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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Mannheim und Region

„Die Schneemassen sind unfassbar“

Unter den vielen Helfern im bayerischen Schneechaos sind zwei Kräfte vom Technischen Hilfswerk Frankenthal

Von Anne Lenhardt

Mit vereinten Kräften schippen die THW-Helfer die Schneemassen von den Dächern der Häuser in Oberbayern.

Mit vereinten Kräften schippen die THW-Helfer die Schneemassen von den Dächern der Häuser in Oberbayern. ( Fotos: Pietzonka/frei)

«Frankenthal.» Der heftige Schneefall in Bayern und Österreich sorgt vielerorts noch immer für Chaos. Tausende Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundeswehr kümmern sich um die Räumungsarbeiten. Auch zwei Frankenthaler sind dort seit Sonntag im Einsatz – im oberbayerischen Landkreis Miesbach, der zwischenzeitlich den Katastrophenfall ausgerufen hatte.

„Innerhalb einer Woche ist hier so viel Schnee gefallen wie sonst in drei Monaten“, sagt Christian Pietzonka vom Frankenthaler THW beim Telefonat mit der RHEINPFALZ. Seit Sonntag sind der 34-jährige Gruppenführer und sein Kollege und Statiker Bernhard Matthies im oberbayerischen Miesbach im Einsatz. Im gesamten Landkreis nahe Rosenheim und Tegernsee prüfen die beiden Frankenthaler aktuell, ob die Dachstühle der Häuser den Schneemassen noch gewachsen sind – und lassen im Notfall auch die Gebäude evakuieren.

Rund 40 Objekte haben Pietzonka und Matthies schon begutachtet. Mit einem Rohr, das etwa einen Durchmesser von zehn Zentimetern hat, nehmen sie eine Schneeprobe vom Dach. „Dann rechnen wir das Gewicht auf den Quadratmeter hoch“, erklärt Pietzonka. „Eigentlich ist das ganz einfach.“ Mit dem dafür nötigen Schneelastmesssystem seien aber nicht alle THW-Gruppen ausgestattet. „Von 668 Ortsverbänden deutschlandweit haben das nur 60“ – Frankenthal sei einer davon.

Zwei der kontrollierten hauptsächlich öffentlichen Gebäude waren laut Pietzonka dabei besonders kritisch: „Ein Wohnhaus war akut gefährdet, das mussten wir sofort evakuieren. Bei einem anderen Firmengebäude mussten wir wegen der hohen Schneelast auf dem Dach die Produktionshalle vorübergehend schließen.“ Zehn weitere Gebäude, darunter auch ein Altenheim mit über 600 Quadratmeter Dachfläche, seien zwar nicht akut gefährdet gewesen. Als „vorbeugende Maßnahme“ hätte man diese aber ebenfalls evakuiert. „Ab 250 Kilo pro Quadratmeter wird es bei alten Häusern kritisch“, so Pietzonka.

Gemeldet wird eine Evakuierung zunächst an die Einsatzleitung. „Wir geben die Dachlastwerte durch und fordern Räumungskräfte an“, sagt Pietzonka. Das passiere dabei noch von Hand: Mit Schneeschippen ausgestattet und über Drehleitern und Kräne gesichert, beseitigen die Helfer anschließend den teilweise meterhohen Schnee. „Es ist unfassbar, wenn man die Schneemassen sieht“, so Pietzonka. Für die Frankenthaler ist es der erste Schnee-Einsatz mit dem THW. „Eine vergleichbare Situation hat es hier zuletzt 2005 gegeben“, so Pietzonka.

Als positiv beschreibt Pietzonka die Zusammenarbeit mit den anderen Einsatzkräften und Bewohnern vor Ort: „Alle sind dankbar und bleiben auch bei einer Evakuierung positiv. Die Menschen hier kennen den vielen Schnee. Doch dass das jetzt so schnell passiert und so früh im Jahr, ist außergewöhnlich.“ Noch am Dienstag ging es für die beiden Frankenthaler weiter zum nächsten Einsatzort: nach Berchtesgaden. „Dort benötigt man auch unsere Hilfe“, sagt Pietzonka.

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