Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 29. April 2019 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Etwas bewegen

Vor der Wahl: Vier Kandidaten wählen je drei Orte – einen Platz fürs Herz, einen zum Vorzeigen und einen zum Ändern. Danach haben wir für Schifferstadt gefragt. Die Entscheidung fällt Jürgen Obermann nicht so leicht. Er tritt für die SPD zur Bürgermeisterwahl am 26. Mai an. Der Ort fürs Herz? Sein Zuhause, sagt der „überzeugte Familienmensch“.

Von Ulrike Minor

Jürgen Obermann im Gebiet am Riedgraben. Hier könnte benötigtes Baugelände entstehen, sagt er.

Jürgen Obermann im Gebiet am Riedgraben. Hier könnte benötigtes Baugelände entstehen, sagt er. ( Foto: Lenz)

«Schifferstadt». Es sind viele Plätze in der Stadt, die Obermann nennen könnte, sagt er. Solche, an denen was getan werden müsste, solche, die gut gelungen sind, erst recht welche, mit denen der 59-Jährige einiges verbindet – als „alter Schifferstadter“. Der Ochse ist so ein Ort, „da habe ich mein Tanzkränzel gemacht“. Für das ehemalige Gasthaus und den Saal hat er eine Vorstellung – das Gasthaus abreißen, den Saal erhalten – und eine „Vision“. Bei Veranstaltungen im „schönen Ambiente“ in der Ortsmitte – Hochzeiten im Alten Rathaus oder in der Kirche etwa – könnte nebenan im Ochsen-Foyer der Sektempfang und im Saal die Feier sein. Und die Vereine könnten den Ochsen nutzen, als Ersatz fürs Haus der Vereine, das nun Schulgebäude ist. Auf jeden Fall müsse es hier endlich vorangehen, meint Obermann. Dazu müsse man auch mal „ab und zu geben, Kompromisse schließen. Das bin ich als Betriebsrat von der täglichen Arbeit in der BASF gewohnt“. Und nicht immer nur dagegen sein, schiebt er nach.

Gewohnt sei er auch, Verantwortung zu übernehmen, sagt Obermann. Das hat ihn bewogen, nach einiger Überlegung dem Ansinnen des Parteiausschusses nachzukommen und für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. „Ich war überrascht“, sagt Obermann. Aber „die Möglichkeit, etwas zu bewegen“, habe dann bei ihm den Ausschlag gegeben, anzutreten. Erst seit einigen Jahren ist Obermann Mitglied der SPD, „Frank Walter Steinmeier hat mich geworben“, sagt er und erzählt mit einem Lachen, dass der heutige Bundespräsident bei einem Besuch in der BASF Obermanns Aufnahmeantrag persönlich unterschrieben hat. Der Partei stand er jedoch immer nah, war doch sein Vater Kurt bereits Stadtratsmitglied für die Sozialdemokraten. „Im damals sehr konservativen Schifferstadt als Sohn eines ,Sozzen’ groß zu werden – das prägt“, sagt der gelernte Industriemeister.

Zurück zu den Orten: Das neue, im Bau befindliche Caritas-Quartier ist für den Sozialdemokraten ein Ort zum Vorzeigen. Warum? „Weil es ein generationenübergreifendes Projekt ist“, mit Seniorenwohnungen, Pflegeheim, verschiedenen Wohnformen, Kita. Es passe zur demografischen Entwicklung und zu etwas, das Obermann sehr am Herzen liegt: Angebote für Pflegebedürftige und Demenzkranke und deren Angehörige. „Die werden immer wichtiger werden.“ Die Großfamilie, in der die alten Menschen aufgehoben sind, gebe es eben kaum noch. Er selbst ist froh, dass von seinen vier erwachsenen Kindern drei am Ort geblieben sind.

Ein weiteres Vorzeigeprojekt, wenn auch kein Ort, sondern ein bewegliches: der Bürgerbus. „Das ist ein Erfolgsmodell“, sagt Obermann mit viel Lob für die Ehrenamtlichen. Er verkneift sich nicht die Bemerkung, dass die Anregung vor Jahren von der SPD gekommen sei, „aber wenn eine gute Idee umgesetzt ist, ist egal, wer sie ursprünglich hatte“.

Überhaupt: Das Thema Mobilität, Verkehrswege und -beziehungen in der Stadt beschäftigt Obermann. Die Verkehrssituation an den Schulen etwa, mit Elterntaxis und den daraus folgenden Problemen. Warum nicht die hauptsächlich betroffenen Straßen zu bestimmten Zeiten als „Schulwegstraßen“ ausweisen, bei denen Radfahrer Vorrang haben, überlegt er. Und zugeparkte Gehwege etwa seien mehr als ein Ärgernis, für Eltern mit Kinderwagen etwa, und für Gehbehinderte. Positiv: Dass am Schillerplatz und in der Kirchenstraße an der Grundschule endlich ein Fußgängerüberweg eingerichtet worden sei.

Woran hapert es in Schifferstadt, an welchem Ort müsste dringend was passieren? Allgemein an der Parkplatzsituation, findet Obermann. Dass der Rettichfestplatz jetzt unterm Jahr ganz offiziell als Parkfläche hergerichtet und ausgewiesen wird, für Dauerparker etwa, findet er gut – das stehe auch in seinem Wahlprogramm und das habe er auch bei einer Podiumsdiskussion gefordert. „Das kann zur Entlastung der Innenstadt beitragen“, betont Obermann. Und zur Belebung – wenn Einkäufe nicht nur außerhalb erledigt werden würden, weil dort geparkt werden kann.

Auch bei der Bereitstellung von Baugelände müsse sich was tun, sagt der Schifferstadter, der Bedarf sei da, „wir sind ein Zuwanderungsort“. Junge Familien aus der Stadt sollten hier bleiben können, wenn sie ein neues Zuhause bauen wollen. Flächen sind knapp, aber am Riedgraben könnte Baugelände entwickelt werden, meint Obermann.

Apropos Zuhause: Das Familien-Zuhause mit großem Garten, den zwei Aquarien im Wohnzimmer und der Hütte zum Begegnen und Feiern ist Rückzugs-, Kraft- und Lieblingsort. Nach den geliebten Campingurlauben mit dem Wohnmobil oder den Tauchurlauben, vorzugsweise am Roten Meer, kommt Obermann immer gerne wieder an. „Es hat mich aus Schifferstadt nie rausgezogen“, erklärt der 59-Jährige. Hier ist und war er in vielen Vereinen tätig, hat beispielsweise die Fußballjugend bei Phönix trainiert – „ich weiß, wie wichtig das Ehrenamt in der Jugendarbeit ist“ –, ist bei der DLRG, und hat auch einen „sehr bittereren Moment“ erlebt – als er als letzter verbliebener Vorstand den Konkurs des VfK erleben musste.

Für die SPD sitzt Obermann in drei Ausschüssen. Seinen Einsatz für die Stadt will er nun auf eine ganz andere Ebene heben: als Bürgermeister.

Ludwigshafen-Ticker