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Samstag, 12. Januar 2019 Drucken

Mannheim und Region

Managerin eines Problemviertels

Neues Jahr, neues Glück (6): Seit zwei Jahren ist die aus Ludwigshafen stammende Jennifer Yeboah Quartiermanagerin im Mannheimer Stadtteil Herzogenried – einem Fleckchen mit „besonderem Entwicklungsbedarf“. In den 90ern war die Gegend wegen ihrer Banden berüchtigt und noch heute ist das Image schlecht. Yeboah arbeitet daran, das zu ändern.

Von Markus Knopp

Soll die Lebenssituation im Stadtteil Herzogenried verbessern: Quartiermanagerin Jennifer Yeboah.

Soll die Lebenssituation im Stadtteil Herzogenried verbessern: Quartiermanagerin Jennifer Yeboah. ( Foto: KUNZ)

Zur Bundesgartenschau 1975 wurde der Stadtteil Herzogenried als Modellprojekt „Leben im Grünen“ errichtet.

Zur Bundesgartenschau 1975 wurde der Stadtteil Herzogenried als Modellprojekt „Leben im Grünen“ errichtet. ( Foto: KUNZ)

«Mannheim.» Denkt man die Aufgaben der Quartiermanager in Mannheim zu Ende, geht es letztlich darum, diese Jobs überflüssig zu machen. „Ja, das ist wohl so, ich soll mich selbst abschaffen“, sagt Jennifer Yeboah nach kurzem Nachdenken und muss dann lachen. Tatsächlich sollen die Quartiermanager in den „Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf“, wie die Problemviertel offiziell bezeichnet werden, diese so weit voranbringen, dass eben die Probleme gelöst werden.

Seit zwei Jahren ist die aus Ludwigshafen stammende und in Mannheim lebende 41 Jahre alte Sozialarbeiterin die Ansprechpartnerin im rund 7800 Bewohner zählenden Herzogenried. In dem Quartier, das Mitte der 70er-Jahre anlässlich der Bundesgartenschau 1975 in Mannheim als Modellprojekt „Leben im Grünen“ errichtet wurde, haben laut Yeboah etwa 60 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. Kerngebiet des Herzogenried ist eine Hochhaussiedlung.

Früher, in den 90er-Jahren, habe es dort entschieden größere Probleme gegeben als heute, erzählt die Quartiermanagerin. Jugendbanden hätten ihr Unwesen getrieben, es habe ein regelrechter „Ausnahmezustand“ geherrscht. 2004 wurde nicht zuletzt deshalb der Posten des Quartiermanagers geschaffen, dessen Aufgabe es seither ist, „die Lebenssituation in dem Stadtteil zu verbessern“, sagt Yeboah. Das sei in vielerlei Hinsicht gelungen, vor allem seien die Zustände von vor 15, 20 Jahren heute kein Thema mehr. Trotzdem leide das Quartier nach wie vor unter einem eher schlechten Image, „schlechter noch als die Neckarstadt“.

Seit zwei Jahren tut die Sozialarbeiterin viel dafür, dass sich dies weiter ändert. Dabei geht es ihr nicht um kosmetische Korrekturen, sondern konkret um das Leben der Menschen aus rund 120 Nationen und um das Quartier insgesamt. Auch wenn das Problem der Jugendbanden nicht mehr existiere, seien etwa die Probleme der jüngeren Generation im Herzogenried nach wie vor ein großes Thema, sagt Yeboah. Aus Gesprächen mit Jugendlichen, die einen Migrationshintergrund haben, wisse sie, dass diese immer noch und immer wieder mit der Frage nach ihrer Zugehörigkeit zur Gesellschaft konfrontiert werden. „Die sagen mir, sie gingen hier zur Schule und machten alles mögliche auch im Interesse der Gesellschaft, müssten sich auf der Straße dann aber als ,Kanake’ beschimpfen lassen“. Yeboah ist für die jungen Bewohner des Herzogenried vielleicht allein schon deshalb eine gute Partnerin, weil sie selbst einen Migrationshintergrund hat.

Aber nicht nur die Jugend braucht die Aufmerksamkeit der Quartiermanagerin, sondern auch die älteren Bewohner. „Die Anonymität in der Siedlung ist vor allem für diese Gruppe ein größeres Problem“, sagt Yeboah. Zu ihren Aufgaben gehöre deshalb, das Zusammenleben zu verbessern, „nachbarschaftliche Netzwerke“ zu schaffen. Ihr Wunsch sei es, dass die Bewohner der einzelnen Hochhäuser beziehungsweise der jeweiligen Straßenzüge eine gute Gemeinschaft entwickelten, erzählt die 41-Jährige.

Das Gefühl der Zugehörigkeit stärken und der Anonymität entgegenwirken sollen unter anderem die jährliche Stadtteil-Konferenz, auf der alle möglichen aktuellen Anliegen diskutiert werden, das Stadtteilfest, der Weihnachtsmarkt oder auch der Neujahrsempfang, der am kommenden Freitag wieder ansteht. Der Weihnachtsmarkt musste zuletzt allerdings ausfallen, „auch weil es zu wenig Unterstützung seitens der Bewohner gab“, bedauert Yeboah, die erkannt hat, dass sie die Menschen der Siedlung am ehesten ins Boot geholt bekommt, „wenn diese von einem Thema selbst betroffen sind und bei Veranstaltungen der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt“.

Dem will die Quartiermanagerin Rechnung tragen. So hatte sie vor einiger Zeit etwa eine Putzparty organisiert, bei der Musiker der Karnevalsgesellschaft Mannemer Stroseridder auf den Mülltonnen trommelten. Und dennoch: Von ihren Balkonen zugeschaut hätten viele, mit angepackt zu wenige. Wenn es bei ihrem Job also auch darum gehe, sich selbst überflüssig zu machen, „bin ich mir sicher, dass das in nächster Zeit noch nicht der Fall sein wird“, sagt Yeboah.

Die Serie

In der Serie „Neues Jahr, neues Glück“ stellen wir aus ganz unterschiedlichen Bereichen Menschen aus Mannheim vor, die mit dem Jahr 2019 aus bestimmten Gründen besondere Erwartungen oder Hoffnungen verknüpfen.

Ludwigshafen-Ticker