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Dienstag, 09. Januar 2018 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Walzerklänge und Rosen aus Tirol

Ein beschwingter Abend der leichten Muse mit dem Johann-Strauß-Orchester Kurpfalz in der Ludwigshafener Friedenskirche

Von Rainer Köhl

Die beiden Gesangssolisten Heike-Theresa Terjung und Raphael Wittmer mit dem Johann-Strauß-Orchester in der Friedenskirche.

Die beiden Gesangssolisten Heike-Theresa Terjung und Raphael Wittmer mit dem Johann-Strauß-Orchester in der Friedenskirche. ( Foto: KUNZ)

„Links und rechts der Donau“ lautete das Motto beim traditionellen Neujahrskonzert mit dem Johann-Strauß-Orchester Kurpfalz in der Friedenskirche in Ludwigshafen. Einen bunten Abend der leichten Muse versprach der Orchestergründer und Moderator Frank Ringleb. Als Dirigent fungierte Wolfram Koloseus, die beiden Gesangssolisten waren Heike-Theresa Terjung und Raphael Wittmer.

Salonmusik, Tanz- und Unterhaltungsmusik, Operettenprogramme, alte Schlager aus UFA-Filmen und amerikanische Swingstandards: Das von Ringleb gegründete Orchester hat einen guten Draht zu den Klängen, die leicht und beschwingt oder auch mal gefühlvoll daherkommen. Aus Orchestermitgliedern des Mannheimer Nationaltheaters, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und anderen Klangkörpern hat der Kontrabassist sein Ensemble rekrutiert, macht auch gerne Kaffeehausmusik mit der kleineren Stammbesetzung „Salonissimo!“.

In Melancholie geschwelgt wurde zu Beginn des Ludwigshafener Konzerts in der Strauß-Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“. Doch im Handumdrehen änderte sich die Stimmung, und mit den Walzerklängen und dem rasanten Finalteil kam schon beste Stimmung auf. Der Tenor Raphael Wittmer ist neuer Solist am Mannheimer Nationaltheater und empfahl sich zunächst mit Rossinis „La Danza“, brachte das Folkloristische dieser Musik beschwingt zum Tanzen. Den schönen Schmelz seiner leichten, lyrischen Stimme entfaltete der Tenor dann bestens in Lehars Lied „Komm in den kleinen Pavillon“. Hingebungsvolle Emphase ließ er dabei erklingen, so wie es Konzertmeister Sorin Strimbeanu in seinem süffigen Geigensolo vorgegeben hatte, und kostete daneben die nostalgischen Gefühle genüsslich aus.

Wolfram Koloseus war wieder der bewährte Leiter, der das Orchester vom Klavier aus dirigierte. Höchst charmant präsentierte dieses die bezaubernden Melodien im „Kuss-Walzer“ von Strauß, musizierte schmiegsam und luftig-leicht. Juwelen der Gattung finden sich traditionell im Programm dieses Orchesters, und so war auch der „Doctrinen-Walzer“ von Eduard Strauß sehr willkommen. Anmutig ließ ihn Koloseus zunächst schweben, dann legte er eine beherztere Gangart vor.

Für rare Werke der leichten Muse hat das Orchester ebenfalls eine Vorliebe. Gut gelaunt präsentierte es den „Nachtexpress“ von Willy Berking, der einst in Hans Joachim Kulenkampffs Samstagabendsendung „Einer wird gewinnen“ mit seinem Orchester mit von der Partie war. Dass musikalische Nostalgie so flott und zeitgemäß daherkommt, ist selten, und das Orchester machte wahrlich das Beste daraus. Die prächtige Stimmung ging weiter bei Frank Pleyers „Hokuspokus!“ mit leichtfingrigen Pizzicati der Streicher und fein hingetupften Bläsertönen.

Zwei Orchestermitglieder vom Nationaltheater empfahlen sich bei Hans Klings „Elephant und Mücke“: Reinhard Philipp ließ sein Kontrafagott in tiefsten Tiefen schnarren und brummen, Robert Lovasich brachte seine Piccoloflöte lustig wie ein Vögelchen zum Tirilieren. Dies alles wurde von schwungvollen Walzerrhythmen begleitet. Und auch der „Accelerationen-Walzer“ von Strauß kam gut in Fahrt, Da wurde zwischendurch genüsslich geschwelgt, und die Geigen und Trompeten warfen sich gegenseitig schwärmerisch klingende Komplimente zu.

Für die erkrankte Koloratursopranistin Marie-Christine Haase war Heike-Theresa Terjung eingesprungen, die vor vielen Jahren Ensemblemitglied am Mannheimer Nationaltheater war. Das Auftrittslied des Fürsten Orlofsky aus der „Fledermaus“ sang die Mezzosopranistin zunächst, gab mit reschem Vortrag dieser Partie die resolute Kontur. Lehars „Hör ich Zimbalklänge“ kam ihrem Temperament und stimmlichen Glut gleichfalls bestens entgegen. Den Lehar-Schlager „Dein ist mein ganzes Herz“ sang Wittmer mit blumigem Timbre, wunderbar klang seine Stimme dann im Duett mit Terjung und „Schenkt man sich Rosen in Tirol“.