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Samstag, 12. Januar 2019 Drucken

Mannheim und Region

Einigeln bis zum Frühjahr

Tierschutzverein Haßloch und Umgebung macht Igel fit für den Winter

Von Stephanie Becker

Wenigstens ein halbes Kilogramm sollten Igel wiegen, wenn sie sich draußen zum Winterschlaf zusammenrollen.

Wenigstens ein halbes Kilogramm sollten Igel wiegen, wenn sie sich draußen zum Winterschlaf zusammenrollen. ( Foto: DPA)

«Hassloch.» Die Igelstation des Tierschutzvereins Haßloch ist einzigartig in der Region. In einem warmen Raum versorgen Helfer verletzte, untergewichtige und kranke Tiere. Bis zur Auswilderung halten „aufgepäppelte“ Igel Winterschlaf im geschützten Außenbereich.

Ein leichtgewichtiger Patient bewohnt derzeit die Igelstation des Haßlocher Tierheims. Vier weitere stachelige Gesellen haben rechtzeitig das Gewicht von mindestens einem Pfund erlangt, ab dem sie draußen Winterschlaf halten können. Dabei bleiben sie aber im rundum geschützten Außenbereich des Tierheims. Um die 40 Igel haben die Haßlocher Tierschützer vergangenes Jahr versorgt, erzählt Klaus Hoffmann. Der Vorsitzende und Initiator des 1991 gegründeten „1. Tierschutzvereins Haßloch und Umgebung“ und sein Team können auf viele Jahre Erfahrung in der Igelhilfe zurückblicken.

Um den Schutz der Igel zu gewährleisten, haben Besucher keinen Zutritt zu dem 40 Quadratmeter großen Raum im Tierheim. „Der Igel ist ein echtes Wildtier, aber viele Leute sehen das nicht ein, weil er für sie eben niedlich aussieht“, erklärt Hoffmann. Wenn ein Igel ins Tierheim gebracht wird, überprüfen die Helfer zunächst seinen Gesundheitszustand. Danach wird das Tier auf die Station gebracht und zwischen saubere, frische Papierschnipsel in eine Box gesetzt. Außerdem gibt es fleischhaltiges Katzenfutter aus einem Napf. Ab und zu wird ein gekochtes Ei serviert.

Der derzeitige Patient habe nur 258 Gramm gewogen, als er gefunden wurde, erzählt Hoffmann. „Das ist natürlich noch viel zu leicht für den Winterschlaf, und in so kurzer Zeit schafft er es auch nicht auf das notwendige Gewicht“, meint der Vorsitzende. Immerhin habe das Tier jetzt die 300-Gramm-Marke erreicht. Vier Artgenossen mit jeweils einem halben Kilogramm Körpergewicht haben sich im Außenbereich in kleinen Nestern zum Winterschlaf eingerollt. Hier müssen die Helfer – ein hauptamtlicher Mitarbeiter, zwei auf 450-Euro-Basis und viele Ehrenamtliche – gelegentlich prüfen, ob kein Igel ungeschützt zu ist, weil er es nach einem Spaziergang nicht zurück ins Nest geschafft hat.

Der Klimawandel sei dafür verantwortlich, dass Igel immer öfter ein zweites Mal im Jahr spät im Sommer Junge bekämen, sagt Hoffmann: „Wie sollen die es dann bis zum Winterschlaf auf ein gutes Gewicht schaffen?“ In freier Wildbahn begännen Igel ihren Winterschlaf erst mit einem Gewicht von mindestens 500 Gramm. Ihre Körpertemperatur sinke dann von 36 Grad auf vier bis sechs Grad ab. Ist der Igel zu leicht, überlebe er das nicht. In der Igelstation verhindert eine konstante Raumtemperatur von 20 Grad Celsius den natürlichen Vorgang, damit die Tiere weiter fressen können. Etwa 50 zusätzliche Gramm Winterspeck können sie sich pro Woche anfressen.

Hoffmann betont: „Ein putzmunterer Igel von 600 Gramm oder mehr darf als Wildtier gar nicht mitgenommen werden, aber wenn wir das den Leuten sagen, sind sie oft noch sauer.“ Milch könne tödlich für die Tiere sein und auch Grünzeug fressen Igel nicht, „weil sie keine Vegetarier sind“.

Das Veterinäramt kontrolliere die Station regelmäßig. Einnahmen für das Tierheim bringe die Arbeit nicht, nur zusätzliche Kosten. Doch im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern ist die Haßlocher Igelstation laut Hoffmann einzigartig: „Wir werden inzwischen von noch viel weiter weg angerufen und müssen dann erklären, dass das hier nur ein freiwilliges, zusätzliches Angebot unseres Vereins ist.“

Kontakt

—1. Tierschutzverein Haßloch und Umgebung; Telefon 06324/4944, E-Mail: tierschutzverein.hassloch@t-online.de.

—Spendenkonto: Sparkasse Rhein-Haardt, IBAN: DE25 5465 1240 0001 0108 00.

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