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Donnerstag, 11. Februar 2016 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Wenn sich der Kurfürst über Mozart freut

Der Ludwigshafener Regisseur und Drehbuchautor David Dietrich dreht einen Dokumentarfilm über Schwetzingen

Von Marion Gottlob

 

Dreht auch an historischen Originalschauplätzen: Regisseur David Dietrich vor dem Schwetzinger Schloss. ( Foto: KUNZ)

Er ist Filmfan, sammelt Requisiten aus berühmten Kinofilmen und dreht gerade einen Dokumentarfilm mit Spielszenen zum Jubiläum der Stadt Schwetzingen. Im Hauptberuf arbeitet der Ludwigshafener David Dietrich als Sozialpädagoge in der Jugendförderung, als Drehbuchautor und Filmregisseur beschäftigt er sich mit historischen Figuren wie Mozart und Kurfürst Karl Theodor.

 

Wie entsteht ein Film? Wie erschafft man eine Welt der Illusionen? An seinem sechsten Geburtstag besuchte David Dietrich mit seinen Eltern einen „Star Wars“-Film im Kino. Natürlich war das Kind von der Story fasziniert, noch mehr interessierte sich der Junge für die Technik, die hinter dem Film steckte. Heute ist der Ludwigshafener als Sozialpädagoge mit dem Schwerpunkt „Medienpädagogik“ bei der Jugendförderung der Stadt Mannheim tätig. Außerdem hat er zum 1250. Jubiläum der Stadt Schwetzingen das Drehbuch für den Dokumentarfilm „Schwetzingen schreibt Geschichte“ geschrieben und führt Regie. Ein Jahr lang wird er mit dem Team um Ideengeber Meikel Fuchs die Stadt durch das Jubiläum begleiten. „Das Team ist offen, professionell und zielstrebig“, ist David Dietrich von seinen Mitstreitern sehr angetan.

Der Film bietet einen Mischung aus Interviews mit Experten und Spielszenen zur Geschichte, meist mit Laien. Auch bekannte Personen aus Schwetzingen werden mitspielen. Gedreht wird meist an Originalschauplätzen. Am ersten Drehtag haben sich zwei Dutzend Menschen im Schloss von Schwetzingen versammelt, viele in historischen Kostümen aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Sobald Dietrich laut „Action“ durch den hohen Saal ruft, halten alle still. Zwei Sekunden später läuft die Kamera an: Im Schloss hat sich der Hofstaat um Kurfürst Carl Theodor versammelt und applaudiert dem sieben Jahre alten Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart. Den kunstsinnigen Kurfürsten spielt der Kunsthistoriker Ralf Wagner. „Wo jetzt der Kamin ist, sitzt Mozart“, beschreibt David Dietrich die Szene. Der kleine Mozart ist hier noch nicht dabei, die Szene mit dem Kind wird an einem anderen Tag gedreht.

David Dietrich ist in Ludwigshafen geboren und aufgewachsen. Als 1984 der Offene Kanal Ludwigshafen als erster, „Fernseh-Kanal für Bürger“ in Deutschland in Betrieb genommen wurde, war Teenager David sofort dabei. Er besuchte Kurse zur Kamera-Führung, Ton- und Schnitttechnik. Später gab er sein Filmwissen als ehrenamtlicher Dozent weiter. Die Schule kam über der Filmbegeisterung ein wenig zu kurz, er besuchte „nur“ die Hauptschule. „Ich war faul, ich habe mich gelangweilt“, gibt Dietrich freimütig zu. Nach einem Einser-Abschluss folgte dann eine Lehre bei John Deere in Mannheim zum Industriemechaniker.

Dem jungen Mann wurde klar, dass er noch andere Pläne hatte. Der SWR-Kameramann Peter Herrmannsdörfer machte ihm Mut: „Frag dich, ob du wirklich Filme machen willst – wenn ja, schnapp dir die Kamera und los geht’s – es funktioniert irgendwann.“ Und wie! David Dietrich absolvierte in nur zwei Jahren den Realschulabschluss und die Fachhochschulreife, anschließend studierte er „Soziale Arbeit und Soziale Pädagogik“ mit Schwerpunkt „Medienpädagogik“ in Mannheim.

Für eine Projektarbeit über arbeitslose Menschen und andere soziale Probleme drehte er mit einem Kommilitonen den Film „Erosion“ – mit rund 20 Studienkollegen als Mitwirkenden. Als der Film in Walldorf gezeigt wurde, meldete sich eine Zuschauerin zu Wort und lobte Dietrich: „Junger Mann, mit diesem Film haben Sie meine Vorstellungen von Hartz-IV-Empfängern verändert.“

Seit mehr als zehn Jahren ist David Dietrich auch Sammler von Film-Requisiten. Die echte Attrappe einer Laser-Pistole aus dem Science-Fiction-Film „Krieg der Eispiraten“ war sein erstes Sammlerstück. Zu seinem Fundus zählt unter anderem der schwarze Barrett-Hut von Film-Ikone Lauren Bacall aus „Tote schlafen fest“, ein Armee-Mantel aus „Doktor Schiwago“ und Kostüme aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Matrix“. Seine Sammlung umfasst über 80 Kostüme, rund 150 Requisiten und etwa 100 Original-Drehbücher. Irgendwann möchte er eine Ausstellung zur Filmgeschichte zusammenstellen. Jetzt ist aber erst mal der Film zu Schwetzingen an die Reihe, sogar seine Vorgesetzten aus Mannheim waren zum ersten Drehtag gekommen. Der fertige Film wird Anfang 2017 der Öffentlichkeit gezeigt. Schon jetzt sind Making-Offs im Internet auf You Tube meikelTV 2016 zu sehen.

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