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Freitag, 08. November 2019 Drucken

Ludwigshafen

Ludwigshafen: 67 Millionen Euro für neuen Hochschul-Campus

Von Steffen Gierescher

Hier entsteht das neue Hochschul-Gebäude.

Hier entsteht das neue Hochschul-Gebäude. (Foto: KUNZ)

OB Jutta Steinruck (roter Mantel) und Kinder der Lufanten-Kita beim Spatenstich.

OB Jutta Steinruck (roter Mantel) und Kinder der Lufanten-Kita beim Spatenstich. (Foto: KUNZ)

Plakat an der Hochschule.

Plakat an der Hochschule. (Foto: ier)

Hochschul-Präsident Peter Mudra bei seiner Ansprache.

Hochschul-Präsident Peter Mudra bei seiner Ansprache. (Foto: ier)

Mit Luftballons geschmückter Eingang der Hochschule.

Mit Luftballons geschmückter Eingang der Hochschule. (Foto: ier)

Seit Jahren geschlossen: Eingang zum Posttunnel.

Seit Jahren geschlossen: Eingang zum Posttunnel. (Archifvoto: KUNZ)

Für 67 Millionen Euro entsteht bis 2025 ein zentraler Hochschul-Campus auf dem Areal in der Ernst-Boehe-Straße in Mundenheim. Nach zehn schwierigen Jahren der Planung war am Freitag Spatenstich für ein neues Gebäude. Damit ist der Wunschzettel von Hochschul-Präsident Peter Mudra aber längst nicht abgearbeitet.

„Als ich heute Morgen aufgewacht bin, musste ich mich erst noch mal zwicken, um mich zu vergewissern, dass ich das alles nicht geträumt habe.“ Ein Zitat, das Bände spricht. Bei seiner Ansprache vor 100 Gästen in der Hochschul-Aula ließ Peter Mudra einerseits durchblicken, wie sehr er sich über „dieses fundamentale Ereignis“ freut. „Wenn einem so viel Gutes widerfährt, ist das eine Feier wert.“ Andererseits brachte der seit knapp zehn Jahren amtierende Präsident der Bildungseinrichtung seine Unzufriedenheit über den langwierigen Prozess zum Ausdruck. „Beim Start der Planungen 2010 waren wir noch super euphorisch“, doch dann habe man sich aus Kostengründen schnell von den eigenen Vorstellungen für eine Gebäudegestaltung sowie von einem zügigen Campus-Bau verabschieden müssen. Seine ambivalente „Gefühlswelt“ packte Mudra unter den Augen von Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) in eine Frage: „Wo könnte die Hochschule heute stehen, wenn wir – wie ursprünglich geplant – bereits im Jahr 2016 hätten in den Gesamtcampus einziehen können?“

Altlastensanierung verzögert Ausbau

Torpediert wurden das Vorhaben durch ausufernde Verhandlungen mit dem Land („Große Träume, dicke Aktenordner“, sagte Mudra dazu) sowie durch Altlasten, die im Untergrund entdeckt wurden und aufwendig entsorgt werden mussten. In der Zwischenzeit wurde immerhin eine Kita gebaut. Die Idee des Unternehmerkreises „IHK-Tischrunde“, den Campus in der Innenstadt (Walzmühle) anzusiedeln, wurde vom Land verworfen, weil die Planungen in Mundenheim zu weit fortgeschritten waren.

Aktuell 4674 Studenten

Unterm Strich überwog bei den Verantwortlichen der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft natürlich die Freude darüber, dass es nun „endlich losgeht“, wie Mudra meinte. Mit dem zentralen Campus werde die „Zukunftsfähigkeit“ der Einrichtung gesichert. Die Hochschule mit ihren aktuell 4674 Studenten habe sich trotz der über das gesamte Stadtgebiet verteilten Standorte prächtig entwickelt und die Zielzahlen des Hochschulpakts „übererfüllt“. „Lassen sie uns aufbrechen zur nächsten Etappe. Das ist der Start von etwas Großem für die nachkommende Generation“, sagte Mudra. Mit dem neuen Campus würden die Bedingungen für Studenten, Lehrende und Mitarbeiter deutlich verbessert. Mit dem neuen Campus werde auch ein wichtiger Schritt der 2008 erfolgten Fusion der beiden bis dahin eigenständigen Fachhochschulen in Ludwigshafen vollzogen. Insofern sei das neue C-Gebäude „ein Meilenstein“. Wegen der kontinuierlich steigenden Anzahl der Studenten – plus 70 Prozent allein zwischen 2015 und 2018 – ist der Campus-Ausbau seit Jahren eine Kernforderung Mudras. Die Hochschule hat vier Fachbereiche: Management, Controlling und Health Care, Marketing und Personalmanagement, Dienstleistungen und Consulting sowie Sozial- und Gesundheitswesen.

Drei Stockwerke, drei Innenhöfe

Das C-Gebäude mit drei Innenhöfen soll bis Dezember 2022 auf dem ehemaligen Studierendenparkplatz an der Ecke Ernst-Boehe-/Ludwig-Reichling-Straße entstehen. Es verfügt über drei Etagen, dehnt sich auf 45 mal 125 Metern aus und hat eine Nutzfläche von 14.000 Quadratmetern. Hörsäle (150 Plätze), Büros, Sprachlabore sowie Service-, Seminar- und Veranstaltungsräume sollen hier untergebracht werden. Ferner sollen parterre Bibliothek, Mensa/Cafeteria und das Rechenzentrum in das „zentrale Wissensquartier“ einziehen, wie der Mainzer Staatssekretär Stephan Weinberg (SPD) das Haus nannte. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt zur Konzentration des Hochschul-Standorts“, sagte Weinberg. Vor Ort entstehe ein unverwechselbares und sehr energieeffizientes Gebäude-Ensemble. Auf dem Flachdach des C-Hauses ist beispielsweise eine Fotovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 50 Kilowatt vorgesehen. Weinberg vertrat Finanzministerin Doris Ahnen (SPD), die Opfer des Lufthansa-Streiks wurde und in Berlin festsaß.

Richtfest in einem Jahr

Nach dessen Fertigstellung folgt die Sanierung der A- und B- Gebäude. Bauzeit: 15 Monate. Das Gesamtprojekt ist im Landeshaushalt mit 67 Millionen Euro veranschlagt. In einem Jahr soll Richtfest für das C-Gebäude gefeiert werden, kündigte Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB an, der die Arbeiten im Auftrag des Landes umsetzt. Neben dem federführenden Architekturbüro seien 24 Planer, Ingenieure und Experten beteiligt. „Für die bauliche Umsetzung werden 56 Gewerke europaweit ausgeschrieben“, berichtete Basten.

Fest verwurzelt in Stadt und Region

Die Hochschule sei fest verwurzelt in Stadt und Region und leiste in der wissenschaftlichen Forschung „Pionierarbeit“, sagte Minister Wolf. „Die Studiengänge werden hier so entwickelt, dass sie den gesellschaftlichen Bedarf zur richtigen Zeit abdecken.“ Markenzeichen der Hochschulen für angewandte Wissenschaften sei der enge Kontakt zwischen Studenten, Professoren und Dozenten.

„Attraktiver Anziehungspunkt“

„Ich bin einfach nur froh“, sagte Ortsvorsteherin und Landtagsabgeordnete Anke Simon (SPD) zur vermeintlich unendlichen Geschichte Campus-Neubau. „Hier entsteht ein attraktiver Anziehungspunkt für die Stadt“, sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). „Ich spüre als OB, wie sich die ganze Hochschule mit der Stadt identifiziert.“ Sie versprach, sich weiter für die Öffnung des Posttunnels einzusetzen, der die Wissenschafts- und Technologiemeile über den Hauptbahnhof mit der Innenstadt verbindet. Ohne ein Planfeststellungsverfahren werde das aber nicht gehen, bedauerte Steinruck und ergänzte. „Mir geht langsam die Fantasie aus, zu erklären, warum ein bestehender Tunnel nicht genutzt werden kann.“ Die Posttunnel-Öffnung stehe seit seinem Amtsantritt jeweils vor Weihnachten auf seinem Wunschzettel, sagte dazu Mudra. Und formulierte noch einen Wunsch: ein weiteres Studentenwohnheim in der Innenstadt.

Kommentar: Das dauert zu lange

Die Stadt kann gute Nachrichten vertragen: Ein neuer Hochschul-Campus ist ein Standortvorteil für Lu. Aber…Bis der neue Hochschul-Campus fertig ist, wird es wohl noch sechs Jahre dauern. Dann wären vom Planungsstart bis zur Realisierung anderthalb Jahrzehnte verstrichen. Das ist entschieden zu lang für ein Land, das beim Thema Bildung spitze sein will. Bei aller Freude über den Baubeginn legte Hochschul-Präsident Mudra zurecht den Finger in die Wunde. Das muss einfach schneller und unbürokratischer gehen. Übrigens auch beim Posttunnel. Dieser würde kurze Wege vom Hauptbahnhof zur Hochschule garantieren. Stichwort Mobilitätswende: Manchmal darf man sich nicht wundern, wenn diese nur schleppend vollzogen wird. |ier

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