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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Ludwigshafen

Bayernkönig und bunte Vögel

Leute in Lu: Einen Neujahrsempfang der Stadt gibt es jedes Jahr, ein „Ludwigshafener Heimatlied“ gab es bislang noch nicht. Die Aufführung der Wittelsbach-Grundschüler aus Süd hat Anfang Januar die Gäste im Pfalzbau begeistert. Hinter der Komposition steckt Gereon Fortmann. Für den Text recherchierte der 46-Jährige – und schaute aus dem Fenster.

Von Rebekka Sambale

Stimmt für unseren Fotografen noch mal das „Ludwigshafener Heimatlied“ an: Gereon Fortmann im Saal seiner dritten Klasse in der Wittelsbachschule.

Stimmt für unseren Fotografen noch mal das „Ludwigshafener Heimatlied“ an: Gereon Fortmann im Saal seiner dritten Klasse in der Wittelsbachschule. ( Foto: KUNZ)

Uraufführung des Songs am 9. Januar beim Neujahrsempfang der Stadt im Pfalzbau – begleitet vom Orchester des Carl-Bosch-Gymnasiums.

Uraufführung des Songs am 9. Januar beim Neujahrsempfang der Stadt im Pfalzbau – begleitet vom Orchester des Carl-Bosch-Gymnasiums. ( Foto: KUNZ)

Wenn Gereon Fortmann im Unterricht das Thema „Meine Stadt“ behandelt, macht er mit den Schülern einen Ausflug auf die Konrad-Adenauer-Brücke. Oder er läuft mit ihnen durch die Viertel, in denen sie wohnen. Stadt erleben, Stadt erlaufen – bei Fortmann wird die Stadt auch ersungen. Das von ihm getextete und komponierte „Ludwigshafener Heimatlied“ ist ein heimlicher Hit. 1300 Menschen haben die Uraufführung beim städtischen Neujahrsempfang am 9. Januar miterlebt. Dort sangen es die Dritt- und Viertklässler aus der „AG Wittelsbachsongs“, das Orchester des Carl-Bosch-Gymnasiums begleitete. „Eine Wahnsinnserfahrung für die Kinder“, sagt Fortmann – mit über 130 Musikern im Rücken auf der Bühne zu stehen.

Das berichtet der 46-Jährige, auf einem Stuhl in Klasse 3 c der Wittelsbach-Grundschule sitzend. Denn der Mann, der bereits einige Lieder komponiert hat, ist im Alltag „vor allem Grundschullehrer“, wie er sagt. Aufgewachsen im Hohenlohekreis, hat Fortmann in Karlsruhe Lehramt studiert und arbeitet seit 2002 in Ludwigshafen. Mit seinem Start an der Wittelsbachschule begann er auch zu komponieren. Gedichte schreibe er seit seiner Kindheit, auch Musik gehörte für ihn immer dazu: Chor, Geige, Klavier. Gitarrespielen habe er sich selbst beigebracht. Als die Wittelsbachschule im Südweststadion eine Olympiade veranstaltete, schrieb er die passende Hymne. Der bis heute gesungene „Wittelsbachsong“ war geboren.

Seitdem komponiert er Musicals, Lieder für seine und – als Auftragskomposition – auch für andere Schulen, für die Kirche und über Städte. Auch seinem Wohnort Schwetzingen hat er ein Stück gewidmet. Das sei aber noch nicht aufgeführt worden. Sein Ludwigshafen-Song hat hingegen für viele positive Reaktionen und für einen Ohrwurm gesorgt. Die Idee zu diesem Projekt hatte er schon länger. Allein: Die Zeit zur Realisierung fehlte. Bis eben das Thema Ludwigshafen auf dem Stundenplan stand und er sich an die Umsetzung machte. Ende 2017 war das Lied fertig.

„Es fand der Bayernkönig Ludwig im Jahre 1843 sehr interessant, was hier entstand. Von ihm gekauft, nach ihm benannt, wurde der Hafenort zur Stadt, die viele Tausend Bürger hat.“ So die zweite der fünf Strophen. Der Text ist eine Mischung aus Liebe zur Stadt und Geschichte, kreativ getextet mit einer Prise Humor. „Ich habe dafür kräftig recherchiert“, sagt Fortmann und lacht. Dass Fakten nicht stimmen, dürfe nicht passieren. Was den Humor betrifft: „Hier schlüpft im Mai aus seinem Ei, der grüne Rheinlandpapagei“, wird später gesungen. „Die fliegen hier jeden morgen durch die Wittelsbachstraße“, berichtet Fortmann davon, wie er die Sittiche aus dem Fenster beobachtet hat. „Sie sind ein Markenzeichen der Gegend.“ Im Refrain heißt es: „Wie der goldene Anker auf rotem Grund hängt mein Herz an Ludwigshafen. Meine Heimat ist lebendig und bunt.“

Fortmann ist ein angenehmer, ruhiger Gesprächspartner. Er wählt seine Antworten mit Bedacht. Nachhaltigkeit sei ihm pädagogisch sehr wichtig, sagt er. Auch, dass sich die Kinder mit ihrer Stadt identifizieren können und etwa nicht einfach Müll in die Gegend werfen. Dass Ludwigshafen unter Erwachsenen als hässliche Stadt gilt, sei seinen Schülern egal. „Für die Kinder ist das kein Thema“, sagt der dreifache Vater. Wichtig sei ihm stattdessen gewesen, Ludwigshafen als „lebendig und bunt“ zu bezeichnen – so wie es auch die Wittelsbachschule und damit der Alltag der Kinder ist. Schüler, deren Eltern nur wenig Geld haben, treffen dort auf solche aus teureren Wohngegenden in Süd. Auch unterschiedliche Nationen lernen gemeinsam.

Das „Ludwigshafener Heimatlied“ ist Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck gewidmet. Sie hatte bei einem Besuch in der Schule die Idee, es beim Neujahrsempfang aufs Programm zu setzen. Für den großen Auftritt im Pfalzbau entwickelte Fortmann mit Joachim Schall vom Carl-Bosch-Gymnasium ein Orchesterarrangement. Und wie wird aus einem Lied ein Ohrwurm? „Ich achte beim Komponieren auf viele Sachen“, sagt Fortmann. „Die Melodie hat eine bestimmte Richtung.“ Man müsse ein Gefühl dafür haben, wohin sie sich entwickelt. Auch dürften die Tonhöhenunterschiede nicht zu groß sein, damit die Kinder es mitsingen können. Beim Neujahrsempfang wippten auch viele erwachsene Füße mit.

Im Netz

Wer das „Ludwigshafener Heimatlied“ hören möchte, kann das auf der Internetseite von Gereon Fortmann machen: www.gereon-der-liedermacher.de

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