Ludwigshafen Abi – und dann?
Für Louise Meslati stand schon früh fest, dass sie nach dem Abi für ein Jahr die Welt erkunden will. Mit einem Rucksack auf dem Rücken und Abenteuerlust im Gepäck soll es im Sommer losgehen. Zunächst hatte sie Neuseeland und Australien im Visier, doch da ihr Angespartes für diese fernen Ziele und den eher kostspieligen Unterhalt nicht ausreicht, entschied sie sich um. Jetzt will sie günstiger quer durch Südostasien reisen – von Indonesien über Vietnam, Kambodscha, Thailand bis nach Sri Lanka. „Klar, ich sehe diese Reise als Auszeit aus dem stressigen Alltag, aber sie soll mir auch helfen, eine Richtung im Leben zu finden und über die Zukunft nachzudenken“, sagt die 18-Jährige aus Böhl-Iggelheim. Vor allem freut sie sich darauf, neue Menschen und ihr noch fremde Kulturen kennenzulernen. Nach der Reise will sie eventuell Medizin studieren. Praktikum im Bundestag Ähnliche Pläne hat Aynur Metin, wobei es die 18-Jährige in eine andere Himmelsrichtung verschlägt. Im Sommer will sie Norwegen auskundschaften. Dort möchte sie vor allem viel von der Natur sehen und die Zeit dem Schreiben widmen. Vor dem Trip zieht die Abiturientin für knapp einen Monat nach Berlin. Sie möchte hinter die Kulissen des Bundestags blicken, weshalb sie sich schon im Vorjahr für ein Praktikum beworben hat. „Ich habe mich mit einigen Abgeordneten aus der Pfalz in Kontakt gesetzt und lange auf Rückmeldungen gewartet, aber schließlich hat es doch geklappt. Ich freue mich auf die neuen Erfahrungen, die ich in Berlin machen werde“, erzählt die Ludwigshafenerin. In eine ähnliche Richtung möchte sie auch mit dem Studium gehen. Auf Politik- und Literaturwissenschaften könnte es hinauslaufen, in welcher Stadt, das steht noch in den Sternen. Zur Gastfamilie nach Island Bei Lotta Grüber laufen die Vorbereitungen für die Pläne nach dem Abi bereits auf Hochtouren. Die Reiselust hat auch sie gepackt, weshalb sich die Altriperin schon im Vorfeld über Gastfamilien im Ausland informiert hat. Die junge Frau hat über ein „Work and Travel“- Forum eine Familien im Norden Islands kennengelernt, bei der sie sieben Wochen arbeiten und leben wird. Die Gasteltern haben einen Bauernhof mit Schafen und Eiderenten. Diese Meerente baut ihr Nest mit Daunenfedern, die von der Familie geerntet werden, sobald die Enten diese nicht mehr brauchen. „Daraus stellt die Familie dann Daunendecken her, die verkauft werden“, berichtet die 18-Jährige. Nach der Zeit in Island fährt sie mit ihrer Familie für einige Tage nach Frankreich. Einer geplanten Ausbildung bei der Polizei steht dann nichts mehr im Weg. New York, dann Mediengestalter Dustin Schmitt will sich nach der stressigen Prüfungsphase erst einmal ausruhen, blickt aber sehr zufrieden auf die Schulzeit zurück. „Einerseits verbinde ich mit der Schule Sorglosigkeit und Routine, andererseits freue ich mich auch auf die Zukunft“, sagt der 18-Jährige aus Mutterstadt. Durch einige Praktika will er herausfinden, wie das nächste Kapitel seines Lebens aussehen soll. Nach einer Familienreise nach New York könnte er sich eine Ausbildung als Mediengestalter vorstellen, da er sich in diesem Metier kreativ ausleben könne und er ohnehin ein Faible für Filme hat. Informatik in Karlsruhe Aus Mutterstadt kommt auch Simon Deckwert. Der 19-Jährige interessiert sich sehr für Informatik. In den nächsten sechs Monaten will er diverse Programmier-, Film- und Technikprojekte stemmen. „Dadurch kann ich nicht nur meine Ideen umsetzen, sondern zum Beispiel auch mit anderen Personen netzwerken“, erzählt er. Die Ideen reichen von kleinen Vorhaben für die örtliche Kirche bis hin zu seinem Traum, auf der großen Bühne die Technik zu managen, oder einen eigenen Film zu produzieren. Nach einem dreimonatigen Praktikum will er Informatik in Karlsruhe studieren. Als Schwerpunkte nennt er Kryptologie und künstlichen Intelligenz. „Ob ich nur bis zum Master gehe oder an der Uni bleibe, um zu promovieren, steht jetzt noch in den Sternen“, sagt er. Fotografie und Film im Fokus David Nguyen, 19, aus Ludwigshafen will die Zeit nach dem Abi erst einmal zum Arbeiten nutzen, um sich ein finanzielles Polster anzulegen. Denn auch er möchte die Welt zu entdecken, um seinen Horizont zu erweitern. Er nennt das die Ruhe vor einem gewaltigen Sturm. „Ich kenne nur das sorglose Schulleben und die Gedanken, die man sich macht, wenn man die Hausaufgaben hat oder eben nicht“, sagt er. Das Ende der Schulzeit ist für ihn eine offene Tür zu einer neuen Welt. Dieses Jahr möchte Nguyen zu Hause ausziehen und ein Studium im künstlerischen Bereich, etwa Fotografie und Film, beginnen. „Aber ich bin sehr impulsiv und sehe es morgen vielleicht anders. Ich bin jedenfalls bereit für die neue Welt.“