Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 25. Juli 2016 Drucken

Rhein-Pfalz-Kreis

Abschied von einem Denkmal

Eigentlich wollte die evangelische Kirchengemeinde in Limburgerhof den Tambour, den charakteristischen Dachaufbau des Gotteshauses, sanieren. Doch nun ist alles ganz anders gekommen. Denn das denkmalgeschützte Bauteil ist so marode, dass es abgerissen und neu errichtet werden muss – schweren Herzens. Der Beton der Stützen bröckelt. Kosten von 300 000 Euro stehen im Raum. Die Finanzierung ist unklar.

Von Ulrike Minor

 

Limburgerhof. „Geplant, gestoppt, gecancelt“ – so umschreibt Pfarrerin Martina Kompa den recht wechselhaften Verlauf der vergangenen Wochen. Seit gut einem Vierteljahr bereits ist der Tambour, durch dessen großflächige Scheiben bisher Licht vom Dach auf den Altarraum im Innern fiel, hinter einem Gerüst und Schutzfolien verschwunden. Der Grund: Bei Dacharbeiten waren vor zwei Jahren Schäden an den Betonsäulen entdeckt worden, die nun beseitigt werden sollten. Eine Gutachterfirma hatte eine Sanierung empfohlen, acht Prozent der Substanz seien geschädigt. Für die Arbeiten wurden 147.000 Euro kalkuliert, die Finanzierung stand. Im April wuchs das Gerüst, im Mai wurden die Glaselemente ausgebaut und die Innenverkleidung der zwölf Betonsäulen in luftiger Höhe entfernt. Und dann mussten die Verantwortlichen der Kirchengemeinde erleben, dass beste Planung und sorgfältige Vorbereitung manchmal ganz schnell Makulatur sein können.

Denn als die eigentliche Betonsanierung beginnen sollte, sei schnell klar geworden, „dass die Schäden umfangreicher und tiefgreifender waren, als die Schadensdiagnose hatte vermuten lassen“, berichtet die Pfarrerin. Der 5,50 Meter hohe Aufbau, der einen Durchmesser von 4,50 Meter hat, ist marode. Architekt Sebastian Metz, eigentlich wegen der ebenfalls geplanten Innensanierung der Kirche vor Ort, „alarmierte“ Stefanie Müller von der Bauabteilung der Landeskirche. Die Fachleute begutachteten das, was die ersten Stemmarbeiten zutage gebracht hatten. Schnell sei klar gewesen, dass die Standsicherheit des Tambours gefährdet ist. „Da blieb nur der Baustopp“, erläutert Müller.

Nach eingehender Untersuchung sei klar geworden, dass das Ganze auf den Abriss des Tambours hinausläuft, erläutert Pfarrer Martin Grimm. Laut Bautechnikerin Stefanie Müller hätte selbst eine wesentlich aufwendigere und damit teurere Sanierung die Bedenken wegen der wackligen Statik nicht ausgeräumt und dann vielleicht auch nur weitere 15 Jahre gehalten.

Problem eins: der Denkmalschutz. Schließlich mache der Tambour diese Kirche einzigartig. „Wenn Sie diese Kirche betreten und dieses Licht gesehen haben ...“, seufzt Müller. Damit kommt auch die Landesdenkmalpflege ins Spiel. Aber auch Landeskonservatorin Roswitha Kaiser gab grünes Licht. Nach der Begutachtung der Schäden erklärte sie sich mit dem Abriss und der möglichen Rekonstruktion des Tambours einverstanden. Ihre Begründung: „Die Statik ist durch zerstörte Armierungseisen, unzulängliche Betonqualität, Schlankheit der Architekturstützglieder und mangelhafte Überdeckung der Eisen in großen Bereichen gefährdet.“ Würde man „nur“ sanieren, ginge mehr als die Hälfte der ursprünglichen Substanz verloren, und der Tambour wäre dann nicht mehr original. Auch der Bauausschuss des Limburgerhofer Gemeinderats hat dem Abriss noch vor den Ferien zugestimmt.

Problem zwei: die Finanzen. Vor 25 Jahren sind die Scheiben des Tambours für umgerechnet 87.000 Euro erneuert worden, vor vier Jahren der Glockenturm für 236.000 Euro. Jetzt noch mal 300.000 Euro, denn so viel werden Abriss und Wiederaufbau etwa kosten? „Da steht schon ein ganzes Reihenhaus da oben“, seufzt Pfarrer Grimm. Für die bisher vorgesehenen Kosten von 147.000 Euro hätte die Kirchengemeinde schon 60.000 Euro aus ihren Rücklagen nehmen müssen. Dazu waren Zuschüsse von der Landeskirche (57.000 Euro) und des Bauvereins (18.000 Euro) gesichert, und die Kirchengemeinde kalkulierte mit Spenden in Höhe von 12.000 Euro, hat Martina Kompa vorgerechnet.

Jetzt steht aber das Doppelte an Kosten im Raum. Was nun? Kompa: „Die Kirchengemeinde wird die kommenden Monate nutzen, um sich mit Planung und Finanzierung eines Neuaufbaus zu beschäftigen.“ Das, so sind sich die Beteiligten einig, wird „richtig schwierig“. Zumal auch andere Ausgaben anstehen. Die Innensanierung etwa, die nun parallel laufen soll. Und die Toilettenanlage „gehört fast auch schon unter Denkmalschutz“, urteilt Martin Grimm mit Galgenhumor.

Problem drei: Wie soll der neue Tambour aussehen? Möglich wäre ein Wiederaufbau aus Betonfertigteilen oder aus Stahl, beides in ähnlicher Größe wie jetzt, erläutert Architekt Metz. Denn: Die geretteten Scheiben des Tambours sollen auch nach dem Willen der Landesdenkmalpflege wieder verwendet werden. Die Landeskonservatorin: „Auf die Beibehaltung des markanten Erscheinungsbildes des Tambours wird im Sinne von Denkmalschutz und Denkmalpflege fachlich großen Wert gelegt.“ Jedenfalls sollen Planung und Ausführung in enger Abstimmung mit der Bauabteilung der Landeskirche und der Landesdenkmalpflege erfolgen, sagen die beiden protestantischen Geistlichen.

Problem vier: der Zeitfaktor. Seit 3. April, als die Arbeiten am Tambour losgingen, ist das Gotteshaus nicht nutzbar. Gottesdienste sind ins Gemeindehaus verlegt worden. „Den Leuten fehlt ihre Kirche“, betont Grimm. Das Zeitfenster werde schließlich auch vorgegeben von zentralen kirchlichen Ereignissen – Konfirmation oder Weihnachtsfeiertage etwa. Am 11. September, am Tag des offenen Denkmals, sollte der sanierte Tambour eigentlich vorgestellt werden. Daraus wird nun nichts. Stattdessen sollen an diesem Tag offene Gespräche stattfinden und mit den Gemeindemitgliedern über die Lösungen für den Tambour und die Ideen zur Innensanierung gesprochen werden.

Die nächsten Schritte schildert Architekt Metz. Am kommenden Freitag wird in der Kirchenstraße ein großer Autokran anrücken. Der Tambour – oder das, was von ihm noch übrig ist – soll als Ganzes vom Kirchendach gehoben werden. Danach wird ein hölzernes Notdach aufgebracht, bis der Wiederaufbau starten kann.

„Das schmerzt“, sagt Grimm. Eigentlich hätte man von dem außergewöhnlichen Baudenkmal auf dem Kirchendach gebührend Abschied nehmen sollen. Ortsbildprägend sei die Kirche zusammen mit dem benachbarten Kino, typische Zeugnisse ihrer Entstehungszeit. „Und das sollten wir erhalten.“

 

 

Der neue Messenger Service



Ludwigshafen-Ticker