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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Ludwigshafen: Lokalsport

Der Kampf zurück ins normale Leben

Handball: Fabian Pozywio liegt wochenlang im Koma. Dem jungen Mann wird auf einer Party eine Bierflasche auf den Kopf gehauen. Der frühere Handballer der HSG Eckbachtal muss wieder lesen, schlucken, laufen, schreiben lernen. Am Mittwoch spielten der TV Hochdorf und die Eulen Ludwigshafen 2500 Euro für Pozywio und 2500 Euro für das Elias Hospiz ein.

Von Stefan Naumer

Andreas und Björg Pozywio vertraten ihren Sohn Fabian am Mittwoch in Hochdorf.

Andreas und Björg Pozywio vertraten ihren Sohn Fabian am Mittwoch in Hochdorf. ( Foto: KUNZ)

Der sportliche Wert des Aufeinandertreffens war Nebensache. Hochdorf knöptfe den Eulen ein 29:29 ab.

Der sportliche Wert des Aufeinandertreffens war Nebensache. Hochdorf knöptfe den Eulen ein 29:29 ab. ( Foto: KUNZ)

Fabian Pozywio war ein leidenschaftlicher Handballer. Hier wirft er im Januar 2017, eineinhalb Jahre nach seinem Unfall, einen Siebenmeter beim Benefizspiel der Eulen Ludwigshafen gegen die HSG Eckbachtal.

Fabian Pozywio war ein leidenschaftlicher Handballer. Hier wirft er im Januar 2017, eineinhalb Jahre nach seinem Unfall, einen Siebenmeter beim Benefizspiel der Eulen Ludwigshafen gegen die HSG Eckbachtal. ( Archivfoto: Bolte)

«Hochdorf-Assenheim.» Die Hauptperson fehlte. Fabian Pozywio (23) war am Mittwochabend nicht da, obwohl die Hälfte der zusammengekommenen 5000 Euro aus dem Benefizspiel zwischen dem Handball-Oberligisten TV Hochdorf und dem Bundesligisten Eulen Ludwigshafen an ihn ging. Die andere Hälfte spendete der Lions-Club Ludwigshafen, der die Veranstaltung organisierte, an das Elias-Hospiz in Ludwigshafen.

Die Abwesenheit von Fabian Pozywio hatte einen Grund. Der 23 Jahre alte Mann ist derzeit in Geilingen am Bodensee und absolviert dort ein berufsvorbereitendes Reha- und Arbeitsprogramm. Das ist sehr wichtig für den früheren Handballer der HSG Eckbachtal. Deshalb hatten die 600 Zuschauer in der Hochdorfer Sporthalle auch Verständnis dafür, dass Pozywio nicht persönlich vor Ort sein konnte – obwohl er es so gerne gewesen wäre. „Die Veranstaltung in Hochdorf fand ich eine super tolle Aktion, um mich zu unterstützen“, sagte Fabian Pozywio der RHEINPFALZ am Tag danach.

Fabian Pozywio war am 8. August 2015 auf einer Party eine Bierflasche auf den Kopf gehauen worden. Er lag wochenlang im Koma. Schritt für Schritt kämpft er sich seitdem zurück ins Leben. Es soll wieder ein unbeschwertes Leben werden. Doch das ist ein mühsamer Weg. Immer mal wieder hat Pozywio Kopfschmerzen. Schlucken, sprechen, laufen, lesen, schreiben – das alles musste Fabian Pozywio wieder lernen. „Fabian hat Abitur gemacht. Aber auf dem geistigen Stand ist er noch nicht wieder“, sagte Vater Björg Pozywio in einem RHEINPFALZ-Bericht.

Die Eltern von Pozywio, Björg und Andreas, waren am Mittwoch nach Hochdorf gekommen. „Weit über drei Jahre liegt der Unfall zurück. Wir sind überrascht und freuen uns gleichzeitig über das Interesse, das dem Schicksal unseres Sohnes noch entgegengebracht wird“, sagten die Pozywios. In der Vergangenheit gab es mehrere Benefizaktion zugunsten Fabian Pozywios. Denn die Behandlung kostet viel Geld. Und so helfen solche Aktionen wie am Mittwoch in Hochdorf der Familie enorm.

Das Schicksal des jungen Mannes berührte viele Menschen. Steffen Christmann gehört dazu. In Gedanken war der Hochdorfer Coach nach dem 29:29 seines Teams gegen die Eulen Ludwigshafen auch bei Fabian Pozywio. Ihn hat Christmann persönlich in seiner Eckbachtaler Zeit schon kennengelernt. „Es ist schön, wenn man mit einem Handballspiel Leuten weiterhelfen kann. Ich bewundere Fabian, wie er mit der Situation umgeht und welche Fortschritte er mit seinem Ehrgeiz in dieser Zeit schon gemacht hat“, sagte Christmann.

Ben Matschke, Trainer der Eulen Ludwigshafen, war auch schon 2017 bei einem Benefizspiel der Eulen gegen die HSG Eckbachtal in Frankenthal dabei. „Wir nehmen immer wieder gerne an solchen Veranstaltungen teil. Nur hätten wir uns gerne sportlich etwas besser vor den Handballfans präsentiert. Das war mit der Mannschaft anders abgesprochen. Aber ich denke, die Zuschauer hatten ihren Spaß“, sagte Matschke am Mittwochabend.

Das sportliche Resultat spielte für Fabian Pozywio keine Rolle. Er baut gerade sein Leben neu auf. Fabian Pozywio ist ein Kämpfer. Nach Rückschlägen steht der positiv denkende Mensch immer wieder auf. Solche Aktionen wie am Mittwochabend motivieren ihn, in schwierigen Momenten nicht aufzugeben und weiter für seine Ziele zu kämpfen. Das nächste Ziel steht bevor. Fabian Pozywio will im August eine Ausbildung bei einer Versicherung beginnen. Vor dem Unfall wollte er eigentlich Betriebswirtschaftslehre studieren.

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