Ludwigshafen Achtung! Hochansteckend!
«Mutterstadt.» Familienforschung klingt für viele dröge, aber offensichtlich hat das Hobby eine große Suchtgefahr, hört man Hans Erlewein und Alban Bertold reden. Der eine, Hans Erlewein, ist seit acht Jahren Leiter des Arbeitskreises Ahnenforschung, der wiederum zum 1980 gegründeten Historischen Verein Mutterstadt gehört. Der andere, Alban Berthold, hat in akribischer Kleinarbeit das zweibändige „Familienbuch Mutterstadt“ herausgegeben. Beide sind zur Ahnenforschung gekommen, wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde,. Der 68-jährige Hans Erlewein wollte nur ein paar Angaben seines Vaters prüfen, um genau zu erfahren, womit sein Familienname zusammenhängen könnte, und ging zu einem Treffen der Mutterstadter Familienforscher. „Dann hat es mich so gepackt. Das ist eine richtige Sucht“, erinnert er sich. Das Ergebnis: Ein Stammbaum, der rund 3000 Personen bis zurück ins Jahr 1417 erfasst und feinsäuberlich auf fünf Quadratmetern Papier aufgezeichnet ist. Und davon profitieren viele Mutterstadter, die etwas über ihre Ahnen herausfinden möchten. Denn bei der Recherche sammelte er Daten zu anderen Familien, die in Ausfertigungen zu über 60 Mutterstadter Familiennamen zusammengestellt sind. Eine sehr interessante Persönlichkeit entdeckte er in der Ahnenreihe seiner Ehefrau Ingrid, geborene Eicher. Konrad Eicher war einer der ersten Märtyrer der Glaubensgemeinschaft der Mennoniten. Die wurde damals auch in der Kurpfalz verfolgt. Da hatte die Obrigkeit im Umgang mit den Andersgläubigen schweres Geschütz aufgefahren. In der Mutterstadter „Familienbande“ ist zu lesen: Laut kaiserlichem Mandat vom Januar 1528 ist die Wiedertaufe „bei schweren penen“ (Strafen) untersagt – „bei höchster straf des tods“ sogar. Wenig später macht man in der Kurpfalz dann bitterernst: Etwa 15 Täufer wurden im Frühjahr 1529 in Alzey hingerichtet – ohne formelles Urteil. Die Frauen wurden in der Pferdetränke ersäuft, die Männer enthauptet. Einer von Ihnen war Konrad Eicher. Erlewein forschte hauptsächlich in alten Kirchenbüchern, Standesamtsunterlagen aus dem Gemeindearchiv sowie den Ortsfamilienbüchern von Mutterstadt und der umliegenden Gemeinden. Und er befragte Familien und Angehörige. Dabei erfuhr er auch vieles über Gaststätten, Straßennamen oder Volksschulklassen – das hat er thematisch in sage und schreibe 70 kleinen Büchlein zusammengestellt. Eine weitere wichtige Hilfe war Alban Bertolds „Familienbuch Mutterstadt“. In diesem sind auf etwa 1700 Seiten 5861 Familien, 26.300 Personen und rund 60.000 Datumsangaben aufgelistet. Für jede Familie hat Berthold Daten auf je einer Schreibmaschinenseite in 25 dicken Ordnern zusammengetragen. Auch das war zu Beginn gar nicht sein Ziel. Auslöser für seine Forscher-Leidenschaft war seine Mutter: „Sie hat immer viel über ihre Verwandtschaft erzählt. Nach ihrem Tod 1984 fragte mich bei der Beerdigung meine Frau, wer die Leute alle seien. Und da konnte ich zu vielen etwas erzählen“, erklärt der 85-Jährige. Dann habe ihn der Ehrgeiz gepackt, einen Stammbaum zu erstellen, und wandte sich an die Ahnenforschungsgruppe. 60 Orte besuchte er mittlerweile, um in Archiven in Kirchen, Standesämtern oder bei Privatleuten zu forschen. Seine „Beute“ überträgt er in ein Computerprogramm mit dem passenden Namen „Ahnen-Puzzle“. Das füttert er noch heute fast täglich mit Daten, zum Beispiel aus Todesanzeigen – denn darin findet er oft wieder neue Querverbindungen. „Ich kann einfach nicht aufhören.“ Noch Fragen? Die Treffen der Abteilung Ahnenforschung des Historischen Vereins Mutterstadt sind nicht regelmäßig. Die nächsten Termine sind donnerstags am 16. Mai, 15. August und 21. November, jeweils ab 19.30 Uhr im Alten Rathaus in Mutterstadt. Dabei können Interessenten Infos bekommen und auch weitere Termine vereinbaren. Die Serie Wer wissen möchte, wer seine Vorfahren sind, kann sich im mittleren Rhein-Pfalz-Kreis bei Kommunen, Kirchen, genealogischen Zentren oder Vereinen informieren. Sie bieten Hilfen bei der Ahnenforschung an. In der Serie „Familienbande“ haben wir diese vorgestellt.