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Donnerstag, 06. September 2018 Drucken

Ludwigshafen

Filmfestival: Fahrer wegen AfD-Nähe gekündigt?

(Foto: Kunz)

Die Filmfestivalleitung hat sich am Montag von einem Mitarbeiter getrennt, der im Fahrdienst beschäftigt gewesen ist. Laut Festivalchef Michael Kötz haben sich drei Fahrgäste über den 36-jährigen Daniel B. beschwert. Der Mannheimer indes fühlt sich „ungerecht behandelt“ und führt seine Kündigung auf seine politische Gesinnung zurück. B. ist „AfD-Sympathisant“.

Was war passiert? Am Montagmorgen hatte B. nach eigener Darstellung einen Drehbuchautor, dessen Frau und einen Schauspieler mit einem Kleinbus vom Europa-Hotel abgeholt, um das Trio zum Frankfurter Flughafen zu fahren. Während der Fahrt entwickelte sich demnach ein lockeres Gespräch mit dem Autor. Dann ging es auch um politische Themen. Von dem Autor darauf angesprochen, habe er erklärt, er sei der Meinung, die Bundesregierung verstoße mit ihrer Flüchtlingspolitik gegen das Grundgesetz, und habe sich als „AfD-Sympathisant“ zu erkennen gegeben, berichtet B., der schon länger als Festivalfahrer eingesetzt wird und dieses Jahr erneut angeschrieben wurde. Der Drehbuchautor sei anderer politischer Ansicht gewesen und habe ihn, als die Debatte emotionaler wurde, aufgefordert, zu schweigen und sich aufs Fahren zu konzentrieren. Zudem habe der Autor angekündigt, sich über ihn zu beschweren. Abends habe ihn das Führungsteam des Festivals dann per WhatsApp-Nachricht auf die Parkinsel einbestellt, ihn angehört und das Arbeitsverhältnis – ein Mini-Job, der mit zehn Euro pro Stunde vergütet wird – beendet. B. erwägt rechtliche Schritte dagegen.

"Entspricht nicht der Aufgabe als Fahrer"

 

Sein Grundrecht der politischen Meinungsfreiheit sei mit dem Rauswurf verletzt worden, sagt er. Er habe sich nichts vorzuwerfen, was eine Kündigung rechtfertige, kritisiert der Politikwissenschaftler. In den Vorjahren habe es keinerlei Beschwerden über ihn gegeben. Er habe aus Überzeugung für die AfD gearbeitet, betont er. B. ist zwar kein Parteimitglied, war aber bis Juli 2017 ein Jahr lang als Parlamentarischer Berater für die AfD im baden-württembergischen Landtag beschäftigt und legte danach eine Auszeit ein, um zu reisen. B. fühlt sich „ungerecht behandelt“. In der von ihm unterschriebenen Einverständniserklärung, die diverse Fahreraufgaben definiert, wird etwa „angemessene Kleidung“ und „zuvorkommendes Auftreten“ verlangt.

 

Für Festivalchef Kötz geht es im Fall Daniel B. nicht um dessen politische Einstellung, sondern um dessen Haltung als Fahrer. „Ich habe ihm gesagt, es sei ganz und gar seine Sache, für welche politische Strömung er sich einsetze. Darum ginge es nicht. Es sei ihm klar gesagt worden, dass er als Fahrer nur kurze höfliche Antworten auf Sachfragen zum Festival geben soll, aber keinesfalls in intensive Gespräche, worüber auch immer, übergehen darf. Denn das entspricht nicht seiner zurückhaltenden Aufgabe als Fahrer, weshalb es auch nirgendwo bei anderen vergleichbaren Veranstaltungen geduldet wird“, so Kötz.

|ier

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