Fußball
A-Klasse: Warum der FC Arminia Ludwigshafen keine Angst um seine Reserve hat
In der Vergangenheit war es fast schon ein „Running Gag“. Der FC Arminia Ludwigshafen II war in der A-Klasse Rhein-Pfalz jahrelang dem Abstieg geweiht, teilweise abgeschlagen, rettete sich aber jeweils, weil in den wegweisenden Partien zum Saisonende hin junge Spieler aus dem Oberligakader mehrfach aushalfen und die Begegnungen zugunsten des FCA entschieden. Dem Qualitätszuwachs hatten die Gegner in dieser Liga oft nichts entgegenzusetzen. Klar war aber: Eine Dauerlösung konnte der unbefriedigende Zustand nicht sein.
Das sah auch der im Sommer 2024 gekommene neue Trainer Marco Dybowski so. „Vor dieser Saison haben wir den Kader umgekrempelt. Unter den 27 bis 28 Spielern sind 14 Neuzugänge, viele von den eigenen A-Junioren. Etliche der Jungs gehören schon zum Stamm“, freut sich der Coach. Der 48-jährige Dybowski hat dem Team ein neues Gesicht gegeben – personell und auch in Bezug auf die Spielweise und den Fitnesszustand. „Nur dagegenhalten und lange Bälle schlagen, reicht nicht. Wir haben spielerisch Fortschritte gemacht, was mit der verbesserten Körperlichkeit korrespondiert“, erklärt der Trainer.
Hohe Trainingsbeteiligung
Ein großes Plus ist die gute Trainingsbeteiligung, die bei rund 22 Akteuren pro Einheit liegt. Dieses kontinuierliche Üben schlägt sich in den Ergebnissen nieder, das Arbeiten in kleinen Gruppen sorgt für automatisierte Abläufe und konditionellen Zugewinn. „Außerdem sind etliche Spieler regelmäßig ins Training der Oberligamannschaft integriert, haben dort viel gelernt und sich bewährt“, spielt Dybowski auf Einsätze von Luis Moog, Anton Funk und Elias Weyland an. In der Summe bedeutet das eine sichtbare Entwicklung, die sich im sechsten Tabellenplatz niederschlägt. Sieben der neun Begegnungen nach der Winterpause wurden gewonnen.
Aufhorchen ließ der FCA am Sonntag, als er Tabellenführer ESV Ludwigshafen, der zuvor nur einmal verloren hatte und seit dem 14. September ohne Niederlage war, mit 5:3 bezwang. „Es war lange ein ausgeglichenes Spiel gegen einen Spitzenreiter, den einen großen Siegeswillen auszeichnet und der über die Mentalität kommt“, sagt der Coach, der bei einer Firma, die sich mit Filtration beschäftigt, im Vertrieb arbeitet. Nach dem 1:1-Pausenstand schien die Partie mit dem Doppelschlag der Gäste zum 3:1 den erwarteten Verlauf zu nehmen. Doch die Rheingönheimer steckten den Rückstand erstaunlich gut weg.
Erfahrenes Gerüst
„Die Mannschaft war in den Zweikämpfen präsent und hat die Robustheit des ESV angenommen“, erklärt Dybowski. Just als er taktische Umstellungen vornehmen wollte, fiel das schön herausgespielte 2:3. Jetzt zahlte sich aus, dass die Arminia nach vielen guten Leistungen in den Wochen zuvor deutlich selbstbewusster agiert als früher. „Mit einer großartigen Leistung haben wir die Begegnung noch gedreht“, freut sich der Übungsleiter. A-Junior Luis Moog, der bereits zweimal in der Startelf des Oberligateams stand, gelang ein Hattrick. Moog sei der Jugend leistungsmäßig längst entwachsen, bringe viel Talent mit, sei flexibel einsetzbar und arbeite auch gut nach hinten, so Dybowski.
Auch wenn der Kader punktuell verändert wurde, gibt es das Gerüst mit Massimo Rabia, Leon Balde, Maximilian Glück oder Tim Nothaft, die alle schon länger dabei sind. Dazu ist Nico Dittrich zum aktuell besten Torschützen der Arminia aufgestiegen. Prächtig eingeschlagen haben auch die Landesliga-erfahrenen Luca-Joel Kasperczyk und Leon Lorenz, der ein Halbbruder Moogs ist. Und wenn einer wie Routinier Blerim Gashi (48) kürzertreten will, dann geht er der Gemeinschaft nicht verloren und arbeitet künftig als Athletiktrainer weiter.
Last auf viele Schultern verteilt
Der familiäre Charakter der zweiten Garnitur des FCA lässt sich daran erkennen, dass die Arbeit auf viele Schultern verteilt wird. Frank Schmidt, Andreas Glück, Stephan Gronau und Oliver Kürth kümmern sich in erster Linie um administrative Aufgaben. Dazu kann sich Dybowski, der als junger Mann selbst für die Arminia gespielt hat, verletzungsbedingt aber früh aufhören musste, auf seine Co-Trainer Joschi Imhof sowie Sören Breininger, Torwarttrainer Nils Kohlgrüber und die als Physiotherapeutin fungierende Miriam Wieschalla verlassen. Einen solch großen Stab an Helfern und Mitarbeitern haben in dieser Liga die wenigsten Klubs. Das gilt auch für die Videoaufzeichnung der Spiele, deren Analyse Dybowski hilft.
„Es wird auch viel für die Gemeinschaft gemacht“, verdeutlicht der Trainer, der Vater einer 15-jährigen Tochter ist. Damit meint er die letztjährige Saisonabschlussfahrt nach Düsseldorf mit 33 Leuten, aber auch die Mannschaftsabende oder ein gemeinsamer Kinobesuch. Hier sah das Team einen Film über die deutsche Nationalelf bei der WM 1990 in Italien, als die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer Weltmeister wurde. Ein tolles Erlebnis für die jungen Arminen. Da lässt sich auch großzügig darüber hinwegsehen, dass im Vorfeld einer der Kicker gefragt hatte, wer denn Pierre Littbarski sei …