Ludwigshafen Abschied mit absurder Komik

Mit der Inszenierung eines Stücks des polnischen Dramatikers Michal Walczak verabschiedet sich Inka Neubert vom Mannheimer TiG 7. Mit dem Weggang der künstlerischen Leiterin des freien Theaterhauses wird es wohl auch mit dem Autorenporträt, das sie hier eingeführt hat und das in der laufenden Spielzeit Michal Walczak gilt, zu Ende gehen. Am heutigen Freitag hat „Die Elchjagd“ am TiG 7 Premiere.
Nach ihrer Kündigung mit Ablauf der Spielzeit will Inka Neubert in Mannheim bleiben und als freie Regisseurin in der Rhein-Neckar-Region weiterarbeiten. Die Autorenporträts werde das TiG 7 wohl kaum fortsetzen, sagt sie. „Sie sind stark mit meiner Person verbunden“, meint sie . Mit Inszenierungen ihrer Stücke, aber auch im persönlichen Gespräch wurden die deutschen Dramatiker Maja Das Gupta und Carsten Brandau, der Spanier Cales Batlle und der Schotte David Greig in den vergangenen Jahren in Mannheim vorgestellt. Sie übergebe ihrem noch nicht feststehenden Nachfolger ein gut geführtes Haus, betont Inka Neubert, die vor ihrer Mannheimer Zeit an freien Theatern in Hamburg und Köln gearbeitet hat. „Das TiG 7 läuft gut, die Zuschauerzahlen stimmen“, sagt sie. Ihr sei jedoch von der Leitung eine zu weite Öffnung des freien Theaterhauses vorgeworfen worden. Das TiG 7 kooperiert schon seit längerer Zeit mit dem Nationaltheater. Seit zwei Jahren bildet es außerdem mit dem Künstlerhaus Zeitraumexit und dem Theater Felina-Areal das Netzwerk Freie Radikale, das sich als Plattform der freien Szene Mannheims versteht. Dazu ist in der jüngsten Zeit noch eine Zusammenarbeit mit der Mannheimer Theaterakademie gekommen. Sie sei vor fünfeinhalb Jahren mit der Vorgabe eingestellt worden, das TiG 7 zu professionalisieren, sagt Inka Neubert. Ihre Aufgaben als künstlerische Leiterin seien jedoch nicht klar definiert, und die Entscheidungen treffe letztlich ein aus zehn bis zwölf Personen bestehendes Leitungsgremium, das sich aus Mitgliedern des Trägervereins und des Ensembles zusammensetze. „Unter basisdemokratischen Voraussetzungen ist diese Professionalisierung nicht zu machen“, meint Inka Neubert. „Konflikte und Frustration“ gingen mit ihnen einher. Inka Neubert hat in jüngster Zeit als Gastregisseurin Paul Brodowskys „Dingos“ bei Zeitraumexit inszeniert und erst im Januar am Theater Felina-Areal Carsten Brandaus Stück „In meinen Armen“ uraufgeführt. Als Beitrag zum Autorenporträt Michal Walczaks setzt sie jetzt dessen „Elchjagd“ in Szene, nachdem sein Stück „Das erste Mal“ bereits von dem Regisseur Stefan Grießhaber vorgestellt wurde. Auf den jungen polnischen Dramatiker, der sich Mitte Januar persönlich in Mannheim mit einer Lesung vorgestellt hat, ist Inka Neubert vor fünf Jahren aufmerksam geworden. Damals hat sie mit Begeisterung dessen Stück „Das Bergwerk“ gelesen. Eine Aufführung dieses Riesenstücks übersteigt jedoch die Finanzmittel eines freien Theaters. Bereits vor zehn Jahren lief aber die deutsche Erstaufführung von Walczaks Debüt „Der Sandkasten“ am TiG 7, und das Mannheimer Theater wurde für seine Inszenierung damals prompt mit dem Stuttgarter Theaterpreis 2005 ausgezeichnet. Wie schon „Der Sandkasten“ und „Das erste Mal“ ist auch „Die Elchjagd“ eine absurde Komödie. Sowohl die Handlung wie die Figuren seien „total eckig und schräg“, findet Inka Neubert und betont sogleich, wie sehr ihr solche surrealen Einsprengsel gefallen. So gibt es in dem Stück eine möglicherweise gar nicht existente Person, eine andere ist tot und steht wieder auf. Den Rahmen für solche Traum- oder Wahnvorstellungen bilden gutbürgerliche Verhältnisse, den Plot die in Komödien sehr beliebten Heiratsverwicklungen. Konrad will bei Elizas Eltern um ihre Hand anhalten, doch Konrad ist Pazifist und Elizas Vater Militarist. Die Mutter, eine überkandidelte frühere Opernsängerin, ist bemüht, zwischen den Kontrahenten auszugleichen. Und dann taucht auch noch Elizas Exfreund, der Psychotherapeut Jarek, auf, um die frühere Geliebte vor der Ehe mit Konrad zu bewahren. Es geht in der rasanten Komödie um Doppelmoral und um das Aufrechterhalten einer bürgerlichen Fassade vor inneren Abgründen. Die Regisseurin hat das Stück aus dem nationalen polnischen Milieu in die weitere und allgemeinere Atmosphäre früherer Ostblockländer gerückt. So wie ihre Inszenierung angelegt sei, könnte sie auch in der ehemaligen DDR spielen, findet Neubert. Einhart Klucke spielt den militaristischen Vater und passionierten Jäger, Ute Kirsch seine Frau, Philipp Bremer ist der pazifistische Verlobte, Mascha Rauschenbach die Tochter Eliza. Und dann gibt es nach längerer Zeit ein Wiedersehen mit Tom Hartmann in der Rolle des Jarek. .