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Dienstag, 05. September 2017 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Vor dem Bagger kommt die Kunst

In einem Abrisshaus am Bürgerhof und an weiteren Orten in der Ludwigshafener Innenstadt ist das Kunstprojekt „Wow Art Lu 2017“ zu sehen

Von Heike Marx

Nicht nur in den geräumten Wohnungen des zum Abriss vorgesehenen Hauses ist Kunst zu sehen, sondern auch auf den Fassaden.

Nicht nur in den geräumten Wohnungen des zum Abriss vorgesehenen Hauses ist Kunst zu sehen, sondern auch auf den Fassaden. ( Foto: KUNZ)

Kunst in leerstehenden Gebäuden zu zeigen, ist in Ludwigshafen keine neue Idee. Aber noch nie ist dies in so geballter Form geschehen wie jetzt bei „Wow Art Lu 2017“. In einem Abrisshaus in der Bismarckstraße und in unmittelbarer Nähe zu diesem sind triste Räume mit überwiegend fröhlicher Kunst gefüllt. Sie setzt sich fort auf Außenwänden, demnächst auch Fassaden und etwas entfernteren Geschäftsräumen und ist verknüpft mit der Fotobiennale und der diese begleitenden Schau „Off/Foto 2017“.

Das Abrisshaus am Zugang zum Bürgerhof, das der städtischen Baugesellschaft GAG gehört, hat schon viel von sich reden gemacht; jetzt ist es das Herz eines Festivals, das Ludwigshafen attraktiver machen will durch Kunst, zumindest bis zu seinem Ende am 5. November. Über den einen Eingang betritt man einen Ausstellungs- und Experimentierraum der Biennale, über den anderen das „Wow Art“-Projektbüro. Von hier aus geht es an farbigen Leitlinien entlang in die Gruppenausstellung „Eden oder das verlorene Paradies“ (13 Künstler) und eine Treppe hoch in die „Art WG“, wo in einer ehemaligen Wohnung unterschiedliche Künstler ihr jeweiliges Chambre Séparée eingerichtet haben. Hinter der Wohnung liegt ein stiller Raum mit Ludwigshafener Nebel-Fotos von Timo Schuster. Über ein anderes Treppenhaus kann man ins Erdgeschoss zu einer Doppelausstellung (Luana Kroner-Stasek, Vladimir Smahtin) gelangen, die offiziell von der Kaiser-Wilhelm-Straße aus zugänglich ist.

Programmatik trifft auf Klassik

Das Abrisshaus ist wie ein Labyrinth, in dem hinter jeder Ecke etwas anderes wartet. Mal programmatisch, mal kuschelig; mal ernst klassisch, mal frech und schrill. Menge und Verschiedenheit machen das Besondere Erlebnis aus, in dem der einzelne Künstler vielleicht ein wenig untergeht. Um sich auf Details einzulassen, hat man in dieser Situation wohl nicht die Muße, aber man kann ja wiederkommen. Unter dem Titel „Meet the Artist“ werden Begegnungen mit den Künstlern angeboten.

Hinter Mauern

Außerhalb des Hauses geht es weiter mit der Kunst. Die Fotografin Miriam Stanke hat die Fensterfront des ehemaligen Restaurants im Eingang zum Bürgerhof zugenagelt, strahlend weiß gestrichen und mit Fotos beklebt, die sie in der Osttürkei gemacht hat. Thema ist das dortige Leben „hinter Mauern“. Spektakulär wird es ab 11. September, wenn drei Graffiti-Künstler die Fassaden besprühen. Einen Voreindruck bekommt man jetzt schon gleich gegenüber in der Bismarcksraße 51, wo die Urban Artists etwas andere Bilder zeigen, darunter ein grellfarbiges Szenario inklusive echtem Menschen, der auf einem Sessel sitzt. Nur wenig entfernt in der Ludwigstraße 48 gibt es eine mehr klassische Doppelausstellung einer Malerin und eines Bildhauers.

Lu York

In einem Vernissagen-Marathon wurden alle diese Räume, mehrheitlich mit je eigenem Event, am Sonntag der Öffentlichkeit präsentiert. Schon etwas länger zugänglich sind die Ausstellungen „Creative Factory“ (sieben Künstler aus der Region) im Depot Lu, das Schaufenster Walzmühle der Galerie Lauth und „Lyrikerstraßen“ bei Schuh-Keller. In den kommenden Tagen eröffnen „Lu York“, ein augenzwinkernder Vergleich zwischen Ludwigshafen und New York, im Restaurant „Hausboot“ im Kulturzentrum Das Haus und das „Clean River Project“ im ehemaligen Hallenbad Nord.

Attraktiv durch Kunst

Für Kuratorin Nicoletta Steffan ist das Hallenbad „das Sahnehäubchen“. Der Installationskünstler Stephan Horch inszeniert Plastikmüll, den er als Paddler aus dem Fluss gefischt hat. Die Künstlerin aus Frankenthal ist in „Wow Art Lu 2017“ für die Kunst zuständig. Mitstreiter im Leitungsteam sind Mathias Berkel und Eric Seitz, die sich um Organisation und Finanzen kümmern. Sie sind Vertreter der IHK Tischrunde Ludwigshafen, die das Kunstprojekt in Zusammenarbeit mit der Stadt auf den Weg gebracht hat und auch finanziert. Die Innenstadt durch Kunst attraktiver zu machen ist der Leitgedanke. Am besten funktioniert das mit einem großangelegten Festival, das mit etablierten Kunstereignissen wie der Fotobiennale vernetzt ist. Besondere Orte für Kunst in Ludwigshafen werden mit der Urkunde „Lucation“ ausgezeichnet.

Nicoletta Steffan hat in Ludwigshafen schon mehrere besondere Ort mit Kunst bespielt: Werfthallen für „Kunst im Hafen“, H&M, zweimal die Kammerschleuse an der Pegeluhr. Sie ist sich sicher, dass es eine „Wow Art Ludwigshafen 2018“ geben wird, dann mit neuen Ideen.

 

Termine

Alle Termine und Orte im Netz unter www.ludwigshafen-wow.de. Oder spontan hereinschauen. Das Projektbüro ist bis 5. November von Di bis Do 12-20 Uhr geöffnet, Fr und Sa bis 22 Uhr, So 13-18 Uhr.

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