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Samstag, 16. Juli 2016 Drucken

Mannheim und Region

Die Freude ist der Trauer gewichen

Es war ein fröhliches Fest am Donnerstag in Mannheim: der „Bal Populaire“, mit dem das Land Baden-Württemberg den französischen Nationalfeiertag erstmals in Mannheim beging. Von dieser Stimmung ist am Tag darauf nichts geblieben. Mit dem Attentat von Nizza nur kurz nach Ende der Feierlichkeiten in den Quadraten ist aus Freude Trauer geworden.

Von Jan Millenet

 

Mannheim. Obwohl es ein fröhliches Fest am Donnerstagabend auf dem Mannheimer Toulonplatz war, dachte gestern wohl niemand mehr unbeschwert an die vielen schönen Erlebnisse, Szenen und Begegnungen bei den Feierlichkeiten des Landes in der Quadratestadt. Mindestens 84 Menschen sind zwischen Fest und Morgengrauen in Nizza von einem Attentäter, der mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge an der Uferpromenade gerast ist, ums Leben gekommen, viele weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Erstmals fand der Empfang des Landes anlässlich des französischen Nationalfeiertags nicht in Stuttgart, sondern in Mannheim statt. „Dieser Tag ist das wichtigste Ereignis eines jeden Jahres für Frankreich“, sagte der Generalkonsul der Republik Frankreich, Nicolas Eybalin, am Donnerstagabend beim Festakt im Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen vor etwa 200 geladenen Gästen. Zu dieser Stunde herrschte noch unbeschwerte Stimmung. Auf der Bühne sang Eybalin sogar gemeinsam mit Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz und Bürgermeister Christian Specht den französischen Hit „Les Champs-Élysées“. Die Menschen auf dem Toulonplatz spendeten dafür lautstarken Beifall. Etwa 1600 Besucher zählte das veranstaltende Institute français beim „Bal Populaire“. Einige von ihnen tanzten zur französischen Musik, die ihnen unter anderem das Trio Amélie, Isabelle und Christophe oder im Anschluss die Band „Salles Grosses“ servierten. Weine, Crêpes und andere französische Spezialitäten fehlten ebenso wenig.

Der Generalkonsul kam auch auf die enge Verbindung Mannheim mit Frankreich zu sprechen. „Keine andere Stadt hat Frankreich und mir so viel Sympathie entgegengebracht. Keine andere Stadt in Baden-Württemberg hat so viel Initiative zugunsten der Beziehungen zu Frankreich ergriffen“, begründete er, warum dieses Jahr seine Wahl zur Ausrichtung des Empfangs auf die Quadratestadt gefallen ist. „Hier fühle ich mich heimisch.“

Nicolas Eybalin verließ Mannheim gegen 22 Uhr in Richtung Landeshauptstadt, wo der Generalkonsul seinen Sitz hat. Auch OB Kurz verabschiedete sich. Um diese Zeit war noch alles friedlich und fröhlich. „Wir feierten noch bis etwa 23 Uhr und begannen dann mit dem Aufräumen“, erinnerte sich Eva Eckkrammer, die Akademische Direktorin des Institute français gestern. „Dann trudelten langsam die ersten Meldungen über das Attentat in Nizza ein.“ Doch die Ausmaße ließen sich noch nicht abschätzen. Das Institute français reagierte, wie auch bei den Anschlägen in Paris im November, spontan. „Wir werden wieder ein Kondolenzbuch auslegen, um den Menschen einen Ort der Betroffenheit zu geben“, sagte Eckkrammer. Bezüglich des Nizza-Attentats fügte sie an: „Umso wichtiger ist nun die Zusammenarbeit zwischen den Völkern.“

Der gute Zusammenhalt zwischen Frankreich und Deutschland wurde am Donnerstag in Mannheim einmal mehr deutlich. Und er spiegelt sich nun in der gemeinsamen Trauer wider, die die schönen Erinnerungen an das Fest am Donnerstag verdrängt hat. So äußerte auch Kurz gestern in einem Schreiben an Eybalin seine „Bestürzung über das abscheuliche Attentat“ und bekundete seine Anteilnahme. „Das Geschehene macht uns alle noch immer fassungslos“, so der Oberbürgermeister, der auch im Namen der Mannheimer Bürger kondolierte. „Insbesondere vor dem Hintergrund unserer friedlichen Feierlichkeiten anlässlich des Französischen Nationalfeiertags in Mannheim fühlen wir uns von dieser schrecklichen Tat, die sich nur wenige Stunden nach unserer Begegnung ereignete, ganz besonders betroffen“, schreibt Kurz, der gestern auch Trauerbeflaggung für das Mannheimer Rathaus anordnete.

 

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