Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Erdöl-Probebohrung bei Schwegenheim: Die Suche nach dem goldgelben Schimmer

Die Anlage für die Erkundungsbohrung ist von Weitem sichtbar – vor allem der 33 Meter hohe Bohrturm.
Die Anlage für die Erkundungsbohrung ist von Weitem sichtbar – vor allem der 33 Meter hohe Bohrturm.

Wer die B 9 aus Speyer nach Süden fährt, sieht vor Schwegenheim auf der rechten Seite die Bohranlage des Erdöl-Konsortiums. Auf dem rund 5400 Quadratmeter großen Platz wird derzeit die Bohrung abgeteuft. Geht es nach dem Konsortium, soll das auch in Otterstadt passieren. Doch wie läuft die Suche nach dem Rohstoff?

Das Konsortium aus den Firmen Neptune Energy und Palatina Geocon bohrt seit etwa zwei Wochen und ist nun in einer Tiefe von rund 1600 Metern angelangt. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt Marcel Preißler, der Chef des Bohrplatzes. Ziel ist der Buntsandstein in etwa 2600 Metern Tiefe unter der Waldfläche zwischen Schwegenheim und Harthausen. Dort wird Erdöl vermutet. Die etwa drei Monate dauernde Erkundungsbohrung, die erst senkrecht in die Tiefe verläuft und dann um mehrere Hundert Meter in nordwestliche Richtung abgelenkt wird, soll Aufschluss über die Lagerstätte geben. Auch an der Landesstraße 534 zwischen Waldsee und Otterstadt plant das Konsortium eine solche Erdöl-Erkundungsbohrung in etwa 2800 Metern Tiefe. Als Zeitpunkt für den Bohrbeginn ist derzeit von der zweiten Hälfte des kommenden Jahres die Rede. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Rheinauen muss bis 20. Oktober eine Stellungnahme bei der Zulassungsbehörde, dem Landesamt für Geologie und und Bergbau, abgeben.

Rohre dichten Bohrkanal ab

Zurück zur Erkundungs-Bohrung bei Schwegenheim: Mittelpunkt des Platzes ist der 33 Meter hohe Bohrturm. Daran ist der Meißel befestigt. Auf den ersten 55 Metern wurden laut Sandra Arndt, Pressesprecherin von Neptune Energy, Rohre in den Boden gerammt, um das Grundwasser zu schonen. Das Loch sei in diesem Bereich mit Zement zum Erdreich abgedichtet worden. Für die weiteren etwa 2,5 Kilometer bis zur Erdöl-Lagerstätte kommt der Meißel zum Einsatz. Auf dieser Strecke wird der Bohrkanal mit Stahlrohren zur Umgebung abgedichtet. In das Loch wird laut Arndt eine Spülung aus Wasser, Salzen und Kreide gepumpt, damit der Meißel besser vorankommt. Das durch die Bohrung zertrümmerte Gestein – das Bohrklein – wird mit der Spülung an die Erdoberfläche gebracht. Beides wird dort getrennt, und die Spülung wird wieder zum Bohren verwendet. „So entsteht ein Kreislauf“, sagt Bohrplatz-Chef Preißler.

Dass die laut Arndt teure Spülung oder das später bei einer Förderung anfallende Lagerstättenwasser aus dem Bohrkanal austritt, ist nach ihren Angaben unwahrscheinlich. Bei Fällen anderer Firmen in Deutschland, bei denen das Lagerstättenwasser ausgetreten ist, vermutet sie veraltete, undichte Rohre, die den Bohrkanal nicht von den Erd- und Gesteinsschichten abgrenzen konnten. Das Grundwasser wird rund um den Bohrplatz in Schwegenheim mithilfe von drei Messstellen überwacht.

Bohrklein wird analysiert

Mit dem heraufgeförderten Bohrklein beschäftigen sich Rudi Meier und Liliana Prass in einem Container auf dem Bohrplatz. Sie sind Mitarbeiter des Unternehmens Geo-data, das seinen Sitz in Garbsen bei Hannover hat. Auf dem Bohrplatz arbeiten nach Angaben von Preißler 25 bis 30 Personen pro Tag in zwei Zwölf-Stunden-Schichten. Die Geologen Meier und Prass untersuchen und analysieren das Bohrklein. „Wenn es unter UV-Licht goldgelb schimmert, ist es Erdöl“, sagt Meier. Im Bohrklein lasse sich auch eine natürliche Radioaktivität feststellen. Laut Bohrplatz-Chef Preißler gibt es regelmäßige Messungen. „Asphalt strahlt mehr“, sagt er.

Das Bohrklein wird nach seinen Angaben mit Lastwagen nach Staßfurt in Sachsen-Anhalt gebracht und dort in einer Salzkaverne entsorgt. Auch das Regenwasser, das auf dem Bohrplatz mit heraufgefördertem Salz in Verbindung kommen könnte, werde in eine Kläranlage nach Mannheim gebracht.

Versuch, Ängste auszuräumen

Generell versuchen der Bohrplatz-Chef und Firmensprecherin Arndt auf Nachfrage, einige Ängste, die zum Beispiel die Gegner des geplanten Projekts in Otterstadt haben, auszuräumen. Die für manche „massiv wirkende“ Bohranlage in Schwegenheim wird nach ihren Angaben nach der Erkundungsbohrung in etwa zweieinhalb Monaten wieder abgebaut sein. Wurde Erdöl gefunden, schließen sich ein Testbetrieb und später je nach Wirtschaftlichkeit eine Gewinnung an. Beides müsse das Landesamt für Geologie und Bergbau genehmigen. Die Erlaubnis für den Testbetrieb liegt laut Arndt bereits vor.

Für den Testbetrieb und eine Förderung sei dann kein Bohrturm mehr notwendig, sondern es reichen eine Anlage mit Eruptionskreuz, Leitungen sowie liegenden Tanks aus. Hinzu komme ein etwa fünf Meter hoher stehender Tank, sagt Arndt. Das Erdöl lagere in mikroskopisch kleinen Poren im Buntsandstein, sodass bei einer Förderung nach ihren Angaben nichts einstürzen kann. Zumal das dort unten vorhandene Wasser in die Poren nachströme, sagt Arndt.

Preißler und die Pressesprecherin relativieren auch die Befürchtungen zur Anzahl der Lastwagen, die das Erdöl bei einer Förderung vom Bohrplatz abtransportieren würden. In Speyer seien es pro Tag zehn bis maximal 20 Lkw, die von dort zur Mineralölraffinerie Miro nach Karlsruhe fahren. Und in Speyer gebe es acht Bohrungen, bei denen zurzeit maximal 500 Tonnen des Rohstoffs pro Tag gefördert werden dürfen. Zur Beleuchtung des Bohrplatzes merkt Preißler an, dass die Lampen sogar insektenfreundlich sein müssten. Pressesprecherin Arndt fügt hinzu, dass das Konsortium extreme Auflagen von den Behörden erhalte. Auch für die Fackel, über die beim Testbetrieb und bei einer später möglichen Förderung aus dem Boden mit hervorgebrachtes Gas abgebrannt wird, versichert Arndt, dass dort alle Schadstoffe von einem Aktivkohlefilter aufgefangen werden würden.

Ein Teil der Anlage von oben: Zu ihr gehören unter anderem Pumpen, die mit Strom von der naheliegenden Hochspannungsleitung betr
Ein Teil der Anlage von oben: Zu ihr gehören unter anderem Pumpen, die mit Strom von der naheliegenden Hochspannungsleitung betrieben werden sowie Becken mit dem Bohrklein und der Bohrspülung. Fotos: Lenz
Mit dem sogenannten Bohrklein – das Gestein, das bei der Bohrung zutage gefördert wird: Liliana Prass und Rudi Meier, Mitarbeite
Mit dem sogenannten Bohrklein – das Gestein, das bei der Bohrung zutage gefördert wird: Liliana Prass und Rudi Meier, Mitarbeiter einer der sechs externen Firmen auf dem Bohrplatz.
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