Landau
Erste Tiny Häuser zum Wohnen in Landau: Drei Minihäuser warten auf Mieter
Sie sind nur 25 Quadratmeter klein und bieten doch Platz für ein ganzes Leben: die drei Tiny Häuser, die im November per Tieflader aus Estland ankamen und nun fertiggestellt sind. In ruhiger Wohngebietslage stehen sie seitdem im Landauer Stadtteil Horst und warten jetzt darauf, erstmals bezogen zu werden.
Die Idee dazu hatte Thorsten Keipert aus Kandel, der im normalen Leben ein Dentallabor und eine Ofenbaufirma führt. Sein Herz schlägt aber auch für kleine Wohnformen, und so hob er zusammen mit seiner Frau vor zehn Jahren einen Wagenplatz aus der Taufe. Die bunten, selbst ausgebauten Bauwagen für Feriengäste, die auf Molly, Max und Moritz hören, machen aber gerade etwas Pause. Jetzt hat sich der 53-Jährige auf die anderen drei Minihäuser konzentriert, die in Landau entstanden sind.
Drei Minihäuser für modernes Wohnen im Horst
Dort besitzt seine Familie ein Grundstück nahe der Horstbrücke in der Speyerbachstraße. Doch dieses lag seit Jahren brach. „Wir hatten schon länger den Plan, etwas daraus zu machen.“ Und so reifte vor zwei Jahren der Gedanke, dort neue nachhaltige Wohnräume schaffen zu wollen. Der reduzierte Tiny-House-Lifestyle liegt im Trend. Am Reptilium können sich Übernachtungsgäste zwischen vier verschiedenen Modellen wählen und solche dort auch kaufen. Die drei Minihäuser im Horst sind nun die ersten in Landau, die zum Leben und dauerhaften Nutzen entstanden sind, wie Stadtsprecherin Sandra Diehl auf Nachfrage bestätigt.
Eine Küchenzeile und ein kleines Bad mit Dusche – beides bereits eingerichtet – sind eingerahmt von zwei Zimmern mit jeweils einer zimmerhohen Glasfront, die den Raum nach außen hin öffnet. „Wir haben Spezialglas verwendet, das im Winter Wärme reinlässt und im Sommer für Beschattung sorgt.“
Nachhaltige Tiny Häuser aus Holz mit innovativem Energiekonzept
Überhaupt war das Thema Nachhaltigkeit zentrales Anliegen des 53-Jährigen bei den drei Modulhäusern, die er mit einem befreundeten Architekten plante und bei der estnischen Firma Pinska anfertigen ließ. „Wir waren deren erster Auftrag in Deutschland. Mittlerweile berate ich die Firma auch bei weiteren Projekten hier“, berichtet der gebürtige Landauer.
„Ich wollte nicht, dass schwer abbaubare Verbundstoffe verwendet werden.“ Deswegen seien alle drei Häuser in Holzständerbauweise errichtet, mit natürlichen Dämmstoffen und zertifizierten Materialien. Sowohl die Wände als auch die Böden sind aus Vollholz. Für das Fundament sei kaum Beton verwendet worden, da dieser wegen seiner schlechten CO2-Bilanz für Keipert keine Option war. Stattdessen sind die Häuser mit einem 2 Meter langen Schraubenfundament im Boden verankert. „So wären sie irgendwann auch rückstandslos entfernbar.“ Fußbodenheizung und Wärmepumpe sorgen drinnen für Gemütlichkeit, betrieben werden diese mit grünem Strom. Bald kommen auch noch Photovoltaik-Module auf die Dächer. „Bilanziell sind die Häuser CO2-neutral gebaut.“
Flexible Nutzung für viele Lebenslagen
Ob Studierende oder Azubis auf Wohnungssuche, junge Menschen, die neue Wohnkonzepte ausprobieren möchten, ältere Herrschaften, die sich verkleinern wollen, als Übergangslösung nach einer Trennung, als Büro oder Praxisraum – und, und, und: „Wir haben das Vermietungskonzept bewusst offen gelassen“, sagt Keipert. Deswegen seien die Module so geplant, dass sie sich für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten eignen. Noch sei alles möglich. Man könne die Module unmöbliert anmieten. „Aber wir haben auch ein Raumkonzept erarbeitet, um den Platz optimal zu nutzen, und könnten die Häuser nach individuellen Wünschen einrichten“, erklärt Keipert.
Im vergangenen Jahr hätten ihn schon einige Anfragen erreicht, aber er habe erst einmal alles in trockene Tücher bringen wollen. Seit Jahresbeginn stehen die Module zur Vermietung bereit. „Aber wir haben keinen Zeitdruck. Wir wollen ja auch, dass die drei künftigen Parteien auf dem 800 Quadratmeter großen Gelände zusammenpassen.“ Wer sich einmieten will, muss mit Kosten von 800 bis 850 Euro pro Monat rechnen – darin eingeschlossen sind Strom, Parkplatz und die Nutzung des Außenbereichs.
Genehmigte Tiny Häuser: Wohnen und Arbeiten möglich
Zwei Jahre habe es von der Planung bis zur Finalisierung gedauert, überschlägt Keipert. Dabei habe ihm bei den ganzen Genehmigungsfragen geholfen, dass er beruflich und durch den Wagenplatz bereits Wissen und Erfahrung mitbrachte. Zudem habe das städtische Bauamt der Idee sehr offen gegenübergestanden. „Das lief alles sehr unkompliziert und problemlos“, lobt er. Die drei Tiny Häuser stehen auf Bauland und können dort sowohl zu Wohn- als auch zu Gewerbezwecken genutzt werden. Rechtlich gesehen gelten für Minihäuser, sobald sie einen festen Platz haben, die gleichen Bauvorschriften wie für herkömmliche Wohngebäude. „Die drei Module sind genehmigt wie ein Neubau und können ganzjährig und dauerhaft bewohnt werden“, berichtet Keipert.
Info
www.tinymodul-landau.de