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Mittwoch, 12. Juli 2017 Drucken

Ludwigshafen

„Die Situation ist bereinigt“

Von Michael Schmid

Reifenberg: „Wir haben sofort reagiert.“

Reifenberg: „Wir haben sofort reagiert.“ ( Archivfoto: KUNZ)

May: „Der Heimträger ist fürs Personal zuständig.“

May: „Der Heimträger ist fürs Personal zuständig.“ ( Archivfoto:Kunz)

Fragen & Antworten: Bei der Betreuung des unter Terrorverdacht stehenden 13-Jährigen ist es zu einer Panne gekommen. Das Ludwigshafener Jugendamt hat den Jungen in einer Einrichtung untergebracht, wo er Kontakt zu einem Psychologen hatte, der ein mutmaßlicher Salafist sein soll. Jugenddezernentin Reifenberg und Jugendamtsleiter May beziehen Stellung.

Wie konnte es zu so einer Panne kommen?

Der 13-Jährige ist in einem Heim außerhalb von Ludwigshafen untergebracht. Diese Einrichtung wird von einem freien Träger der Jugendhilfe betrieben, der auch für die Personalauswahl bei der Betreuung zuständig ist. Das Kind wird rund um die Uhr von zwei Psychologen und fünf Pädagogen betreut. Für dieses Personal ist gesetzlich keine Sicherheitsüberprüfung vorgesehen, nur berufliche Qualifikationen und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis müssen vorgelegt werden, um zu verhindern, dass Straftäter Zugang haben. Dies hat der 30-jährige Diplom-Psychologe getan. Seine mutmaßlichen Kontakte zur islamistischen Salafistenszene blieben zunächst unbemerkt.

 

Was ist über den Mann bekannt?

Er ist 30 Jahre alt, hat Psychologie in Mannheim studiert und ist wohl Deutscher. Er soll Moslem sein, eine Moschee in Mannheim besucht haben, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, und an einem Straßenstand von Salafisten den Koran verteilt haben.

 

Wie geriet der Psychologe unter Verdacht?

Das Landeskriminalamt hält den Jungen für gefährlich und hat in Abstimmung mit dem Jugendamt eine zusätzliche Sicherheitsprüfung des Betreuungspersonals vorgenommen. Dabei ergaben sich Hinweise, dass sich einer der Psychologen in der Salafistenszene bewegt.

 

Welcher Schaden ist entstanden?

Laut Jugenddezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) und Jugendamtsleiter Jürgen May hatte der Psychologe zwischen April und Mai stundenweise Zugang zu dem Jungen. Der habe ihn nicht ernstgenommen und als „Weichei“ bezeichnet. Der Mann sei nicht die Hauptbezugsperson gewesen. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Junge weiter radikalisiert worden sei. Der 13-Jährige mache Fortschritte. Reifenberg sagt: „Wir haben sofort reagiert. Die Situation ist bereinigt.“

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten für den Jungen?

Das Kind ist in einem gesonderten geschlossenen Trakt untergebracht, der von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht wird. Dessen Personal wurde ebenfalls sicherheitsüberprüft. Er hat keinen Kontakt zu anderen Kindern in dem Heim.

 

Wird die Stadt weiter mit dem Träger zusammenarbeiten?

Ja. Die Zusammenarbeit lief seit 2012 problemlos. Dem Psychologen kündigte der Träger sofort. Außerdem gibt es keine andere Einrichtung, die sich um ein unter Terrorismusverdacht stehendes Kind kümmern wolle, so Jürgen May.

 

Welche Verantwortung trägt das Ludwigshafener Jugendamt?

Die Verantwortlichen der Stadt weisen jede Verantwortung für die Panne zurück. Der freie Träger sei für sein Personal verantwortlich.

 

Wie sieht die Zukunft des Deutsch-Irakers und seiner Familie aus?

Die Eltern und ihr Sohn wollen künftig nicht mehr in Ludwigshafen leben. Die Eltern sind laut Jugendamt keine strenggläubigen Muslime. Mittelfristig soll versucht werden, dass der Junge an einer Heimschule unterrichtet wird – wenn die Polizei zustimmt. Die Deradikalisierung des 13-Jährigen werde noch Jahre dauern. Wenn er 14 Jahre alt ist, kann er auch in anderen Einrichtungen als einem Kinderheim untergebracht werden. 

 

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