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Dienstag, 13. August 2019 - 17:25 Uhr Drucken

Ludwigshafen-Ticker

Ludwigshafen: Polizeipräsident gegen Polizeiwache auf dem Berliner Platz

Die jüngsten Sonderaktionen der Polizei mit dem städtischen Ordnungsdienst und anderen Netzwerkpartnern am zentralen Berliner Platz in Ludwigshafen haben Wirkung gezeigt: Nach dem Allzeithoch von 213 Straftaten im ersten Halbjahr 2018 (353 waren es im gesamten Vorjahr, 183/466 im Jahr 2017) ist die Deliktzahl im ersten Halbjahr 2019 im Bereich der Gefahrenabwehrverordnung um 84 auf 129 zurückgegangen. In den beiden Kernsektoren – Wredestraße, Faktorhaus, Bus- und Bahnhaltestellen sowie Ludwigstraße, Heny-Roos-Passage – reduzierte sich die Zahl der Straftaten sogar um 88 (von 160 auf 72). Auf knapp 60 Einsätze, also im Schnitt zehn pro Monat, reduziert sich die Einsatzzahl in den Kernsektoren, wenn man in Betracht zieht, dass sich bei manchen Einsätzen gleich mehrere Delikte auf einmal ereignet haben. Zwischen 40 und 50 Prozent der Straftaten waren jeweils Körperverletzungen. Es folgen Drogendelikte.

Nach Mitternacht wird’s kritisch

Polizeipräsident Thomas Ebling führte den deutlichen Rückgang der Straftaten bei einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag auf die zuletzt gesteigerte Präsenz der Beamten vor Ort und Schwerpunktkontrollen zurück sowie auf zusätzliche Info- und Präventionsangebote wie etwa eine Sicherheitsbegehung mit Bürgern. Bei einem Verkehrsknotenpunkt mit bis zu 45.000 Passanten täglich sei die Zahl der Straftaten überschaubar, sagte Ebling. Zumal sich die große Mehrheit der Straftaten in den Kernsektoren zeitlich begrenzen lasse: aufs Wochenende im Zeitraum von Mitternacht bis 6 Uhr. In diesem Korridor ereigneten sich über die Hälfte aller Straftaten und fast 70 Prozent der Körperverletzungen, in die überwiegend jüngere Männer verwickelt sind. Häufig stehen sie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und es gibt dazu eine „Vorgeschichte“. Das heißt, sie tragen einen schon zuvor in einer Bar oder Diskothek begonnenen Streit später draußen auf dem Platz aus. Das Gefährdungsrisiko für einen normalen Passanten am Berliner Platz sei statistisch gesehen verschwindend gering, so Ebling. Insbesondere tagsüber.

„Besser als sein Ruf“

„Der Berliner Platz ist kein Klostergarten. Wir müssen da präsent sein und das Sicherheitsgefühl weiter hochhalten“, sagte Ebling. „Aber der Berliner Platz ist viel besser als sein Ruf“, bilanzierte er. Immer wieder aufkeimenden Forderungen aus der Politik nach einer ständigen Polizeiwache vor Ort erteilte Ebling eine Absage. „Das würde zusätzliche Kräfte binden. Außerdem sind wir vom Polizeipräsidium aus in einer Minute am Berliner Platz.“ Im Prinzip zeige die zuständige Polizeiinspektion (PI) 1 mit ihren über 100 Beamten bereits Dauerpräsenz. So seien in den Morgenstunden an Wochenenden und Feiertagen sowie in einsatzrelevanten Zeiträumen bei Veranstaltungen bereits vier zusätzliche Frühstreifen auf dem Berliner Platz unterwegs. Auch eine Videoüberwachung des Platzes wäre nur begrenzt zielführend. Bestimmte Delikte wie der Drogenhandel würden dadurch nur auf andere Plätze verlagert, argumentierte Ebling. „Und die meisten Straftaten ereignen sich ohnehin im Dunkeln.“

2245 Einsatzstunden in sechs Monaten

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres habe es ohne konkreten Anlass 2245 Einsatzstunden am Berliner Platz gegeben und damit 360 mehr als im Vorjahreszeitraum, sagte PI-Leiter Uwe Giertzsch. Dabei seien 372 Personen kontrolliert worden (2018: 416). Bereits 2014 seien zehn mehrmonatige Aufenthaltsverbote für polizeibekannte Wiederholungstäter (Drogen, Körperverletzungen) ausgesprochen worden, aktuell laufe ein solches Verfahren, für das hohe gesetzliche Hürden zu überwinden seien. Ebling kündigte an, dass die „hervorragende“ Präventionsarbeit mit der Stadt, den Verkehrsbetrieben, der Bahn, Streetworkern, der Initiative „Wir vom Berliner Platz “ sowie Gewerbetreibenden und Gastronomen auf hohem Niveau fortgesetzt werden soll. Sein Ratschlag in Richtung Politik: „Entscheidungen müssen auf Fakten beruhen, nicht auf Fakes oder Gefühlen.“

|ier

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