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Mittwoch, 29. Mai 2019 Drucken

Ludwigshafen

„Die Familie muss es mittragen“

Interview: Der Name Oster ist unweigerlich mit BMW verbunden. Seit 50 Jahren gibt es den Familienbetrieb in Mutterstadt. Die Zeiten waren turbulent, denn BMW und der Automarkt änderten sich rasant. Da hilft nur: Neu ausrichten, Kurs halten und vor allem als Familie zusammenhalten. Wie das gelingt, erzählt Beate Oster.

Rosalinde und Friedrich Oster 1966 in ihrer gepachteten Tankstelle, die sie in Mutterstadt führten, bevor sie ihr Autohaus eröffneten.

Rosalinde und Friedrich Oster 1966 in ihrer gepachteten Tankstelle, die sie in Mutterstadt führten, bevor sie ihr Autohaus eröffneten. ( Foto: Oster, frei)

Einer der ersten BMW, die Osters verkauften.

Einer der ersten BMW, die Osters verkauften. ( Foto: Oster, frei)

Die Betriebsstätte im Mutterstadter Gewerbegebiet An der Fohlenweide 1974, Oster war eines der ersten Unternehmen dort.

Die Betriebsstätte im Mutterstadter Gewerbegebiet An der Fohlenweide 1974, Oster war eines der ersten Unternehmen dort. ( Foto: Oster, frei)

Beate (links) Rosalinde und Friedrich Oster.

Beate (links) Rosalinde und Friedrich Oster. ( Foto: Oster, frei)

Die erste BMW-Betriebsstätte in der Gartenstraße.

Die erste BMW-Betriebsstätte in der Gartenstraße. ( Foto: Oster, frei)

Frau Oster, Sie leiten einen Betrieb mit 15 Mitarbeitern und sind Mutter von vier Kindern (vier bis 17 Jahre). Was steht an erster Stelle: Betrieb oder Familie?

Betrieb und Familie sind bei uns miteinander verbunden. Das kenne ich nicht anders von meinen Eltern. Der Betrieb Oster ist die Familie Oster. Wir haben über den Verkaufsräumen gewohnt mit unseren Großeltern, sie haben auch im Betrieb geholfen. Eltern und Großeltern haben sich um meine ältere Schwester und um mich gekümmert. Und Arbeit war immer positiv besetzt. Meine Eltern haben sich sonntags schon auf ihre Kunden gefreut. Mir geht es genauso.

 

Schattenseiten gibt es aber auch?

Ja, natürlich. Ich erinnere mich an einen Heiligen Abend, die Kerzen brannten am Baum, meine Schwester und ich warteten ungeduldig aufs Christkind und Papa wechselte unten in der Werkstatt noch schnell eine Batterie. Ein Kunde hatte zuvor verzweifelt bei uns geklingelt, sein Auto sprang nicht an und er wollte am nächsten Tag in den Urlaub fahren. Da wurde eben später beschert.

 

Geht es Ihnen heute auch so?

Ich habe Hilfe von meinen Eltern, einer Kinderfrau und wir sind sehr gut organisiert. Zudem sind meine Kinder sehr selbstständig. Mein Mann ist beruflich viel unterwegs. Und dennoch haben wir uns bewusst für eine große Familie entschieden. Ich bin immer für meine Kinder da, wenn sie von der Schule oder Kita kommen, auch wenn ich nicht zuhause vor Ort bin. Wir telefonieren oder skypen und tauschen so die News des Tages aus. Und die Stunden nach Feierabend und die Wochenenden gehören ganz der Familie. Wir nutzen diese Zeit intensiv für uns.

 

Also kein schlechtes Gewissen?

Doch ständig (lacht). Ich habe mal heulend bei einem Elterngespräch in der Kita gesessen, weil mein Sohn oft als letztes Kind abgeholt wurde. Damals tröstete mich die Erzieherin und sagte, ihrem Sohn geht es hier gut. Und keines meiner Kinder hat sich tatsächlich je beschwert.

 

Kommen Sie auch mal an Ihr Limit?

Nein. Das hört sich jetzt so leicht an. Ich habe schon ein Pensum zu leisten, arbeite häufig noch, wenn die Kinder im Bett sind. Aber ich empfinde meine Arbeit nicht als Belastung. Sie macht mir Freude. Und ich habe kompetente und langjährige Mitarbeiter, die mich unterstützen.

 

Was bedeutet Familie für Sie?

Bedingungsloser Zusammenhalt und Rückhalt. Einen Familienbetrieb müssen alle mittragen. Anders hätte das Autohaus Oster in den 50 Jahren nicht bestanden.

In diesen 50 Jahren gab es für die Automobilbranche viele Umbrüche. Seit Sie 2009 die Betriebsleitung übernahmen, legten Sie neben dem Verkauf den Schwerpunkt bewusst auf den Bereich Service und Ersatzteile. Was war der Grund für diese Entscheidung?

Der Wandel am Automarkt. Autopreise sind heute transparent, europaweit zu 100 Prozent vergleichbar und bei jedem Vertragshändler identisch. Die Loyalität des Kunden definiert sich nicht mehr über den Kauf des Fahrzeugs, sondern über die qualifizierte Serviceleistung. Hier wünscht er sich Nähe, kompetente und schnelle Hilfe. Um ein Auto günstig zu kaufen, legt der Kunde heute weite Strecken zurück. Viele rufen aber zuvor bei uns an und fragen, ob sie dennoch zum Service kommen können.

Was antworten Sie dann?

Selbstverständlich. Der Rote Teppich ist schon ausgerollt (lacht). Für uns ist es unerheblich, wo der Kunde sein Auto gekauft hat.

 

Was bedeutete diese Veränderung ?

Nicht mehr völlig von der Vertriebspolitik des Herstellers abhängig und unabhängig von den teilweise unsinnigen Bedingungen zu sein, die man als Vertriebshändler erfüllen muss. Das heißt, ich bestimme, welche Modelle ich habe und wie mein Ausstellungsraum aussieht. Die Vorgaben an Vertriebshändler verursachen oft unverhältnismäßig hohe Kosten, die umgelegt werden müssen. Auch Kunden im Premiumsegment sind preissensibel. Und nur weil das Autohaus den neusten Richtlinien des Herstellers entspricht, ist der Kunde nicht bereit, erhebliche Preissteigerungen zu akzeptieren.

War die Neuausrichtung die richtige Entscheidung?

Definitiv. Wir können weiterhin unseren Kunden Neuwagen vermitteln, sind aber für die Marken BMW, Mini, Land Rover und Jaguar immer stärker im Gebrauchtwagen-, insbesondere im Jahreswagen-Geschäft aktiv. Wir suchen deutschlandweit nach dem Wunschfahrzeug des Kunden, er kauft es aber bei Oster. Und er bekommt bei uns den vollen Wartungs- und Reparaturservice.

 

Aber mit meinem Skoda kann ich nicht zu Ihnen kommen?

Selbstverständlich. Wir haben viel in Werkstatt und Weiterbildung investiert. In den Mehrmarken-Service werden wir weiter investieren und sind seit 2019 Bosch Werkstattpartner für alle Fabrikate.

 

Ist das die Marschrichtung?

Ja. Es gibt derzeit die Autohaus-Tempel, mit hohen Preisen, und bei denen viele Kunden Schwellenangst haben. Und es gibt die freien Tankstellen mit Werkstatt, Pitstopps, ATUs et cetera, zu denen viele auch nicht hinmöchten. Dazwischen ist ein Vakuum, das füllen wir aus. Meine Zukunftsausrichtung ist, einen individuellen Marken-Premium-Service mit hoher technischer Kompetenz anzubieten, aber zu fairen Preisen. | Interview: Doreen Reber