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Montag, 30. Oktober 2017 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Herrlich übertrieben und bewegend

Zum vierten Mal hat der Rhein-Pfalz-Kreis mit der Verleihung des „Schappo“ die Arbeit von Amateurtheatern in der Metropolregion gewürdigt. Im Maxdorfer Carl-Bosch-Haus sind am Samstagabend drei Ensembles ausgezeichnet worden. Das Theater an der Weinstraße bekam zusätzlich noch den Zuschauerpreis in Höhe von 1000 Euro.

Von Nicole Sperk

Preisträger unter sich: Jakob Fecht (Theatergruppe Dauerstrom), Faust-Approx-Regisseur Emanuel Leonhardt („Es ist Arbeit, auch wenn es Amateurarbeit ist“) und Maja Borko vom Theater Mobile (von rechts) freuen sich über ihren „Schappo“. Jury-Vertreter Torsten Feldmann und Kreis-Kulturchef Paul Platz moderieren.

Preisträger unter sich: Jakob Fecht (Theatergruppe Dauerstrom), Faust-Approx-Regisseur Emanuel Leonhardt („Es ist Arbeit, auch wenn es Amateurarbeit ist“) und Maja Borko vom Theater Mobile (von rechts) freuen sich über ihren „Schappo“. Jury-Vertreter Torsten Feldmann und Kreis-Kulturchef Paul Platz moderieren. ( Foto: KUNZ)

«MAXDORF.»Die Würdigung des Amateurtheaters – sie geschah an diesem Abend auf doppelte Weise. Zum einen erhielten die drei prämierten Ensembles jeweils 2000 Euro. Zum anderen hatte Paul Platz, der Leiter des Kulturbüros der Kreisverwaltung, ein musikalisches Programm rund um die Auszeichnung mit dem Theaterpreis zusammengestellt, so dass die Abschlussveranstaltung des „Schappo“ auf knapp zweieinhalb Stunden gestreckt werden konnte.

Jede der drei Gruppen hatte in der vorangegangenen Woche einen Abend lang die volle Aufmerksamkeit des Maxdorfer Publikums für sich gehabt. Zunächst zeigte die Jugendtheatergruppe Dauerstrom aus Neustadt die Inszenierung „Die gestreckte Milch“, eine selbstgeschriebene und aus szenischer Improvisation entstandene Persiflage auf Mafia-Filme. Das Theater an der Weinstraße aus Bad Dürkheim präsentierte „Faust Approx“, seine schon etwas ältere Bearbeitung des Goetheschen Klassikers. Und das Theater Mobile aus Zwingenberg schließlich war mit „Picknick im Felde“ vertreten, einem absurd-poetischen Einakter über die Sinnlosigkeit des Kriegs.

Aus zwölf Bewerbungen waren die drei Gruppen im Mai von einer Fachjury als „Schappo“-Preisträger ausgewählt worden. Das Publikum bestimmte mit einer Abstimmung bei den drei Aufführungen im Carl-Bosch-Haus, wer zusätzlich zu den 2000 Euro Preisgeld weitere 1000 Euro mitnehmen durfte: Es entschied sich für das Theater an der Weinstraße aus Bad Dürkheim, eine seit 1974 existierende Gruppe, die jedes Jahr im Sommer die Freilichtbühne der Klosterruine Limburg bespielt. „Es ist Arbeit, auch wenn es Amateurarbeit ist“, sagte Emanuel Leonhardt, Vorsitzender des Vereins Theater an der Weinstraße und Regisseur von „Faust Approx“. „Und wir versuchen, die Arbeit ernstzunehmen.“

Den großen Leistungen, die im Amateurtheater ehrenamtlich erbracht werden, zollte auch Thorsten Feldmann vom Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg als Vertreter der Jury Respekt. „Vor der Förderung des kulturellen Ehrenamts muss man den Hut ziehen.“ Die Inszenierung der Theatergruppe Dauerstrom, deren Mitglied Jakob Fecht den Preis entgegennahm, habe durch „herrliche Übertriebenheit und schwarzen Humor“ überzeugt. Dem Theater Mobile, auf der Bühne vertreten durch Regisseurin Maja Borko, bescheinigte er, für einen „sehr bewegenden Abend“ gesorgt zu haben. Und das Theater an der Weinstraße habe mit „unglaublicher Szenendichte“ und Abwechslungsreichtum geglänzt.

Eröffnet hatte den Abend die Mannheimer Sängerin Anna Krämer mit Auszügen aus ihrem Soloprogramm „Crème de la Krämer“, das sie nicht nur um lokale Bezüge angereichert hatte („Supertoll, wie die Zwiebeln riechen in der Pfalz“). Ganz witzig war auch das Auslesen mutmaßlicher Gedanken des Publikums: „Das Kleid geht gar nicht, das ist doch aus Polyacryl …“ Aus Buchen im Odenwald waren Jan Pascal und Alexander Kilian nach Maxdorf gekommen, um in zwei kurzen Sequenzen zu zeigen, warum sie als Café del Mundo in ganz Europa gefeiert werden: Sie machen tolle Flamenco-Gitarrenmusik.

Paul Platz, der den Abend geplant hatte und moderierte, hatte selbst einen, allerdings unfreiwilligen kabarettistischen Auftritt: Der Berliner Schriftstellerin Ines Geipel, die als Professorin an der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst tätig ist, bescheinigte er, mit „Tochter des Diktators“ einen tollen Roman über die Tochter Erich Honeckers geschrieben zu haben, er habe schon angefangen, ihn zu lesen. „Walter Ulbricht“, konterte sie trocken. Das Thema, mit dem Geipel zurzeit sehr präsent ist, nämlich ihre Rolle als Doping-Opfer im Spitzensport der DDR, kam nicht zur Sprache.

Dafür dürften sich Jakob Fecht und zwei seiner Kollegen aus der Theatergruppe Dauerstrom hinterher noch mit Ines Geipel unterhalten haben: darüber, wie hart der Weg von der Amateur- auf die professionelle Schauspielbühne ist. Die drei wollen sich nämlich bald an Schauspielschulen bewerben. Viel Hoffnung konnte Geipel ihnen nicht machen: Von 2000 Bewerbern nimmt die Ernst-Busch-Schauspielschule gerade mal 20.

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