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Samstag, 10. Mai 2014 Drucken

Ludwigshafen

Mit Schnurrbart an die Spree

Pfälzer Klapprad-Verein organisiert World-Klapp genanntes Rennen diesmal in Berlin statt in Friesenheim

Von Thorsten Eisenhofer

 

Bei der ersten und die letzten Austragung des World-Klapp ist 2012 und 2013 in Ludwigshafen in die Pedale getreten worden. Die angeblich allerletzte Austragung startet nun am 17. Mai in Berlin. Das Radrennen auf Klapprädern, organisiert vom Pfälzer Klapprad-Verein, ist eine Mischung aus sportlichem Wettkampf und jeder Menge Gaudi.

 

 

Schon ein Blick auf das Podium der Pressekonferenz im Ludwigshafener Kul-Turm verrät, ganz ernsthaft geht es hier nicht zu. Kann es hier auch nicht zu gehen. Da sitzt Alfons V., Klappradfahrer aus Speyer, und gekleidet, als habe er noch nicht mitbekommen, dass die Faschingszeit vorüber ist. Da sitzt Togbui Ngoryifia Céphas Kosi Bansah, König von Hohoe Gbi Traditional Ghana, Schirmherr der Veranstaltung, der von den Teilnehmern ein Art Fairness-Gelöbnis abnehmen wird. Auf pfälzisch versteht sich. Und da sitzt, in Polizeiuniform, Günter Seiberth, zuständig für die 20-Zoll-Kontrolle. Man muss wissen, beim World-Klapp sind nur Klappräder mit Felgen bis zu 20 Zoll erlaubt - was Seiberth mit seinem Klappradkontrollkoffer überprüft.

Und diese Pressekonferenz stellt für den Pfälzer Klapprad-Verein, der auch den Kalmit Klapprad Cup ausrichtete, eine Mischung aus Comedyshow und ernsthafter Informations-Weitergabe-Veranstaltung dar. Zwischenzeitlich hat man das Gefühl, es geht darum, wer der Herren auf dem Podium die meisten Lacher einheimst. Es wird jedenfalls so viel gewitzelt, dass vermutlich am Ende nicht mal die „Experten“ noch wissen, was davon eigentlich ernst gemeint und was ein Gag ist.

Zum Beispiel wird da, auch auf Nachfrage, die Geschichte erzählt, Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich sei schuld, dass das Rennen nicht mehr in Ludwigshafen, der Wiege des World-Klapp, stattfindet. „Es war keine leichte Entscheidung, unser Herz hängt an der Stadt. Aber wir wurden vom Bundeskanzleramt unter Druck gesetzt“, erzählt Peter Zürker, Vorsitzender des Pfälzer Klappradvereins.

In Wahrheit war es dann doch ein bisschen anders: Am 18. Mai findet in Berlin der Radmarathon Velothon statt. Und der Veranstalter hat bei den Pfälzern angefragt, ob sie nicht am Vortag ein Vorrennen austragen wollen. Immerhin vor vermutlich rund 20.000 Zuschauer, wie York Werschke, Rennleiter des Pfälzer Klappradvereins, schätzt. So gibt es, nachdem die Ehefrauen der Pfälzer die Erlaubnis gaben, nach dem letzten nun zumindest noch einen allerletzten World-Klapp, in den beiden Vorjahren auf der Radrennbahn in Friesenheim ausgetragen.

Das Rennen wird als Vier-Mannschaftszeitfahren absolviert und findet auf einem dreimal zu bewältigenden 1,8 Kilometer langem Rundkurs, der sogenannten Merkelraute, in Anlehnung an die bekannte Handhaltung der Kanzlerin, statt. Start ist auf der Straße des 17. Junis. Der Kurs führt unter anderem am Brandenburger Tor und am Reichstag vorbei.

Das Rennen ist professionell aufgezogen. Es gibt eine Startrampe wie bei der Tour de France, der Kurs ist abgesperrt, die Bikes getunt. Aber es ist natürlich auch eine Gaudi, eine Erinnerung an die Hochzeit des Klappradsports in den 70er- und 80er-Jahren. Darum ist auch ein Oberlippenbart Pflicht – es sei denn, der nichtbärtige Starter hat eine Bartwuchsunfähigkeitsbestätigung. Die braucht man wirklich, kein Witz.

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