmesser und die geschätzte Entfernung waren die Parameter für die richtige Einstellung. Die Leidenschaft fürs Fotografieren war mit der Kamera geweckt. Später besuchte er ein Foto-Seminar und kaufte sich eine Spiegelreflex-Kamera. Damit hat er unzählige Fotos auf seinen vielen Reisen gemacht: „Von China bis Hawaii, vom Nordkap bis zum Kap Horn – ich war schon in vielen Ländern“, erzählt der pensionierte Lehrer. Winfried Seelinger war Konrektor der Kurpfalzschule in Dannstadt. Dort leitete er auch Foto-AG. Seine Reisefotos hat er in der Schule aufgehängt und immer wieder ausgetauscht. „Die Schüler kamen und fragten, ob schon wieder neue Fotos zu sehen sind“, erinnert er sich. Erste Kamera mit 13 bekommen Petra Schneiders Opa hat sie mit der Leidenschaft fürs Fotografieren angesteckt. „Seine alte Franka steht heute auf meinem Wohnzimmerschrank“, erzählt die Fußgönheimerin. Die Kamera hatte der Großvater beim Franzosenfeldzug im Zweiten Weltkrieg dabei. „Es existieren sogar noch Bilder davon“, erzählt die 55-Jährige. Sie selbst hat mit 13 Jahren eine kompakte Agfa-Kamera geschenkt bekommen. „Ich hatte sie bei meinem Kommunionsausflug an die deutsch-deutsche Grenze in Mödlareuth das erste Mal dabei“, erinnert sie sich. Fotografiert hat sie immer auf Dia-Film, „das war günstiger als Fotos auf Papier“. Später hat Petra Schneider auch einen Fotokurs besucht. Heute fotografiert sie am liebsten Porträts, auch schon mal auf Hochzeiten, Taufen oder großen Familienfeiern für Freunde und Bekannte. Auch wenn sie heute digital fotografiert, die analoge Fotografie hat ihrer Meinung nach ihren eigenen Charme. Begleiter auf USA-Reise Der erste Fotoapparat von Edgar Alt aus Altrip war eine Zeiss Ikon 6x9 Box Tengor Goerz Frontar. Die Bilder wurden auf Schwarz-weiß-Rollfilmen belichtet. „Ich hatte die Kamera von 1957 bis 1964 benutzt, vor allem bei längeren Fahrradtouren ins Elsass, in die Schweiz, in den Schwarzwald und nach Paris“, erzählt er. Das gute Stück ist auch noch in Familienbesitz. „Meine älteste Tochter hat es mir abgeluchst“, erzählt er. Danach hat sich Edgar Alt 1964 eine Agfa Adox Pronto zugelegt. Die Kamera war 1965 unter anderem bei seinen Reisen in die USA, Huntsville Alabama, dabei. Unter anderem fuhr er durch Texas bis nach Laredo. Auf der mexikanischen Seite ging es den Rio Grande entlang über Nuevo Laredo Matamoros, bis an den Golf von Mexiko. Dabei trafen sie auf Manual, einen Schuhputzer aus Matamoros. Er hat ihnen die Stadt gezeigt. „Wir haben uns mit einem fürstlichen Trinkgeld bedankt, zumal er nach dem Tod der Mutter seine kleinen Geschwister mit ernähren musste“, erzählt er. Auf die Nettar war Verlass „Vor dem Auslösen ausatmen, Luft anhalten, damit das Bild nicht verwackelt, dann drücken – und bloß nicht vergessen, den Film weiterzudrehen. Sonst hat man zwei Fotos übereinander“, so beschreibt Erika von Uslar aus Schifferstadt das Fotografieren mit ihrer Zeiss Ikon Nettar 5l5 / 516. „Das war ganz wichtig“, erzählt sie. Die Kamera hat sie in 1950er-Jahren ihrem Bruder von ihrem ersparten Taschengeld abgekauft. „Ich war sehr stolz auf meinen ersten Fotoapparat und habe als ,Durchschnittsknipserin’ auch ganz schöne Fotos gemacht, wie ich finde.“ Irgendwann ist Erika von Uslar auf neuere Modelle umgestiegen. Doch streikten die, griff sie wieder auf ihre alte Nettar zurück. Bessa mit besonderem Extra Aus dem Jahr 1936 ist der Fotoapparat von Klaus Schmitt, „mein Vater soll ihn im Jahre 1936 gekauft haben“, erzählt er. Auf jeden Fall sei es ein Vorkriegsmodell, denn der Mutterstadter hat noch Bilder vom Arbeitsdienst seines Vaters. Die Kamera ist eine Voigtländer Bessa für Negativformat für einen Sechs-mal-neun-Rollfilm und immer noch voll funktionsfähig. Auch besitzt Klaus Schmitt noch diverses Zubehör wie eine Ledertasche, ein Drei-Fuß-Stativ und eine Stoffhülle. Ein besonderes Extra ist eine Blechblende, die in den Apparat eingelegt wurde. „Damit konnte man statt nur acht sogar 16 Bilder im Format sechs mal 4,5 Zentimeter aufnehmen. Der Mutterstadter hat noch etwa 100 Fotos und Negative, die mit diesem Apparat aufgenommen wurden.