Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel AfD: Vorsitzender des Kreisverbands überrascht von Bollingers Demontage in Mainz

Freute sich über die landesweiten AfD-Zugewinne, scheiterte am Sonntag aber als Landtagskandidat im Wahlkreis 36 (Ludwigshafen I
Freute sich über die landesweiten AfD-Zugewinne, scheiterte am Sonntag aber als Landtagskandidat im Wahlkreis 36 (Ludwigshafen I): Johannes Thiedig.

Die Demontage von AfD-Spitzenkandidat Jan Bollinger nach der Landtagswahl hat der Ludwigshafener Kreisverband (137 Mitglieder) mit etwas Verwunderung verfolgt.

„Sein Scheitern bei der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden hat mich tatsächlich überrascht“, sagt Kreisvorsitzender Johannes Thiedig (49) auf Anfrage. „Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen Beschluss eines Parteigremiums, sondern um die interne Entscheidung einer neu konstituierten Landtagsfraktion, der ich nicht angehöre“, ergänzt er. „Daher steht es mir nicht zu, sie zu bewerten. Wir haben eine sehr gute Landtagsfraktion, und nur ihr steht es zu, zu entscheiden, von wem sie geführt werden soll.“ Diese Entscheidung müsse auch keine zwingenden Folgen für den Parteivorsitz haben, weil dieser auf einem Landesparteitag bestimmt werde und nicht an das Fraktionsvotum gebunden sei. „Auch wenn eine Dreiviertelmehrheit gegen Bollinger natürlich ein ernstes Misstrauensvotum darstellt“, so Thiedig. „Ob die Parteimitglieder dieses Misstrauen teilen, wird sich zeigen.“

Wurde von der AfD-Fraktion in Mainz abserviert: Jan Bollinger (49). Ob er weiter Landesvorsitzender bleibt, ist derzeit offen.
Wurde von der AfD-Fraktion in Mainz abserviert: Jan Bollinger (49). Ob er weiter Landesvorsitzender bleibt, ist derzeit offen.

„Nötigt mir allerhöchsten Respekt ab“

Einen persönlichen Favoriten für den Landesvorsitz habe er nicht, weil der Landesverband personell so gut aufgestellt sei, dass ihm „mehrere gute potenzielle Kandidaten einfallen“, sagt Thiedig. „Unser Verband stellt sich dieser Frage erst dann, wenn es so weit ist.“ Bollingers Reaktion, sich weiter einbringen zu wollen, nötige ihm „allergrößten Respekt“ ab, betont Thiedig. Am Mittwoch war Jan Bollinger (49) beim Versuch gescheitert, erneut an die Spitze der Fraktion gewählt zu werden. Stattdessen setzte sich der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Michael Büge (60) durch.

Jeweils Rang drei bei der Landtagswahl

Johannes Thiedig wurde kürzlich als Ludwigshafener AfD-Kreisvorsitzender im Amt bestätigt. Bei der Landtagswahl bewarb er sich im Wahlkreis 36 (Ludwigshafen I) und landete hinter Raymond Höptner (26, CDU) und Beatrice Wiesner (31, SPD) auf Rang drei. Auch sein Stellvertreter im AfD-Kreisverband, Christoph Schmitt (32), verpasste das Direktmandat – im Wahlkreis 37 (Ludwigshafen II). Er musste Marion Schneid (62, CDU) und Gregory Scholz (44, SPD) den Vortritt lassen. Thiedig ist auch AfD-Fraktionsvorsitzender im Ludwigshafener Stadtrat (60 Sitze), dem auch Schmitt angehört. Dort ist die AfD seit der Kommunalwahl 2024 mit zwölf Mandaten präsent.

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