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Freitag, 09. November 2018 Drucken

Ludwigshafen

Pendler sorgen sich wegen Abriss der Hochstraße Nord

Von Rebekka Sambale

Wann der Wechsel vom Auto auf Straßenbahn, Bus, Zug, aufs Fahrrad oder zu Fahrgemeinschaften für Mitarbeiter von Ludwigshafener Arbeitgebern attraktiv wird, erforschen Tachkov und seine Kollegen. (Archivfoto: Kunz)

Philipp Tachkov

Philipp Tachkov (Archivfoto: Kunz)

Was muss passieren, damit Mitarbeiter für ihren Arbeitsweg ein anderes Verkehrsmittel als das Auto wählen? Mit dieser und weiteren Fragen zur „Klimafreundlichen Mitarbeitermobilität“ beschäftigt sich das gleichnamige Projekt der Hochschule Ludwigshafen. Ein Zwischenergebnis zeigt: Baustellen erhöhen den Handlungsdruck.

15 Minuten mehr können den Unterschied machen. Während Autopendler eine Viertelstunde zusätzlicher Fahrzeit – etwa durch Staus und Umleitungen – akzeptieren und nach wie vor das Auto bevorzugen, sinkt die Akzeptanz ab 30 Minuten zusätzlicher Fahrzeit erheblich. Das ist ein Zwischenergebnis des Projekts „Klimafreundliche Mobilität“, das seit Oktober 2017 am Institut für Management und Innovation der Hochschule Ludwigshafen läuft. Dessen Herzstück ist eine Befragung bei sieben großen Arbeitgebern in der Stadt (Zur Sache). Das Ziel: Herausfinden, was die Wahrscheinlichkeit steigert, dass Pendler Alternativen zum Auto wählen.

Projektleiter Philipp Tachkov und seine Mitarbeiter haben die Datenerhebung abgeschlossen und sind in den letzten Zügen der Auswertung. Neben Fragen nach dem bevorzugten Verkehrsmittel oder danach, wie wichtig einem beispielsweise Duschen und Umkleiden am Arbeitsplatz sind, haben die Studienmacher auch ein besonderes Befragungsdesign ausgewählt.

Was nehmen Pendler in Kauf?

Dabei müssen sich die Teilnehmer zwischen Szenarien entscheiden. Also zum Beispiel: Fahre ich lieber mit der Bahn, wenn ich einmal umsteigen muss oder lieber mit dem Auto bei 30 Minuten Stauprognose? „Interessant ist die Frage: Was nehme ich noch in Kauf“, sagt Tachkov. Und wo die Grenze liegt, vom Haupt- zu einem seltener genutzten Verkehrsmittel umzusteigen. Bei diesen Menschen sieht er die größte Chance, umzusteigen. „Es gibt einen hohen Anteil an Leuten, die ein Hauptverkehrsmittel haben, aber ein anderes schon jetzt hin und wieder nutzen“, sagt er.

Während diese Szenarien allen Umfrageteilnehmern vorgelegt werden, gibt es für einzelne Unternehmen auch spezielle Fragen. Für die Mitarbeiter der Hochschule Ludwigshafen etwa die nach dem Posttunnel. „Das ist ja seit Jahren ein Ärgernis“, sagt Tachkov. Tatsächlich fordert die Hochschule schon lange eine Öffnung des Tunnels, der eine direkte Verbindung zwischen dem Campus an der Ernst-Boehe-Straße und dem Hauptbahnhof schaffen würde. Die Befragung zeigt laut Tachkov, dass mit offenem Tunnel etwa 20 bis 40 Prozent mehr Personen öffentliche Verkehrsmittel in Erwägung ziehen könnten, als bislang solche nutzen. „Man würde den Leuten wahnsinnig viel erleichtern“, sagt der 40-Jährige.

Abriss der Hochstraße Nord

Ein Faktor, der bei der Befragung immer mitspielt, ist der bevorstehende Abriss der Hochstraße Nord. 78,1 Prozent der befragten BASF-Mitarbeiter – und das sind über 12.000 – erwarten, dass sie durch die Bauarbeiten „deutlich mehr Zeit einplanen müssen“, um zur Arbeit zu kommen. Und 36,7 Prozent der Befragten beim Chemiekonzern denken bereits darüber nach, während der Bauzeit auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen.

Laut Tachkov sind die Ergebnisse der Umfrage einerseits für die Arbeitgeber selbst interessant. Diese erfahren, welche Aspekte am Arbeitsplatz für ihre Mitarbeiter besonders wichtig sind – etwa ausreichend Mitarbeiterparkplätze. Aber auch „alle, die Verkehr planen oder umsetzen“, möchten Tachkov und seine Kollegen mit der Umfrage ansprechen – also etwa Verwaltung und Verkehrsbetriebe. Für letztere stellt sich nicht nur die Frage, welche Kapazität etwa in Bussen und Bahnen benötigt wird, sondern auch, wie bestehende Angebote verbessert werden können. Deshalb sei für Anfang Februar ein Projektpartnertreffen geplant, bei dem nicht nur die befragten Unternehmen am Tisch sitzen. Ziel sei es, gemeinschaftlich auf Lösungen hinzuarbeiten, damit es zu mehr Zusammenarbeit kommt. Die Informationen aus dem Projekt sollen auch in zukünftige öffentliche Planungen einfließen.

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