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Montag, 20. Mai 2019 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Stoppt die Naturzerstörung!

Erstmals wurde am Samstag das Hemshofkulturfest gefeiert. Die Rudolf-Scharpf-Galerie und das Cinema Paradiso & Arte, Nachbarn in der Hemshofstraße, taten sich zusammen und öffneten einen Tag lang ihre Häuser und Gärten. Das Besucherinteresse war groß, auch an Informationen zum Bienen- und Insektensterben. Kunst wird hier praktisch.

Von Hans-Ulrich Fechler

Kunstvermittlerin Constanze Eckert mit Bienen-Malereien in der Scharpf-Galerie. Sogar aus der Schweiz und aus Norwegen kamen Beiträge.

Kunstvermittlerin Constanze Eckert mit Bienen-Malereien in der Scharpf-Galerie. Sogar aus der Schweiz und aus Norwegen kamen Beiträge. ( Foto: KUNZ)

Im Vorhof zum Cinema Paradiso & Arte konnte jeder an einem Gemälde mitwirken, mit dem Pinsel oder durch Spritzen aus Farbtuben.

Im Vorhof zum Cinema Paradiso & Arte konnte jeder an einem Gemälde mitwirken, mit dem Pinsel oder durch Spritzen aus Farbtuben. ( Foto: KUNZ)

Eine wohl unbeabsichtigte, aber sehr schöne Verbindung zwischen der Ausstellung in der benachbarten Rudolf-Scharpf-Galerie stellte der Pianist Chris Jarrett bei seinem Auftritt im Cinema Paradiso & Arte her. Er bat darum, einmal darauf zu achten, welche Arten und Gattungen in der Musik aussterben. Als Beispiel nannte er den Marsch, warnte jedoch davor, daraus auf eine entmilitarisierte Welt zu schließen. Seine Marschkomposition, die er dann gemeinsam mit seiner Frau Martina Cukrow vortrug, war alles andere als martialisch, vielmehr fast schon zärtlich.

Das Konzert Chris Jarretts und seiner Frau am Abend, eine erstmalige Aufführung, bildete schon ziemlich das Ende des ersten Hemshofkulturfestes. Dabei war es nicht das erste Mal, dass der Klaviervirtuose, der Bruder des ungleich berühmteren Keith Jarrett, im Cinema Paradiso & Arte auftrat. Innerhalb von fünf Jahren hat das Ehepaar Beatrice und Domenico D’Angelo dieses Haus in der Hemshofstraße 56 zu einem in Ludwigshafen gefragten Veranstaltungsort für Kunst und Kultur gemacht. In Anerkennung dieses Verdienstes überreichte ihnen Lukom-Geschäftsführer Michael Cordier die Auszeichnung „Lucation“. Die erste Auszeichnung dieser Art ging 2016 an das ehemalige Hallenbad Nord, in dem seitdem Kunst- und Kulturveranstaltungen stattfinden.

Um der Auszeichnung gerecht zu werden, eröffnete das Cinema Paradiso & Arte auch gleich nach der Preisverleihung eine Ausstellung mit Bildern von Gerry Louisett. Der Mannheimer zählt zu seinen Vorbildern Francis Bacon und ergeht sich in einem „phantastischen Realismus“. Jeder Besucher war außerdem eingeladen, im Vorhof zum Cinema Paradiso mit dem Pinsel oder Dripping à la Jackson Pollock an der Herstellung eines Bildes mitzuwirken.

Besonders Kindern machte das Spritzen mit Farbtuben Spaß. Morgens lief für sie im Saal der Kinofilm „Die Biene Maja“. Denn in der Rudolf-Scharpf-Galerie drehte sich alles um Bienen. Mit seiner Ausstellung „Ludwigshafen summt und brummt“ überwindet das Hack-Museum die Grenze einer bloß betrachtenden Einstellung zur Kunst und öffnet sich der Praxis des Umwelt- und Naturschutzes. Neun Künstler nehmen in der Galerie Stellung zum Bienen- und Insektensterben (wir berichteten am Samstag).

Das Kulturfest machte diesen Teil einer immer besorgniserregenderen Naturzerstörung durch den Menschen anschaulich. Im Garten der Galerie gab es nicht nur Musik mit dem Trio Django Mobil. Hier war auch ein Bienenstock aufgestellt, anhand dessen der Ludwigshafener Imker Klaus Eisele vom Leben und Sterben der Bienen erzählte. Von hier aus führte der Botaniker Johannes Mazomeit durch den Hemshof zum Alwin-Mittasch-Park am Klinikum, um auf eine bienen- und insektenfreundliche Bepflanzung hinzuweisen, wie sie das Museum an mehreren Plätzen in der Stadt vorgenommen hat.

„Sie finden nichts mehr zu fressen“, erklärte Klaus Eisele die Flucht der Bienen in die Städte. Die Landwirte würden von den Lebensmittelkonzernen unter Druck gesetzt, schnell für den Markt zu produzieren, was zu Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden und Antibiotika führe. Hinzu kommt eine verfehlte EU-Agrarförderung, die ökologischen Anbau nicht belohnt. Noch gebe es über 500 Wildbienenarten in Deutschland, sagte Eisele, doch 70 Prozent der Insektenarten seien bereits aus Naturschutzgebieten verschwunden.

Johannes Mazomeit wies unter anderem auf die Zaunrübe und den Natternkopf hin, die zur Vielfalt der Bienenarten beitragen. Er lobte auch den BASF-Parkplatz im Hemshof, weil er nicht versiegelt ist, und die Wiesen bei der Karl-Müller-Anlage. Der Wildwuchs lasse nämlich Pflanzen wachsen und gedeihen, auf die manche Insekten angewiesen seien.

Termin

„Ludwigshafen summt und brummt“ bis 14. Juli. Öffnungszeiten der Scharpf-Galerie: Mi bis So 13-18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Führungen.

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