Ludwigshafen
AfD: Vorsitzender des Kreisverbands überrascht von Bollingers Demontage in Mainz
„Sein Scheitern bei der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden hat mich tatsächlich überrascht“, sagt Kreisvorsitzender Johannes Thiedig (49) auf Anfrage. „Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen Beschluss eines Parteigremiums, sondern um die interne Entscheidung einer neu konstituierten Landtagsfraktion, der ich nicht angehöre“, ergänzt er. „Daher steht es mir nicht zu, sie zu bewerten. Wir haben eine sehr gute Landtagsfraktion, und nur ihr steht es zu, zu entscheiden, von wem sie geführt werden soll.“ Diese Entscheidung müsse auch keine zwingenden Folgen für den Parteivorsitz haben, weil dieser auf einem Landesparteitag bestimmt werde und nicht an das Fraktionsvotum gebunden sei. „Auch wenn eine Dreiviertelmehrheit gegen Bollinger natürlich ein ernstes Misstrauensvotum darstellt“, so Thiedig. „Ob die Parteimitglieder dieses Misstrauen teilen, wird sich zeigen.“
„Nötigt mir allerhöchsten Respekt ab“
Einen persönlichen Favoriten für den Landesvorsitz habe er nicht, weil der Landesverband personell so gut aufgestellt sei, dass ihm „mehrere gute potenzielle Kandidaten einfallen“, sagt Thiedig. „Unser Verband stellt sich dieser Frage erst dann, wenn es so weit ist.“ Bollingers Reaktion, sich weiter einbringen zu wollen, nötige ihm „allergrößten Respekt“ ab, betont Thiedig. Am Mittwoch war Jan Bollinger (49) beim Versuch gescheitert, erneut an die Spitze der Fraktion gewählt zu werden. Stattdessen setzte sich der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Michael Büge (60) durch.
Jeweils Rang drei bei der Landtagswahl
Johannes Thiedig wurde kürzlich als Ludwigshafener AfD-Kreisvorsitzender im Amt bestätigt. Bei der Landtagswahl bewarb er sich im Wahlkreis 36 (Ludwigshafen I) und landete hinter Raymond Höptner (26, CDU) und Beatrice Wiesner (31, SPD) auf Rang drei. Auch sein Stellvertreter im AfD-Kreisverband, Christoph Schmitt (32), verpasste das Direktmandat – im Wahlkreis 37 (Ludwigshafen II). Er musste Marion Schneid (62, CDU) und Gregory Scholz (44, SPD) den Vortritt lassen. Thiedig ist auch AfD-Fraktionsvorsitzender im Ludwigshafener Stadtrat (60 Sitze), dem auch Schmitt angehört. Dort ist die AfD seit der Kommunalwahl 2024 mit zwölf Mandaten präsent.