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Samstag, 13. April 2019 Drucken

Ludwigshafen

Ludwigshafen: Neue Pläne der Dampfnudelbräterei

Von Axel Nickel

Alles Handarbeit: Steffen Jung und Heike Fleckner stehen auch heute noch selbst am Herd.

Alles Handarbeit: Steffen Jung und Heike Fleckner stehen auch heute noch selbst am Herd. (Foto: Kunz)

Nur ein Schild weist im Oppauer Ortskern auf die Dampfnudelbräterei hin. Einen Verkauf gibt es hier nicht.

Nur ein Schild weist im Oppauer Ortskern auf die Dampfnudelbräterei hin. Einen Verkauf gibt es hier nicht. (Foto: Kunz)

Noch ein paar Monate, dann sind die Oppauer Dampfnudeln Geschichte. Zumindest muss die Dampfnudelbräterei die Gabelsbergerstraße verlassen und nach Ruchheim umziehen. Die Beschwerden einiger Anwohner waren ein Schock für Heike Fleckner und Steffen Jung. Aber jetzt schmieden sie neue Pläne.

Es ist gemütlich am Esstisch. Man kann sich vorstellen, wie viel Energie Heike Fleckner und Steffen Jung vor knapp 20 Jahren hier investiert haben, um alles nach ihren Wünschen zu gestalten. „2000 war unser härtestes Jahr, da haben wir das Haus umgebaut, die Backstube errichtet und nachts die Dampfnudeln gebacken“, erinnert sich Steffen Jung. Schon bald werden er und seine Frau die Gabelsbergerstraße verlassen müssen. Denn die Gewerbeaufsicht der Neustadter Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) hat den Weiterbetrieb der Dampfnudelbräterei an diesem Standort untersagt. „Da wir in den Neubau in Ruchheim über 800.000 Euro investieren müssen, müssen wir dafür das Anwesen hier verkaufen“, erklärt Heike Fleckner.

2500 Dampfnudeln auf 17 Wochenmärkten

Die beiden lachen viel. Was wohl nicht nur am 54. Geburtstag liegt, den sie vergangene Woche zusammen gefeiert haben. „Wir sind nur einen Tag auseinander.“ Die beiden sind Menschen, die anpacken und ihr Ziel verfolgen. So war es schon zur Jahrtausendwende, als sie ihre Dampfnudelbräterei als Zwei-Personen-Betrieb aufgebaut haben. Mittlerweile haben sie 23 Mitarbeiter. Von abends 6 bis morgens 6 Uhr werden in zwölf Pfannen zwischen 1500 und 2500 Dampfnudeln gebacken und auf 17 Wochenmärkten in der Region verkauft. „Wir machen alles in Eigenregie“, sagt Jung.

Doch just dieser Erfolg ist Fleckner/Jung zum Verhängnis geworden. Denn ein paar Nachbarn aus einer Querstraße haben sich bei der Gewerbeaufsicht beschwert. Ihnen war das Beladen der Sprinter am frühen Morgen zu laut. Ein Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht schaute sich in Oppau um und stellte fest, dass es so nicht weitergehen könne. Eine Sprecherin der SGD sagt auf Nachfrage, dass der Betrieb nur fürs Eigentümerehepaar genehmigt worden sei. Seit 2009 gebe es Beschwerden von Nachbarn über Geruch aus der Abluftanlage und Lärm durch „nächtlichen Lieferverkehr“. „Der jetzige Betriebsumfang ist nicht mehr konform mit der ehemaligen Baugenehmigung“, so die SGD.

Gutes Verhältnis zu vielen Nachbarn

Im September 2018 wurde das Ehepaar Jung/Fleckner mit den Beschwerden und der Analyse der Behörde konfrontiert. „Uns hat es den Boden weggerissen, denn das hier ist ja unsere Existenz“, sagt Fleckner. Was beide mächtig ärgert: Zu vielen Nachbarn gebe es ein gutes Verhältnis, doch die Beschwerdeführer seien nie auf sie zugekommen. „Man hat uns stattdessen gleich das Messer in den Rücken gerammt“, so Jung. Auf Auflagen der Gewerbeaufsicht vom September hätten sie sofort reagiert: Größere Kunden holen die Ware nun auf den Märkten ab und kommen nicht mehr nach Oppau. „Außerdem beladen wir wirklich nur noch nach 6 Uhr.“ So ist zumindest der Weiterbetrieb gesichert, bis der Neubau fertig ist. Wirklich verstehen kann Jung die Beschwerden nicht: „Wir schlafen und leben ja auch hier. Von anderen Nachbarn gibt’s keine Klagen.“

Die beiden waren nur kurz in Schockstarre. Dann gingen die Blicke in die Zukunft. „Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern“, betont Fleckner. Die Stadtverwaltung half. Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD) schaltete sich ein, aber er fand kein Ausweichquartier. Scheuermann ist ebenfalls sauer, zumal es zwischen Oppau und Dampfnudeln „eine emotionale Verbindung gibt, das sieht man am Karnevalverein“. Die einzige Ausweichmöglichkeit fand die Stadt in Ruchheim, im Gewerbegebiet „Am Herrschaftsweiher“. Fleckner und Jung sind froh, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden gut klappt und die VR Bank ihnen den Rücken stärkt.

"Wir sehen es jetzt positiv"

Bis zum Jahreswechsel soll der 250 Quadratmeter große einstöckige Neubau in Ruchheim fertig sein. Das Ehepaar strebt als Wohnort dann die Westpfalz an. „Wir möchten Ruhe und Wald haben“, so Fleckner. Der Schock sei verdaut. „Wir schauen nach vorne, das wird gut. Unserem Standort weinen wir nun keine Träne mehr nach, weil wir mit solchen Nachbarn nicht zusammenleben möchten“, sagt Jung. „Wir sehen es jetzt positiv. Mit dem Neubau werden wir später die Chance haben, das Geschäft zu verkaufen. Hier wäre das nicht gegangen.“ Und auch mit Blick auf die Mitarbeiter sei alles geregelt: „Alle kommen mit.“

Und was das Ehepaar besonders rührt: „Mit so einer Anteilnahme hätten wir nie gerechnet. So viele Menschen melden sich bei uns. Manche fahren extra her, um uns Glück zu wünschen. Das ist unfassbar“, so Fleckner.

 

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