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Dienstag, 24. September 2019 Drucken

Ludwigshafen

Ludwigshafen: Weniger Plastik, mehr Nachhaltigkeit – wie Schüler Zeichen setzen

Von Anna-Lena Stauder

Lilly und Damien nähen fleißig an den nächsten Taschen, mit denen sich die Schule für Nachhaltigkeit einsetzt.

Lilly und Damien nähen fleißig an den nächsten Taschen, mit denen sich die Schule für Nachhaltigkeit einsetzt. (Foto: ales)

Ob beim Lebensmittelkauf, bei Kosmetika oder Haushaltsgegenständen: Im Alltag ist Plastik allgegenwärtig. Das wollen Schüler und Lehrer der Schlossschule in Oggersheim nicht länger hinnehmen. So nähen sie jetzt Taschen selbst, um ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit zu setzen.

Im Sommer 2018 wurde die Näh-AG gegründet. An zwei Nachmittagen in der Woche treffen sich jeweils rund 13 Schüler aus den Klassenstufen 7 bis 9, um gemeinsam Taschen zu fertigen. 100 Taschen aus Baumwolle sind so bereits entstanden. Und die Exemplare werden längst nicht mehr nur für den Eigengebrauch hergestellt, sondern werden auch im „Hausboot“ verkauft. Das „Hausboot“ betreibt in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Das Haus ein integratives Café in der Bahnhofstraße im Zentrum.

Angefangen hat alles damit, dass sich die Schule an der Aktion „Saubere Stadt“ beteiligt hat, bei der Müll von Straßen und Wegen gesammelt wird, der dort nicht hingehört. Schüler und Lehrer waren so entsetzt von den Massen an Müll, das sie dem etwas entgegensetzen wollten. „Wir hatten das Gefühl, wir müssen etwas dagegen tun. Das Thema Klima und Umwelt ist schließlich zurecht in aller Munde“, sagt Beate Ullrich, die als stellvertretende Schulleiterin auch für die Betreuung der Schulprojekte verantwortlich ist.

Tischdecken und Vorhänge werden recycelt

Auch Damien (14) und Lilly (13) wollten etwas Gutes tun und nähen seit Februar für den guten Zweck. Lilly hat von ihrer Oma schon Nähen gelernt, für Damien war die Arbeit an der Nähmaschine Neuland. Doch der Umgang mit Stoff und Faden gelingt auch ihm mittlerweile recht gut. Für die Taschen werden unter anderem alte Vorhänge, Tischdecken oder Bettwäsche recycelt. Lehrerin Melanie Wieme hilft den Schülern, wenn sie einmal nicht mehr weiter wissen.

Die Schule musste für das Projekt einige alte Nähmaschinen, die früher im Handarbeitsunterricht zum Einsatz kamen, wieder in Schuss bringen. Aber auch neue Maschinen wurden besorgt. Die finanziellen Mittel dafür stellte die Stiftung Bildung, die ihren Sitz in Berlin hat, zur Verfügung. Dort hatte die Schule einen Antrag gestellt. Die Spendenorganisation entschied in Zusammenarbeit mit der Röchling-Stiftung, einen Förderfonds einzurichten, von dem bundesweit neben der Schlossschule noch 21 weitere Projekte, die sich für die Umwelt einsetzen, profitieren.

Kohlrabi und Tomaten im Schulgarten

Die Näh-AG ist nicht das einzige Umwelt-Projekt der Schule. Auch ein Schulgarten mit Kohlrabi, Tomaten und Co. wurde bereits angelegt. Was Ullrich und ihr Kollegium gerne noch umsetzen würden, wäre ein neuer Schulhof, der auch den jüngeren Kindern Gelegenheiten zum Toben bietet. Und auch hier werden natürlich nachhaltige Materialien favorisiert. Doch momentan fehlen dafür die finanziellen Mittel.

Damien und Lilly finden es richtig, sich für die Umwelt zu engagieren. Auch, wenn sie nicht selbst demonstrieren gehen, unterstützen sie die Forderungen der weltweiten Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“. Die beiden achten auch zu Hause darauf, Plastik zu vermeiden und den Müll richtig zu trennen. Schließlich wollen sie auch noch in mehreren Jahrzehnten auf dieser Erde leben – ohne dass diese am Müll erstickt.

|ales

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