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Donnerstag, 28. Juli 2016 Drucken

Wirtschaft Regional

Die Anders-Schneiderin

Eva Hotz stellt in ihrem Ein-Frau-Betrieb vegane Kleidung aus Biostoffen her

Von Joanna Hammer

 

Eva Hotz zeigt einen Teil ihrer Kollektion in ihrer Werkstatt. ( Foto: KUNZ)

Mannheim. Rantipole ist Englisch und bedeutet „junge, wilde Person“. Gleichzeitig ist es der Name eines Unternehmens aus Mannheim, das vegane Biokleidung herstellt.

 

Der Name des Labels beschreibt seine Gründerin zumindest äußerlich perfekt. Eva Hotz ändert alle paar Wochen ihre Haarfarbe. Momentan sind ihre Haare lila, grün und pink. Dafür benutze sie vegane Tönungen. „Ich mag es, wenn es so bunt ist“, erklärt die 26-Jährige. Das sieht man auch an ihren Designs. „In der Modebranche kann man kaum arbeiten, wenn man moralische Grundsätze hat. Es gibt wenige Firmen, die nachhaltig produzieren“, sagt Hotz. Deshalb hat sich die 26-Jährige nach ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Modedesignerin 2013 selbstständig gemacht.

Hotz ging zum Gründerinnenzentrum in Mannheim. Das Zentrum ist eine Einrichtung, die speziell jungen Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern will. Außerdem bekam Eva Hotz die Kreativförderung „Kreatech“ des Fachbereiches für Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt Mannheim.

Ein Jahr brauchte Hotz anschließend noch, um alles vorzubereiten. Zum Beispiel musste sie passende Rohstoffe und Zutaten finden. „Zutaten“ sind Kleinigkeiten wie Reißverschlüsse und Knöpfe, die die Kleidung ergänzen. „Ich verwende nur vegane Rohstoffe“, erklärt die Designerin. Damit fallen Materialien wie Seide oder Tierwolle weg. „Außerdem verwende ich Biostoffe.“ Sie lege großen Wert darauf, umweltfreundliche Materialen zu verarbeiten. Doch es sei schwierig, genügend geeignete Bioprodukte zu finden, da der Markt für Biostoffe sehr klein sei.

„Klar, jeder, der so etwas macht, hat Angst, zu scheitern“, gibt Hotz zu. Man habe schließlich sein gesamtes Leben darauf ausgerichtet. „Aber wenn man nicht zuversichtlich ist, muss man gar nicht erst anfangen“, sagt sie. Seit Anfang 2015 ist Hotz mit ihrer Firma im Verkauf. Zum Umsatz möchte sie so kurz nach dem Start noch nichts sagen. „Das hängt eben auch davon ab, wie viel Geld man für die Werbung reinstecken kann“, erklärt sie. Die Verkaufszahlen seien aber steigend, die Idee komme gut an.

Erst, wenn jemand im Internet etwas bestellt, beginnt Hotz mit der Produktion des Kleidungsstücks. Damit kann sie auf Kundenwünsche eingehen, also den Rock zum Beispiel etwas länger oder kürzer machen. Außerdem verhindert sie auf diese Weise Materialverschwendung. „Ich denke, dass meine Kunden Leute sind, die bewusst konsumieren“, sagt Hotz. Sie vermutet aber, dass nicht nur Veganer ihre Kleidung kaufen: „Bestimmt kaufen auch Menschen meine Kleidung, denen das Bio-Siegel wichtig ist, und Menschen, die Wert darauf legen, dass alles in Handarbeit produziert wird.“

Die Mannheimerin möchte Rantipole bewusst von anderen Modelabels abgrenzen. „Die normale Modewelt ist sehr skrupellos mit allen, die daran beteiligt sind.“ Bekannt sei den Konsumenten meist nur die Ausbeutung der Fabrikarbeiter in der Dritten Welt. „An die Folgeschäden denken die wenigsten. Ich achte deshalb darauf, nur bei Zulieferern und Produzenten einzukaufen, die auch die Umwelt schonen.“ Und weil die Branche auch mit ihren Models schlecht umgehe und sie das alles nicht unterstützen möchte, stellt Hotz „normale Models, die auch mal Größe M tragen“, ein.

 

 

 

 

 

 

 

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