Interview Aktion 72: Rekordergebnis bei Spendensammlung

Ulrich Alter ist seit 2014 Vorsitzender der Aktion 72. Der Friesenheimer arbeitet bei einer Bank, ist verheiratet und hat zwei K
Ulrich Alter ist seit 2014 Vorsitzender der Aktion 72. Der Friesenheimer arbeitet bei einer Bank, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Ein Fallbeispiel: Die Waschmaschine eines Rentners ging kaputt, für einen Ersatz fehlte das Geld.
Ein Fallbeispiel: Die Waschmaschine eines Rentners ging kaputt, für einen Ersatz fehlte das Geld.

Seit fast 50 Jahren hilft die „Aktion 72“ Bedürftigen in Ludwigshafen. Rund 147 000 Euro sind in diesem Jahr zusammengekommen – das ist Rekord. Am Wochenende endet die Hilfsaktion, die von der RHEINPFALZ unterstützt wird. Wir haben mit dem Vorsitzenden Ulrich Alter (55) über eine Spendenaktion im Schatten der Corona-Pandemie gesprochen.

Herr Alter, wie erklären Sie sich das Rekordergebnis bei der Spendensammlung?
Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Anzahl der Spender gestiegen. Diesmal haben sich 1662 Mitbürger an der Weihnachtsspendenaktion beteiligt. Zum Vergleich: Wir hatten im Vorjahr rund 1000 Einzelspender. Wir hatten zuvor auch noch nie mehr als 1300 Spender. In diesem Jahr gab es einen großen Zuwachs. Mit dem Endergebnis sind wir hoch zufrieden und glücklich. Es wurde die fantastische Summe von 147.000 Euro erreicht.

Hat das vielleicht auch etwas mit der Corona-Pandemie zu tun?
Ja, ich glaube schon, dass dieses Ergebnis eine deutliche Reaktion auf die Pandemie ist. In problematischen Zeiten ist die Spendenbereitschaft der Leute einfach höher. Dass wir aber in diesem Jahr ein Rekordergebnis erzielen, hätte ich nie gedacht.

Viele Leuten haben ja Einbußen beim Gehalt durch Kurzarbeit. Dennoch wurde eifrig gespendet.
Das stimmt. Wir hatten uns vor dem Beginn schon Gedanken gemacht, ob sich das auf die Aktion auswirkt. Umso mehr sind wir jetzt positiv überrascht. Vielleicht können sich die Leute wegen der Pandemie mit den Nöten anderer Menschen stärker identifizieren und spenden deshalb mehr.

Wer hat alles gespendet?
Wir haben jedes Jahr einen festen Stamm von Spendern. Das sind so etwa 1000 Menschen, die immer mitmachen. Mittlerweile gibt es auch Großspender, das sind Firmen oder Stiftungen, die uns größere Beträge zukommen lassen. Unterm Strich sind uns aber auch die vielen kleinen Spenden von Einzelpersonen wichtig, um nicht von einem Großspender abhängig zu sein. Wir freuen uns über jeden Euro, den wir bekommen.

Warum wird die Hilfsaktion auch nach fünf Jahrzehnten noch gebraucht?
Wir springen da ein, wo es in Einzelfällen Lücken gibt im Sozialstaat. Manche fallen einfach durch das Raster. Zum Beispiel hat sich eine Frau an uns gewandt, die berichtet, dass sie vom Sozialamt an die Aktion 72 verwiesen worden sei. Ihr droht die Obdachlosigkeit, weil sie nach einer Privatinsolvenz nicht das Geld für die Kaution bei einer neuen Mietwohnung zusammenbekommt. Kredit von einer Bank bekommt sie deshalb nicht. Wir prüfen, ob wir einen Zuschuss für die Kaution geben, um hier Obdachlosigkeit zu vermeiden.

Generell bekommen die Hilfesuchenden aber kein Geld, sondern Sachgutscheine, oder?
Genau. Wir arbeiten dabei mit sozialen Hilfsorganisationen zusammen. Die müssen uns gegenüber nachweisen, wie und für was sie das Geld verwendet haben. Die Spenden der Aktion 72 sind bei den Hilfsorganisationen fest eingeplant. Damit kann schnell und unbürokratisch geholfen werden. Etwa, wenn die Georgens-Schule Sitzsäcke anschaffen will oder ein armer Rentner eine neue Waschmaschine braucht. Die Fallbeispiele stehen ja immer in der RHEINPFALZ.

Wie wichtig ist diese Plattform?
Immens wichtig. Wir wissen aus Rückmeldungen, die Fallbeispiele lesen ganz viele Leute, und auch die Spenderliste wird aufmerksam verfolgt. Auch der in der Zeitung beigelegte Überweisungsträger sorgt immer für einen Schub beim Spendenaufkommen. Die RHEINPFALZ unterstützt uns seit 26 Jahren. In dieser Zeit haben wir zusammen zwei Millionen Euro gesammelt. Gemeinsam sind wir stark.

Zur Sache: Die Aktion 72

Seit 1972 gibt es die Aktion 72, die unverschuldet in Not geratenen Bürgern aus Ludwigshafen hilft. Zum 26. Mal hat in der Adventszeit die Spendenaktion in Zusammenarbeit mit der RHEINPFALZ stattgefunden. Wir veröffentlichen jedes Jahr Fallbeispiele, um zu zeigen, wie mit dem Geld den Betroffenen konkret geholfen wird. Eine Besonderheit der Aktion 72: Die Hilfesuchenden bekommen Sachgutscheine und kein Bargeld. Bei der vergangenen Weihnachtsspendenaktion waren