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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Das große Krabbeln

Insektenausstellung lockt Jung und Alt in protestantisches Gemeindezentrum Schifferstadt

Von Volker Kuhnert

Die kleine Liah war nicht das einzige Kind, das über die Tiere – hier eine Goliath Vogelspinne – staunte.

Die kleine Liah war nicht das einzige Kind, das über die Tiere – hier eine Goliath Vogelspinne – staunte. ( Foto: Lenz)

«Schifferstadt.» Ziemlich krabbelig und auch ein bisschen giftig ging es am Sonntag im protestantischen Gemeindezentrum in Schifferstadt zu. Denn das Hanauer Familienunternehmen „Terra Exotic“ präsentierte unter anderem lebende und präparierte Spinnen und Skorpione.

Skorpione gelten gemeinhin als giftig. Der Heterometrus laoticus – zu Deutsch: der Schwarze Thai Skorpion – liegt auf einer Giftskala von eins bis fünf jedoch „nur“ bei eins und ist somit in etwa so giftig wie ein Bienenstich. Mit einer Erwachsenengröße von zehn bis 15 Zentimetern ist der Schwarze Thai zwar einheitlich schwarz, aber auch leicht dunkelblau schimmernd. Auffällig ist das Sozialverhalten des Stachelträgers: „In der Natur kann man manchmal mehrere Skorpione in einem Versteck beobachten“, erläutert die Infotafel neben dem Terrarium des Skorpions.

„Ich hab gedacht, hier gibt’s was Gefährliches“, zeigt sich der siebenjährige Max Steinbauer aus Schifferstadt leicht enttäuscht. Es ist 12.30 Uhr und Max, sein Vater Thomas und sein Bruder Leo (4) sind bislang fast die einzigen Besucher. „Ich habe vielleicht die Erwartungen zu hoch geschraubt“, vermutet Thomas Steinbauer. Vor zehn Jahren sei der 40-Jährige für längere Zeit in Australien gewesen und habe giftigste Spinnen in freier Wildbahn erlebt. Auch kenne er Bob Bredley persönlich, der in einer auf einem Flachbildschirm abgespielten Dokumentation übelste Vergiftungssymptome, Nekrosen und anschließende Gliedmaßentransplantationen nach Spinnenattacken präsentiert. „Bredley ist so eine Art Crocodile Dundee“, erläutert Steinbauer. „Die Dokumentation zeigt eher die Spinnen oder Skorpione, die ich auch in der Ausstellung erwartet habe“, verweist Steinbauer darauf, dass nahezu alle Ausstellungsstücke auf unterstem Giftniveau rangieren. Gerne hätte er seinen Kindern etwa die hochgiftige Schwarze Witwe aus der Nähe gezeigt.

Dennoch bietet die „Terra Exotica“ ein vielseitiges Angebot: Auf fünf langen Tischreihen sind die insgesamt 66 Spinnen-, Skorpion- oder auch Tausendfüßer-Terrarien aufgebaut. Die meisten der Glaskästen sind liebevoll dekoriert; Infotafeln bieten interessante Details. Etwa, dass die wie aus einem Horrorfilm entsprungen scheinende Fauchschabe aus Madagaskar mit ihrer Länge von bis zu 7,5 Zentimetern ein „Omnivor“, also ein „Allesfresser“ ist.

„Ist die jetzt echt?“, fragt sich Robin Menke (9) aus Mannheim beim Betrachten der auf einem Stein sitzenden, riesigen Tigervogelspinne aus Indien. Echt ist sie, jedoch präpariert wie die 13 weiteren toten Spinnen und Skorpione, unter denen manchmal ein dicker Klecks aus der Heißklebepistole zu sehen ist, mit denen sie in ihrem Terrarium fixiert wurden.

Mittlerweile ist es 14.30 Uhr und fast schlagartig füllt sich das Gemeindezentrum. Plötzlich stehen rund 30 Besucher – zumeist Eltern mit Kindern oder Großväter mit ihren Enkeln – staunend vor den Schaureihen, zu denen auch 40 Rahmen mit präparierten indonesischen Nashornkäfern, Schoko-Schnurfüßern aus Papua Neuguinea oder vietnamesischen Hirschkäfern gehören. Leicht angeekelt und dennoch fasziniert verziehen vor allem jüngere Besucher angesichts der vielen haarigen Beine und manchmal glitschig wirkenden Insektenkörper das Gesicht. „Pädagogisch wertvoll“, wie Veranstalter Xaver Brumbach sein Event betitelt, erschien die Ausstellung allemal.

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