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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Käpt’n Peter will auf Kurs bleiben

Neujahrsempfang der Gemeinde Böhl-Iggelheim mit närrischen Einlagen und ernsten Worten

Von Julia Köller

Peter Christs sonst so markanter Schnurrbart ist abrasiert. Nach dem Sommerurlaub kam der Böhl-Iggelheimer Bürgermeister noch mit Vollbart nach Hause – den Spitznamen Käpt’n Iglo soll ihm seine Tochter verpasst haben. Die Karnevalisten haben das beim Einzug mit der MS Ahoi nun offiziell gemacht.

Peter Christs sonst so markanter Schnurrbart ist abrasiert. Nach dem Sommerurlaub kam der Böhl-Iggelheimer Bürgermeister noch mit Vollbart nach Hause – den Spitznamen Käpt’n Iglo soll ihm seine Tochter verpasst haben. Die Karnevalisten haben das beim Einzug mit der MS Ahoi nun offiziell gemacht. ( Foto: Lenz)

«Böhl-Iggelheim.»Positive Nachrichten, gute Musik, närrischer Spaß und obendrein ein neuer Spitzname – mit dem diesjährigen Neujahrsempfang der Gemeinde Böhl-Iggelheim konnte deren Bürgermeister rundum zufrieden sein. Zahlreiche Gäste und Einwohner hatten dazu am Sonntag den Weg in die Wahagnieshalle gefunden.

Bisher musste der Christdemokrat Peter Christ immer damit leben, dass er in Anspielung auf seine Parteizugehörigkeit gerne mal „Schwarzer Peter“ genannt wurde. Doch seit dem Neujahrsempfang hat der Rathauschef einen neuen Beinamen, den er sich noch dazu selbst zu verdanken hat. Zum „Käpt’n Iglo“ ernannten ihn die Karnevalisten der Böhler Hängsching und Igg’lemer Bessem, die zuvor mit ihrer MS Ahoi in die Halle geschippert waren.

„Die Idee kam uns beim Open Air des Musikvereins“, verriet Hängsching-Präsidentin Annette Melzer. Und sie machte auch kein Geheimnis daraus, dass ausgerechnet Peter Christs Tochter das entscheidende Stichwort lieferte, als sie ihren Vater mit dem im Urlaub sorgsam gezüchteten Vollbart erblickte. Für alle Einwohner, die den Bürgermeister bei dem Konzert im Sommer nicht gesehen – oder derart zugewachsen nicht erkannt hatten –, brachten die Narren ein großformatiges Beweisfoto mit, das künftig im Rathaus hängen soll. Frisch ausgestattet mit Kapitänsjacke und -mütze blieb Christ nichts anderes übrig, als sich seinem Schicksal zu ergeben.

Ein wenig versüßt wurde ihm dies durch die Anwesenheit der Prinzessinnen Jessi I. (Böhl) und Jule I. (Iggelheim). Auch das Iggelheimer Tanzmariechen Mila Ziegele und die Jugendgarde der Böhler Hängsching sorgten mit ihren Auftritten nicht nur beim Rathauschef für gute Laune.

Der Auftritt der Karnevalsvereine bildet traditionell den Abschluss des Neujahrsempfangs, da der Bürgermeister nach der Übergabe des Rathausschlüssels bis Aschermittwoch ohnehin nicht mehr viel zu sagen hat. Doch bis dahin hielt der Hausherr die Fäden in der Hand, und so bildete das Programm des Empfangs den bewährten Mix aus Grußworten und musikalischen Beiträgen.

Den Auftakt machte der Musikverein Musketiere Böhl. Die Textzeile „Alle Menschen werden Brüder“ des ersten Stücks – Beethovens „Ode an die Freude“ – nahm Moderator Hans Simon zum Anlass, einige kritische Worte zur politischen Lage in Europa und der Welt anzubringen. Passend dazu wünschte Schornsteinfeger Claus Lang den Gästen neben Gesundheit und Glück vor allem Frieden für das neue Jahr.

Dem Segensgruß der Sternsinger mit Diakon Johannes Müller folgte ein Auftritt des Modern Chors Sandy Lane der Sängervereinigung Iggelheim. Mit den Songs „Kreise“ von Johannes Oerding und „You raise me up“ von Josh Groban umrahmten die Sänger in großer Besetzung den Neujahrsgruß von Alain Bos. Der Bürgermeister der französischen Partnergemeinde Wahagnies war wie in den Jahren zuvor mit einer Abordnung angereist, um das neue Jahr gemeinsam mit den pfälzischen Freunden zu begrüßen. Auch ihm war es ein Anliegen, angesichts der bevorstehenden Europawahl einige ernste Worte zu sagen. Er betonte die Bedeutung von Respekt und Solidarität für funktionierende Demokratien und erklärte: „Wir leben die Partnerschaft zwischen Böhl-Iggelheim und Wahagnies mit einem echten Austausch von aufrichtigen und dauerhaften Freundschaften, einer ruhigen und stabilen Beziehung. Zögern wir nicht, dieses als Beispiel für Andere zu verwenden.“

Ein Vorbild für andere könnte die Gemeinde Böhl-Iggelheim wohl auch in puncto Hartnäckigkeit sein. Schon seit Jahren taucht in der Neujahrsansprache des Bürgermeisters immer wieder das Thema Westumgehung auf. Und auch dieses Mal kam Peter Christ um das Stichwort nicht herum, konnte jedoch gute Nachrichten verkünden: „Die Landesregierung hat den Landesbetrieb Mobilität mit den weiteren Schritten zur Realisierung beauftragt“, freute sich der Bürgermeister. Dennoch werde es noch einige Jahre bis zur konkreten Umsetzung dauern.

Schneller geht es da mit der Sanierung der Grundschulen voran. Von den insgesamt veranschlagten 3,9 Millionen Euro seien allein im vergangenen Jahr rund zwei Millionen „verbaut“ worden. Als weitere Erfolge zählte der Bürgermeister die Sanierung des Rathauses, die Sanierung weiterer Straßen und den Beginn der Digitalisierung der Verwaltung auf.

Auch für 2019 hat die Gemeinde einiges auf dem Zettel. So stehen laut Christ unter anderem bei der Kläranlage Investitionen in Höhe von 4,5 Millionen Euro an. Die Brücken sollen nach und nach saniert und für die Grundschulen weitere Whiteboards angeschafft werden. Und auch der Fahrzeugbestand der Feuerwehr wird weiter ergänzt. Bei einer vergleichsweise niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung von 199 Euro, die Christ zum Abschluss stolz verkündete, kann die Gemeinde diesen Ausgaben relativ gelassen entgegenblicken. Und sollte es doch einmal stürmisch werden, wird Käpt’n Peter die Böhl-Iggelheimer bestimmt sicher in ruhigeres Fahrwasser manövrieren.

Ludwigshafen-Ticker