Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Gastronomin auf Social Media für ihren Betrieb kämpft

Die Chefin des Landauer Restaurants Ich bin so Frey, Janine Gab, hat ihre Situation und die ihres Betriebs in Videos offengelegt
Die Chefin des Landauer Restaurants Ich bin so Frey, Janine Gab, hat ihre Situation und die ihres Betriebs in Videos offengelegt.

„Wir müssen schließen“ – so beginnt ein Video von Janine Gab, in dem sie über die Lage ihres Restaurants berichtet. Es folgen weitere – und viel Solidarität. Hilft es?

In der Gastronomie ist Bewegung – aber meist nicht zum Guten. Viele Wirte klagen über geringere Einnahmen, der Mehrwertsteuersenkung zum Trotz. Gäste bleiben aus. Klar, das Geld sitzt bei den Menschen eben nicht mehr so locker wie früher. Betriebe reagieren darauf, beispielsweise indem sie Öffnungszeiten einschränken oder die Karten verkleinern. Janine Gab, die Inhaberin des Landauer Restaurants Ich bin so Frey, hat es nun mit einer stark auf sie ausgerichteten Social-Media-Kampagne versucht. Mit Erfolg?

Wobei: Eine Kampagne fahre sie nicht, sagt die 30-Jährige. Eine Kampagne sei geplant, ihre Videos habe sie spontan und aus der Not heraus aufgenommen. Gerade das erste vom 1. Februar, betitelt mit „Wir müssen schließen“, ist zumindest in der Südpfalz viral gegangen. Auch wenn Gabs Geschichte speziell ist, ist sie zumindest teilweise auf viele Betriebe übertragbar.

Eine Krise folgt auf die nächste

Janine Gab hat das vegane Restaurant Ende 2021 von der Namensgeberin und Gründerin Margit Frey übernommen. „Wir sind schon finanziell knapp gestartet“, erinnert sich Gab – und das mitten in der Corona-Pandemie. Danach kamen die Schocks durch die russische Invasion in der Ukraine, explodierende Energiepreise, Inflation und der Königstraßen-Umbau direkt vor dem Restaurant, der sich stark auf die Beliebtheit der Terrasse ausgewirkt habe. Und dann folgte ein freudiges Ereignes: Gab wurde schwanger. Aber: Sie fiel aus. Als Arbeitnehmerin hätte sie wohl ein Beschäftigungsverbot bekommen, schätzt sie, so aber habe sie sich immer mehr aus der Arbeit in ihrem eigenen Restaurant zurückziehen müssen. Mit der Geburt seien Traumata hochgekommen – sie sei derzeit in einer Traumatherapie. Die Probleme und dazu das Dasein als junge Mutter – das Geschäft habe darunter gelitten.

Insolvenz oder kämpfen?

Dort habe sie in den vergangenen Jahren einiges schleifen lassen, berichtet sie. Angefangen habe es mit dem Kuchen nachmittags. Es sei recht viel übrig geblieben, also habe man das Angebot reduziert. Die Folge: Die Kunden seien unzufriedener gewesen, manche habe sie verloren. Das habe sich auch auf die Mittagszeit ausgewirkt – auch hier seien nach und nach weniger Gäste gekommen. Die Spirale sei weiter abwärtsgegangen, bis es nicht mehr weitergegangen sei. Anfang Februar habe sie festgestellt, dass sie die Rechnungen für den Monat wohl nicht zahlen könne. Also blieben zwei Möglichkeiten: Insolvenz oder was machen, erinnert sie sich.

Eine Insolvenz sei nicht infrage gekommen. Denn: Die Mitarbeiter hätten das Restaurant zwei Jahre lang quasi im Alleingang am Leben erhalten. Ihnen zu eröffnen, dass sie ihre Jobs verlieren oder man eben in Insolvenz gehe, das habe sie nicht übers Herz gebracht, sagt die Gastronomin. Also habe sie versucht, direkt an die Kundschaft zu treten und die Lage zu schildern. Auch mit Infos über ihre persönliche Situation.

Februar lief wieder gut

„Ich habe gleich drei Tabus gebrochen“, sagt Gab. Sie habe ihre Gäste informiert, dass es ihr schlecht geht, dass sie in Trauma-Therapie ist und dass sie kein Geld hat. Dinge, die man eigentlich nicht macht. Zumindest in der Pfalz ist kein weiterer Gastronom bekannt, der seine Lage derart offengelegt hat. Nur: Hat es was gebracht?

Ja, sagt Gab. Sie habe neben vielen, vielen positiven und zugeneigten Rückmeldungen auch viele Anregungen aus der Kundschaft erhalten. Die werde sie auch beachten. Beispielsweise gebe es nun wieder Waffeln und einen Mittagstisch. Finanziell sei der Februar wohl der Aufmerksamkeit wegen besser gelaufen. Sie habe die Rechnungen bezahlen können, es werde wohl auf eine schwarze Null hinauslaufen, sagt Gab. Aber: Wie nachhaltig sich die Aufmerksamkeit hält, ist fraglich. Denn die Gästezahlen pendelten sich bereits wieder auf geringerem Niveau ein. Das „Alltagsgeschäft“ sei zurück.

So oder so, Gab bereue nicht, damals das Restaurant übernommen zu haben, betont sie. „Eigentlich ist das mein Traumjob“, sagt die junge Mutter. Damit sie diesen auch weiter ausführen kann, passt sie das Geschäft aber weiter an. An der Karte werde es Änderungen geben – und die Öffnungszeiten sind weiter eingeschränkt. Montags bis donnerstags ist abends zu. Man müsse sich auf die Kernzeiten konzentrieren, sagt Gab. Und auf die Gäste setzen.

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