Landau Zurück nach Griechenland

Gut aufgenommen: Johann und Sotiria Stergidis haben sich wohl gefühlt in Hanhofen.
Gut aufgenommen: Johann und Sotiria Stergidis haben sich wohl gefühlt in Hanhofen.

Der erste Eintrag im Gästebuch von Sotiria und Johann Stergidis, dem Betreiber-Ehepaar des Lokals „Zur Pfalz“ in Hanhofen, datiert auf den 12. Januar 1980. Einen „gemütlichen Aufenthalt und guten Appetit“ wünschen die Protagonisten ihren Gästen. Beides hatten diese nun fast 40 Jahre lang. Nach insgesamt rund 50 Jahren in Deutschland kehrt das Ehepaar Stergidis in ihre Heimat, nach Griechenland, zurück – ein Abschied, der beiden Seiten weh tut.

Kennengelernt haben sie sich erst in Deutschland. „Damals waren die Zeiten in Griechenland genauso schlecht wie heute“, denkt Sotiria Stergidis zurück und lächelt. Sie ist eine liebenswerte Frau mit einem guten Herzen, der Gabe zum Zuhören und einem großen Quantum Nächstenliebe. Das gleiche gilt für ihren Mann. Gerade deshalb sind beide in der Fremde schnell heimisch geworden. München war die erste Station. Es folgten sieben Jahre Ludwigshafen und viereinhalb Jahre Dirmstein, bevor der Weg nach Hanhofen führte. „Wir hatten ein Restaurant, wollten uns aber vergrößern“, erklärt Sotiria Stergidis. Hanhofen habe dem Paar gleich gut gefallen. „Die Menschen haben uns viel geholfen und unterstützt“, erzählt die 69-Jährige. Ihren Beruf als Krankenschwester hat sie an den Nagel gehängt, ihrem Mann zuliebe, dem gelernten Koch, der sein eigenes Lokal mit Herzblut betrieb. „Wir haben viele schöne Abende verbracht. Unsere Gäste sind zu Freunden geworden“, betont Sotiria Stergidis. Ihre Augen verraten die Wehmut, die mitschwingt, wenn sie an den endgültigen Abschied denkt. Zurzeit treibt sie zusätzlich die Sorge um ihren Mann um, der seit einem Bandscheibenvorfall gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Verzögern wird sich der Umzug daher. Die „Pfalz“ hat bereits seit Pfingstmontag geschlossen. Gut wird ihm die Rückkehr nach Trikala, in Griechenlands Mitte, tun, ist Sotiria Stergidis überzeugt. „Dort leben die Menschen mehr draußen als drinnen, sind ständig in Kontakt, das Klima ist anders und die innere Ruhe ist wesentlich ausgeprägter als hier“, sagt sie. „Die Griechen kehren immer zurück zu ihren Wurzeln“, begründet sie die Entscheidung, nach so vielen Jahrzehnten, ungezählten herrlichen Stunden in geselligen Runden und wohltuenden Begegnungen die Zelte in Hanhofen abzubrechen. Aber Stergidis gibt zu: „Das ist mit viel Schmerz verbunden.“ Vor allem, da ihre Kinder, Enkel und der acht Monate alte Urenkel in Deutschland bleiben. Den Kontakt nach Trikala hat das Ehepaar nie verloren. „Wir waren jedes Jahr dort, haben Nachbarn und Freunde besucht“, berichtet Stergidis. Mit 19 ist sie angekommen in Deutschland, mit 69 kehrt sie heim. „Hier war unser Leben“, sagt Stergidis nachdenklich und lächelt erneut. Zu Johanns 70. Geburtstag vor fünf Jahren kamen zig Gratulanten. Seitenweise Glückwünsche haben die im Gästebuch hinterlassen. Wer darin blättert, bekommt weitere Geschichten erzählt: Von den „Träms vun de Palz“ oder den „Bandenkillern“, die sich wohl fühlten im Gasthaus, von einem griechischen Schauspieler mit dem typischen Vornamen Nikos und einem Deutschen Superbikemeister, die sich verwöhnt fühlten und vom ehemaligen Speyerer Bischof Dr. Anton Schlembach, der zum Geburtstagsessen anlässlich seines 75. Wiegenfests in die „Pfalz“ eingeladen hatte. „Wir hatten ein sehr gutes Publikum“, versichert Sotiria und ergänzt: „Wir nehmen nur gute Erinnerungen mit.“ Ein Andenken zum Anfassen wird sicher eingepackt: das Wappen von Hanhofen, geschenkt von Bürgermeisterin Friederike Ebli, zu der das Ehepaar eine besondere Bindung hat. Und natürlich das Gästebuch – ein Dokument der Freundschaft, das keine Ferne kennt.

x