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Mittwoch, 14. November 2018 Drucken

Ludwigshafen

Keinen Pfälzer Wein in Wien

Die Ludwigshafener Autorin Edith Brünnler liest in Waldsee eigene Kurzgeschichten

Mitten aus ihrem Leben: Edith Brünnler in Waldsee.

Mitten aus ihrem Leben: Edith Brünnler in Waldsee. ( Foto: kya)

«Waldsee.» Einen vergnüglichen Nachmittag hat die Ludwigshafener Autorin Edith Brünnler den Besuchern des alten Rathauses in Waldsee bereitet. Es war die zehnte Lesung der 65-Jährigen, die seit 2001 satirische Kurzgeschichten in Hochdeutsch und auf Pfälzisch schreibt. Auszüge aus ihrem im Juni erschienenen Buch „Awwer saach nix!“ präsentierte sie dem begeisterten Publikum zum ersten Mal.

Auf besonderen Wunsch der Waldseer habe sie diesmal zwei Mundart-Bücher mitgebracht, sagt Brünnler. Die erste Hälfte ihrer Lesung war dem jüngsten Exemplar ihrer Schreiblust vorbehalten. Eine Zuhörerin entschuldigte sich für ihre hörbar starke Erkältung. „Das konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagte sie am Ende der Veranstaltung, die vorwiegend weibliche Besucher hatte.

Dabei ging es durchaus auch um Männer, im Besonderen um die der Familie Brünnler. Als die Autorin vom Wien-Aufenthalt mit Kulturaspekt berichtete, blieb kein Auge trocken. Urlaubsziele werden von den Brünnlers demnach danach ausgesucht, was die Nachbarn darüber denken. „Daheimbleiben geht gar nicht“, erzählte die Autorin. Ins geliebte Zillertal aber auch nicht. Allenfalls heimlich – nach erfolgreich geschossenen Fotos vor Kulturdenkmälern in Wien oder Paris.

Brünnler präsentierte ihre Ausflüge in Vergangenheit und Gegenwart vor dem Mikrofon stehend. Sprachlich und körperlich ständig in Bewegung, erzählte sie von Hindernissen in der österreichischen Hauptstadt. „Pfeifendeckel“ war es mit ganz normalem Kaffee, mehr noch mit Pfälzer Wein. Den habe es weder beim Heurigen in Grinzing noch in Nussdorf gegeben.

Auch für Nichtpfälzer waren Brünnlers Schilderungen von festlich gedeckten Tischen oder Gastgeschenken leicht verständlich. Wer sich an Spargelröllchen oder Mixed Pickles erinnern kann und den Duft von Kölnisch Wasser oder „Tosca“ noch in der Nase hat, war bei der Lesung klar im Vorteil. Heute benötige der Parfum-Kunde schon ein abgeschlossenes Fremdsprachenstudium, um überhaupt die Namen angesagter Duftnoten aussprechen zu können, meinte Brünnler.

Mitten aus ihrem Leben stammen die Geschichten um Alltag oder Freundschaft. Auch die Titel ihrer beiden Mundart-Bücher haben damit zu tun. „Du wääscht jo“, geschrieben und veröffentlicht vor vier Jahren, hatte die Autorin in den Mittelpunkt des zweiten Teils ihrer Lesung gestellt und auch damit zahlreiche Heiterkeitsausbrüche der Zuhörer ausgelöst. Mit „Awwer saach nix!“ sei die Aufforderung verbunden, das Gehörte für sich zu behalten, erklärte Brünnler den nicht ganz ernst gemeinten Titel ihres jüngsten Buchs. „Darin stehen Geschichten, die man nur Leuten erzählen kann, bei denen man sicher ist, dass sie nicht darüber reden.“ Das hat bei der Lesung in Waldsee nicht geklappt. Zum Glück für die Autorin.

Lesezeichen

Awwer saach nix!, Du wääscht jo, Verlag Make a Book, jeweils 12,90 Euro. |kya

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