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Donnerstag, 04. April 2019 Drucken

Ludwigshafen: Lokalsport

Der Tarzan vom Betzenberg

Von Marek Nepomucký

Karl-Heinz Bührer erzielt am 28. August 1984 das 1:0 für den SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern. Torwart Gerry Ehrmann ist machtlos.

Karl-Heinz Bührer erzielt am 28. August 1984 das 1:0 für den SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern. Torwart Gerry Ehrmann ist machtlos. ( Foto: KUNZ)

Gerry Ehrmann (links) beim Warmmachen mit FCK-Torhüter Lennart Grill im Südwest-Stadion.

Gerry Ehrmann (links) beim Warmmachen mit FCK-Torhüter Lennart Grill im Südwest-Stadion. ( Foto: KUNZ)

Fussball: Gerry Ehrmann ist eine Kultfigur beim 1. FC Kaiserslautern. Der Torhüter war bekannt für Furchtlosigkeit und Wagemut. Gestern kehrte der 60 Jahre alte Ehrmann mit dem FCK ins Ludwigshafener Südwest-Stadion zurück. Dort absolvierte er einst zwei denkwürdige Bundesligaspiele. Nun enthüllt Ehrmann zwei Geheimnisse.

«Ludwigshafen.»Gerry Ehrmann ist eine lebende Legende. Der frühere Torwart des 1. FC Kaiserslautern war bekannt und gefürchtet für seine Furchtlosigkeit, für seine Kompromisslosigkeit, für seinen unermüdlichen Einsatz – und für seine totale Identifikation mit dem FCK. Ehrmann war ein Torwart, vor dem die Stürmer höchsten Respekt hatten. Ehrmann lebte den Fußball. Er ist ein ehrlicher Mensch mit einem großen Herzen. Zu seiner Zeit als Profi haute er schon mal Sprüche heraus, die Kult wurden. So bezeichnete Ehrmann nach einer Niederlage des FCK gegen CD Alaves im UEFA-Cup-Halbfinale im Jahr 2001 die Gegner als „schwule Hunde“ – vor laufender Kamera wohlgemerkt. Über sein eigenes Team urteilte er nebenbei: „Ihr spielt wie Schwuchteln, wie Mädchen.“

Solche Sprüche verziehen die Fans „ihrem“ Tarzan. So wurde Ehrmann wegen seines Modellkörpers genannt. 90 Kilogramm Muskeln – noch heute. Seit 1996 ist Ehrmann Torwarttrainer beim FCK – vielleicht der erfolgreichste in Deutschland. Die Nationaltorhüter Roman Weidenfeller, Tim Wiese und Kevin Trapp, dazu Tobias Sippel, Florian Fromlowitz, Marius Müller oder Julian Pollersbeck – etliche Bundesliga-Keeper lernten ihr Handwerk bei Gerry Ehrmann.

Wechsel, der in die Geschichte eingeht

Am Mittwoch beim Pokal-Halbfinale des FCK gegen den FV Dudenhofen saß Gerry Ehrmann auf der Bank im Südwest-Stadion. Jenes Stadion, das für ihn eine besondere Bedeutung hat. „Ich habe hier mein erstes Bundesliga-Spiel bestritten“, erzählt Ehrmann. Am 10. September 1983 spielt der 1. FC Köln beim SV Waldhof Mannheim. „Toni Schumacher war wegen seines Buches suspendiert“, sagt Ehrmann. Er hält in diesem Spiel überragend. 2:2 endet die Partie. „Dieses Spiel war für mich ein Empfehlungsschreiben“, sagt Ehrmann. Der FCK kontaktiert ihn später und fühlt vor, ob Ehrmann vom FCK zum FCK wechseln wolle. 1984 kommt Ehrmann quasi von der Ersatzbank des FC Köln zum FC Kaiserslautern.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt, es wird ein Wechsel, der in die Fußball-Geschichte eingeht. Ehrmann ist dem FCK seit 1984 bis heute treu geblieben, wurde mit dem Klub deutscher Meister und Pokalsieger.

Ehrmann erlebt mit dem FCK im Südwest-Stadion allerdings auch ein denkwürdiges Spiel – eine Partie, über die heute noch geredet wird. Und in der immer wieder zwei Namen sofort genannt werden: Gerry Ehrmann und Karl-Heinz Bührer. Es ist der 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga, der 15. April 1987. 32.000 Zuschauer sind an diesem Mittwoch im Stadion. 4:3 gewinnt der SV Waldhof. Die Mannheimer bekommen vier Elfmeter, zwei verursacht Ehrmann, zwei Kay Friedmann. Ehrmann hält aber auch zwei Elfer. „Das war ein außergewöhnliches Spiel. Die Partien gegen den SV Waldhof waren immer emotional“, sagt Ehrmann. Doch an diese Partie kann er sich besonders erinnern. Denn als Schiedsrichter Joachim Kautschor das 4:4 von Sergio Allievi wegen Abseits’ nicht anerkennt, kochen die Emotionen hoch. „Ich habe in der Kabine den Holzspind mit der Faust zertrümmert“, enthüllt Ehrmann ein Geheimnis. „Der Gerry war nach der Niederlage lange Zeit stinksauer“, sagt Karl-Heinz Bührer. Er liefert sich mit Ehrmann hitzige Duelle in diesem Derby. „Man konnte Gerry leicht reizen und provozieren“, erzählt Bührer: „Er kam mit Karacho aus dem Tor gestürmt. Als Stürmer musste man auf der Hut sein, sonst wurde man umgemäht. Da wurden dann durchaus auch Elfmeter geschunden.“

Bührer provoziert die FCK-Fans

Bührer war nicht nur in diesem Duell ein rotes Tuch für die Fans der „Roten Teufel“. In einigen anderen Aufeinandertreffen provozierte er den FCK-Anhang ab und an. So jubelte er einmal extra vor der Westkurve auf dem Betzenberg, als er beide Waldhof-Tore erzielte. Bührer spielte sieben Jahre beim SV Waldhof. Heute leitet er die Generalvertretung einer großen Versicherung in Mannheim. Er fährt gerne in die Pfalz. „Wenn wir uns bei einer Schorle mit Leuten unterhalten, kommen wir häufig auf das 4:3 in Ludwigshafen zu sprechen. Und wenn die Gesprächspartner dann erfahren, das ich Karl-Heinz Bührer bin, wird auch schon mal intensiv diskutiert“, erzählt Bührer.

Der 4:3-Sieg bleibt auch Klaus Schlappner, damals Trainer des SV Waldhof, in Erinnerung. Er aber hat diesen Sieg gelassen erlebt, sagt er heute. „Der FCK war nach dem Krieg unser großer Verein in dieser Region. Ich hatte zu Fritz und Ottmar Walter eine enge Verbindung“, sagt Schlappner. Er hatte sogar dreimal ein Angebot vom FCK vorliegen, sagt Schlappner. Gerry Ehrmann schätzt er sehr. „Gerry ist ein toller Typ. So einer fehlt dem heutigen Fußball. Ich freue mich immer über seine Kommentare“, sagt Schlappner. Er spielt in Ehrmanns zweiter Enthüllung eine Rolle. Schlappner wollte Ehrmann einst zum SV Waldhof holen. „Stefan Kuntz war mal Trainer beim SV Waldhof, aber für mich war ein Wechsel unvorstellbar“, betont Ehrmann. 

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.

 

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