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Montag, 05. November 2018 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Maxdorf: Gymnasiasten treten unter dem Tisch in die Pedale

Von Julia Köller

Die billigen Plätze in der letzten Reihe sind im Deskbikeraum ganz schön modern. Unterm Tisch strampeln die Schüler beim Lernen. Jannik, Lotte, Clara, Alexander, David und Hannah sind an diesem Morgen die ersten der 5c, die an die erhöhten Schreibtische dürfen.

Die billigen Plätze in der letzten Reihe sind im Deskbikeraum ganz schön modern. Unterm Tisch strampeln die Schüler beim Lernen. Jannik, Lotte, Clara, Alexander, David und Hannah sind an diesem Morgen die ersten der 5c, die an die erhöhten Schreibtische dürfen. ( Foto: KUNZ)

Vorne sitzen, hinten schwitzen: Abwechselnd dürfen die Schüler an die Deskbikes, Lehrer Winfried Hotten hat die Übersicht über den Plan.

Vorne sitzen, hinten schwitzen: Abwechselnd dürfen die Schüler an die Deskbikes, Lehrer Winfried Hotten hat die Übersicht über den Plan. ( Foto: KUNZ)

Im Unterricht muss man normalerweise leise sein, aufmerksam zuhören und still sitzen – eine Ausnahme ist da oft nur die Sportstunde. Seit Kurzem gibt es im Lise-Meitner-Gymnasium in Maxdorf zusätzlich zur Turnhalle jedoch noch einen Raum, in dem zumindest der letzte Punkt nur bedingt gilt. Im sogenannten Deskbikeraum dürfen einige Schüler während des regulären Unterrichts in die Pedale treten. Dies soll die Konzentration und die Bewegung fördern.

Die Schüler der Klasse 5c waren die ersten, die auf den neuen Trainingsgeräten strampeln durften. Sie kennen sich bereits aus, und so bedarf es an diesem Morgen nicht vieler Worte, bis es losgehen kann. Erdkundelehrer Winfried Hotten schaut in der Liste nach, welche sechs Kinder an der Reihe sind. Und schon packen diese ihre Schulsachen und ziehen an einen der beiden hohen Tische im hinteren Teil des Raums um. „Stellt euch bitte noch die Höhe des Sattels richtig ein“, sagt Hotten. Kurz darauf treten die sechs in die Pedale, und der Pädagoge wendet sich dem Unterricht zu. Nach 20 Minuten kommt dann die nächste Gruppe an die Reihe.

Vorteilhaft für die Konzentration

Seit dem Ende der Herbstferien ist das Gymnasium mit den Geräten in der Testphase. „Wenn es gut läuft, planen wir, das Inventar zu verdoppeln“, kündigt der Lehrer an. Hotten, der vor fünf Jahren als Mittelstufenleiter an die Schule kam, hat das Projekt angestoßen, nachdem er einen Bericht über den Einsatz von Ergometern an einem Gymnasium in Aschaffenburg gelesen hatte. Gemeinsam mit einer Kollegin fuhr er an die Schule, um sich das anzuschauen. „Unsere Eindrücke waren durchweg positiv. Sowohl die Schüler als auch die betreuenden Lehrer berichteten uns, dass sich die Bewegung vorteilhaft auf die Konzentration der Kinder und das Lernklima auswirkt, wovon wir uns auch im Selbstversuch überzeugen konnten“, sagt Hotten.

Statt elektrisch betriebener Ergometer entschied er sich für die rein mechanischen Deskbikes, die vom Hersteller mit passenden, höhenverstellbaren Tischen für je drei Schüler geliefert werden und vorne keine störenden Griffe haben. Die Anschaffungskosten in Höhe von 3400 Euro übernahm der Förderverein, wofür Hotten sehr dankbar ist.

„Die Geräte sind handlich und wiegen etwa zwölf bis 13 Kilo“, nennt der Lehrer einen weiteren Vorteil. Da sie außerdem Rollen haben, können auch die jüngeren Schüler sie schon herumschieben. „Man ist so flexibel, wenn man zum Beispiel eine Gruppenarbeit machen möchte“, sagt Hotten. Und da sich der Widerstand verstellen lässt, kann er dem Bewegungsdrang eines jeden Schülers angepasst werden.

Müde Schüler fit machen

Bevor die Deskbikes angeschafft wurden, hatte ein Gerät mehrere Monate im Lehrerzimmer gestanden. So konnte das Kollegium das System bereits vorab kennenlernen und sich von den Vorteilen überzeugen. „Einige Kollegen kamen schon auf mich zu und haben durchweg positives Feedback gegeben“, freut sich der Initiator. Nun können sie über das Buchungssystem der Schule selbst den Deskbikeraum für ihre Klassen reservieren und die Geräte im Einsatz erleben.

Hotten ist überzeugt, dass die Deskbikes gerade für Ganztagsschulen ein sinnvoller Baustein sind, um müde Schüler wieder zu aktivieren und ihnen zu helfen, dass sie konzentrierter arbeiten können. „In der neunten Stunde sind die Kinder ganz schon hibbelig“, weiß er. Und die Schüler nehmen das Bewegungsangebot dankbar auf.

„Ich finde es gut, dass man im Unterricht auch Sport machen kann“, findet etwa der zehnjährige Jannik. Er hat zwar noch nicht festgestellt, dass er sich dadurch auch besser konzentrieren kann. „Aber es lenkt auch nicht ab“, sagt er. Giulia (10) dagegen glaubt, dass ihr das Radeln dabei hilft, aufmerksamer zu sein. Ihre Klassenkameradin Vanessa (11) findet es „cool, weil man dann nicht mehr so viel Langeweile hat“. Und auch die zehnjährige Clara ist begeistert und sagt, dass sich das Strampeln nicht negativ auf ihre Schrift auswirkt: „Ich sehe keinen Unterschied.“

Strampeln ohne ein Quietschen

Einzig ein kleines Detail trübt an diesem Tag die Freude über die Geräte. Denn bei zwei Deskbikes hat sich offenbar etwas verzogen, sodass sie beim Treten quietschen. Das werde er reklamieren, sagt Hotten. „Normalerweise sind sie geräuschlos, und das ist auch wichtig.“ Trotzdem ist er von dem Konzept zu 100 Prozent überzeugt. Und die Klasse 5c ist es ebenfalls.

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