Ludwigshafen
100 Mitarbeiter entlassen: Versandfirma aus LU schließt, um Gewinn zu steigern
Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz bei der Firma Medpex in Ludwigshafen. Die Firma gehört zur schweizerischen DocMorris AG, die die Schließung von Medpex in ihrem Jahresbericht 2025 vom 19. März öffentlich machte. Wie ein Sprecher von DocMorris bestätigte, erfuhren die Mitarbeiter erst einen Tag davor, dass sie spätestens ab Juli keine Arbeit mehr haben werden. Der Großteil der Beschäftigten solle bereits Ende April entlassen werden, so der Sprecher weiter.
Keine Trendwende
Medpex war beziehungsweise ist eine Versandapotheke, die ihr Lager und ihren Versand in der Industriestraße in Friesenheim hat. Seit 2018 gehört die Firma zum Schweizer Unternehmen DocMorris. Der Standort in Ludwigshafen diene bislang der Abwicklung von Aufträgen nicht-pharmazeutischer Produkte, so der Sprecher. Die entlassenen Arbeiter seien demnach zum Großteil in der Logistik beschäftigt, heißt es weiter von DocMorris. Das Geschäft mit Medikamenten war bereits 2022 in die Niederlande ausgelagert worden, 150 Mitarbeiter waren damals entlassen worden. Einst gehörte das 2005 gegründete Unternehmen zu den größten im deutschen Segment.
Die heutigen Versandaktivitäten will DocMorris an eben jenen Standort ins niederländische Heerlen verlegen. Grund für die Schließung sei, dass der Standort Ludwigshafen, der nur Bestellungen im Kosmetik- und Pflegebereich erfüllt, in der momentanen Auftragslage sich nicht mehr lohnt. „Der zunehmende Anteil von Aufträgen mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln zeigt zudem, dass eine nachhaltige Trendumkehr in der Auftragsstruktur nicht zu erwarten ist“, so das Unternehmen auf Anfrage.
Mutterunternehmen will Bilanz verbessern
DocMorris spricht von einer „nachhaltigen, jährlichen Ebitda-Verbesserung“ ab 2027 durch die Schließung. Im Geschäftsbericht ist von mehr als 2 Millionen Euro im Jahr die Rede, die Schließung koste einmalig 3 bis 4 Millionen. Ebitda steht als Abkürzung für das Firmenergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Das Ebitda ist eine Kennzahl für den Gewinn eines Unternehmens. Im Klartext geht es DocMorris also darum, einen besseren Gewinn zu erzielen. Das alles mit den vorhandenen Mitarbeitern zu erreichen, ist wohl keine Option gewesen. Zitat: „DocMorris hat über die letzten Jahre am Logistikstandort in Ludwigshafen umfassende Prozessoptimierungen und operativer Maßnahmen durchgeführt. Die erwarteten Ergebnisse konnten aber leider nicht erreicht werden.“
Wie es für die knapp 100 Beschäftigten weitergeht, ist noch unklar. DocMorris zufolge habe man jedem Mitarbeiter ein individuelles Abfindungspaket angeboten. Wie genau das aussieht, dazu machte die Firma keine weiteren Angaben. Übernommen werden keine Mitarbeiter. Es stehe ihnen frei, sich am Standort in den Niederlanden zu bewerben, so das Unternehmen. Einem Mitarbeiter zufolge seien auch Mitarbeiter der Agentur für Arbeit vor Ort gewesen.
Mitarbeiter sollen beraten werden
Die Ludwigshafener Agentur für Arbeit äußerte sich zunächst nicht dazu. Allerdings gebe es ein allgemeines Vorgehen im Fall von Massenentlassungen, so eine Sprecherin. Dabei gehen es darum, Beschäftigte zu ihren weiteren Möglichkeiten zu beraten, wobei das Ziel in der Regel „die nahtlose Aufnahme eines neuen Arbeitsverhältnisses“ sei. Unter Umständen sei eine Weiterbildung sinnvoll. Welche Agentur für die jeweiligen Mitarbeiter zuständig ist, hänge von deren Wohnort ab.
Ob und wie viele entlassene Angestellte bereits eine neue Arbeit gefunden haben, dazu wollte sich die Agentur für Arbeit unter Berufung auf den Datenschutz nicht äußern. Generell sei der Arbeitsmarkt in der Logistikbranche momentan robust – allerdings habe es im Vergleich zum vergangenen Jahr einen Rückgang von fast 40 Prozent bei den neu gemeldeten Stellen in der Branche gegeben, so die Sprecherin. Zum Stichtag Ende Juni 2025 waren 860 Personen in der Logistikbranche in Ludwigshafen beschäftigt. „Der Wegfall von 100 Stellen wäre somit durchaus signifikant“, so die Sprecherin.