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Dienstag, 16. April 2019 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Dramatisch bis ins letzte Detail

Der Chor für Geistliche Musik bringt Bachs „Matthäuspassion“ auf die Bühne der Ludwigshafener Friedenskirche

Von Patrick Mertens

Mit Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“ hat der Chor für Geistliche Musik Ludwigshafen ein äußerst anspruchsvolles Werk für sein neues Konzert ausgewählt. Zusammen mit der Kammerphilharmonie Mannheim, dem Knabenchor Mannheim und fünf professionellen Solisten wurde Bachs Opus Magnum in der Friedenskirche Ludwigshafen präsentiert.

In dem am Karfreitag 1727 erstmals aufgeführten Werk vertont Bach den Passionstext des Matthäus-Evangeliums mit eingeschobenen freien Texten in dramatischer Weise. Die theatralen Qualitäten der Komposition offenbaren sich dabei bereits im Eröffnungschoral. Dirigentin Christiane Michel-Ostertun, die auch die Gesamtleitung des Projekts innehatte, wusste diese mit größter Präzision umzusetzen. Die Stereophonie der Vorlage kam hier durch den geteilten und wechselseitig singenden Chor bestens zum Ausdruck.

Durch Platzierung des Knabenchors hinter dem Publikum auf den Stufen zur Empore konnte zudem ein ausgeklügelter Raumklang erzielt werden. Der Knabenchor Mannheim übernahm, modernen Aufführungstraditionen entsprechend, die zusätzliche Sopranstimme der Rahmenteile des ersten Abschnitts. Die 40 Jungen trugen sie ausgezeichnet vor.

Die historisch informierte Aufführung überzeugte durch ihre Liebe zum Detail und die wohlüberlegte Umsetzung des Werkes. Insbesondere die Solisten waren exzellent besetzt. Neben den in den Evangeliumstext interpolierten Arien des Barockdichters Christian Friedrich Henrici, genannt Picander, übernahmen die fünf als Soliloquenten den Vortrag der wörtlichen Rede innerhalb des Evangeliums.

Der Bass Markus Lemke sang mit Judas, Pilatus, Petrus und dem jüdischen Hohepriester gleich mehrere Partien. Versiert verlieht er jeder der Figuren einen ganz eigenen Charakter, der es dem Publikum ermöglichte, dem dramatischen Geschehen mühelos zu folgen. In der Arie „Komm, süßes Kreuz“ kam zudem die durchdringende Expressivität seiner sonoren Stimme bestens zum Ausdruck. Sabine Götz als Sopransolistin beeindruckte hingegen durch ihre lyrische Klarheit, die ihren Arien eine geradezu entrückte Qualität verlieh. Die Soli von Altus Thomas Nauwartat-Schultze zeichneten sich ebenfalls durch seine eindrückliche Darbietung aus, die in seiner Arie „Erbarme dich mein Gott“ einen außerordentlichen Höhepunkt fand. Die Partie des Jesus wurde vom Bass Matthias Weichert übernommen, der die Worte Christi bedächtig und ausdrucksvoll zu intonieren wusste. Herausragend war Tenor Fabian Kelly, der als Evangelist die Prosa des Evangeliums vorzutragen hatte. Kellys klare und durchdringende Stimme sorgte hier für optimales Verständnis. In den Tenorarien zeigte er zudem sein facettenreiches Timbre.

Auch der 90 Stimmen starke Chor für Geistliche Musik übernahm in der Passion sowohl dramatische als auch kommentierende Abschnitte. Während er als Turba-Chor die Menschenmenge mit dramatischer Intensität verkörperte, zeichneten sich die reflektierenden Choräle durch ihre differenzierte Gestaltung aus. Das perfekt harmonierende Ensemble überzeugte mit seinem runden und ausdrucksstarken Klang. Egal ob im wechselseitigen Ineinandergreifen oder dem kraftvollen gemeinsamen Vortrag – der Chor unter Leitung von Christiane Michel-Ostertun wusste stets den richtigen Ton zu finden. Einige der Chormitglieder übernahmen zudem auch kleinere Solistenpartien in dem Konzert.

Den Klanggrund lieferte die Kammerphilharmonie Mannheim, die Bachs Werk äußerst prononciert darbot und die instrumentalen Ritornelle exzellent herausarbeitete. Gregor Herrmann am Violoncello und Dagmar Wolf-Hauß an der Orgel sorgten in der Continuo-Gruppe darüber hinaus für eine optimale Begleitung der Rezitative.

Die am Ende der Aufführung erklungenen Glocken der Friedenskirche waren ein würdiger Abschluss dieses stimmungsvollen Konzertes, das vom berauschten Publikum mit langanhaltendem Beifall gewürdigt wurde.

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