Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wickert Maschinenbau: Ex-Geschäftsführer erhebt Lügen-Vorwurf

Der Landauer Maschinenbauer Wickert ist in manchen Nischen sogar Weltmarktführer.
Der Landauer Maschinenbauer Wickert ist in manchen Nischen sogar Weltmarktführer.

Nach den Entlassungen an Weihnachten ist es um den Maschinenbauer Wickert ruhig geworden – scheinbar. Hinter den Kulissen brodelt es. Der Vorwurf der Lüge steht im Raum.

Dem Landauer Maschinenbauer Wickert geht es nicht gut. Diesen Schluss lassen zumindest die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit zu. Die Firma, die hydraulische Pressen und Pressensysteme produziert und in spezifischen Nischen sogar Weltmarktführer ist, hat sich kurz vor Weihnachten von 30 der bis dahin rund 200 Mitarbeiter getrennt.

Die betriebsbedingten Kündigungen seien ausgesprochen worden, „um die Zukunft des Unternehmens und damit den Hauptteil der Arbeitsplätze zu sichern“ und das Unternehmen für die Zukunft nachhaltig aufzustellen, hatte Geschäftsführerin Stephanie Wickert erklärt. Mittlerweile ist nach dem Beben kurz vor den Feiertagen Ruhe eingekehrt – zumindest nach außen hin.

Ex-Geschäftsführer wirft Wickert-Tochter Lüge vor

Im Innenleben sieht das ganz anders aus. Hinter den Kulissen tobt nämlich ein Streit. „Die Wickert Maschinenbau GmbH, hier insbesondere Stephanie Wickert, hat in Bezug auf meine Person in Richtung Mitarbeiter, Kunden und andere Personengruppen nicht immer wahrheitsgemäß und vollständig informiert“, sagt Stefan Herzinger. 27 Jahre lang war er Geschäftsführer bei Wickert, „hierbei die ganz überwiegende Zeit gemeinsam mit Herrn Wickert senior“.

Das änderte sich im Jahr 2022, als sich Hans-Joachim Wickert aus dem operativen Geschäft zurückzog und dessen Tochter Stephanie in die Geschäftsführung aufrückte. Ihr wirft Herzinger vor, gelogen zu haben. Es geht vor allem um Stephanie Wickerts Aussage zum Grund seines Ausscheidens aus dem Unternehmen – sowohl als Geschäftsführer als auch als Gesellschafter, der er seit 2001 war.

Kündigungen beschäftigen das Gericht

Zunächst zu Herzingers Funktion als Geschäftsführer: Im Februar erklärte Wickert auf RHEINPFALZ-Anfrage: „Im Jahr 2025 äußerte Herr Herzinger den Wunsch, sich in Richtung Ruhestand orientieren zu wollen. Wir haben dann gemeinsam entsprechende Schritte vorbereitet.“ Herzinger stellt den Ablauf rund um sein Aus als Geschäftsführer anders dar. Nach kurzer Zeit – er rekurriert auf den Generationswechsel im Jahr 2022 – habe sich gezeigt, dass eine Zusammenarbeit mit Stephanie Wickert auf Augenhöhe nicht wirklich klappe. „Unsere Herangehensweisen waren zu verschieden, letztendlich war dies auch der Grund dafür, dass ich es erwog, mein Amt als Geschäftsführer niederzulegen.“ Es sei falsch, dass er sich Richtung Ruhestand habe orientieren wollen, betont Herzinger.

Er habe dennoch einen geordneten Übergang gewährleisten wollen. Deshalb habe er nach längeren Überlegungen und auf Wunsch der Mitgesellschafter Mitte des vergangenen Jahres angeboten, noch ein bis zwei Jahre als Geschäftsführer tätig zu sein und den Übergang zu begleiten. Dies sei dann aber auf einmal nicht mehr gewünscht gewesen. „Ohne Ankündigung kündigten sie meinen Geschäftsführerdienstvertrag ordentlich und sodann fristlos, insgesamt sind mir im Juli und August innerhalb weniger Wochen drei Kündigungen zugegangen. Damit war ich plötzlich ,entledigt’.“ Gegen die aus seiner Sicht nicht haltbaren Kündigungen gehe er inzwischen gerichtlich vor, erklärt Herzinger.

Wickert-Tochter widerspricht Vorwürfen

Mit Herzingers Darstellung konfrontiert, bleibt Stephanie Wickert bei ihren bisherigen Aussagen. „Wie bereits im Februar mitgeteilt, äußerte Herr Herzinger im Jahr 2025 den Wunsch, sich in Richtung Ruhestand orientieren zu wollen. Wir haben dann gemeinsam entsprechende Schritte vorbereitet und mit ihm abgestimmt.“ Zudem sei seine Nachfolge vorbereitet worden. „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns darüber hinaus – auch aus Rechten des Persönlichkeitsschutzes – nicht zu Detailfragen von Personalien äußern.“

Im Hinblick auf die Funktion als Gesellschafter gibt es ebenfalls unterschiedliche Darstellungen. Mit Ablauf des Jahres 2025 sei Herzinger auch als Gesellschafter automatisch ausgeschieden, erklärte Stephanie Wickert im Februar. „Da man mich als Geschäftsführer durchaus noch brauchte, dies aber von meiner Teilhaberstellung unabhängig war, entschloss ich mich im Juni 2025, die Mitgliedschaft zu kündigen und schied zum 31. Dezember 2025 aus der Gesellschaft aus“, sagt Herzinger. Eine Abfindung habe er bislang nicht erhalten. „Mein Ausscheiden als Gesellschafter hat damit offensichtlich keinen wirtschaftlichen Zusammenhang mit Entscheidungen zum Personalabbau.“ Damit reagiert Herzinger auch auf das Gemunkel unter Ex-Wickert-Mitarbeitern, die genau diesen Zusammenhang vermuteten.

Ex-Geschäftsführer hält Entlassungswelle für unnötig

Dass die Kündigungen kurz vor Weihnachten notwendig waren, bezweifelt Herzinger. Der Jahresabschluss 2023 sei öffentlich einsehbar. Vor dem Hintergrund dieses Zahlenwerkes wage er zu bezweifeln, dass die Entlassung von rund 15 Prozent des Personals aus betrieblichen Gründen notwendig gewesen sei.

Herzinger sieht die Situation so: „Seit meinem Fortgang wurde der Bereich Vertrieb nicht mehr ordentlich betreut und hat sich nunmehr zu einer regelrechten Schwäche entwickelt.“ Er könne sich vorstellen, dass sich das nun wirtschaftlich auswirke. „Da ich keinen Zugang zu den Zahlen habe, kann ich dies aber nicht abschließend beurteilen“, sagt Herzinger einschränkend. Eine Aussage Stephanie Wickerts aus dem Februar lässt zumindest vermuten, dass im Vertrieb tatsächlich nicht alles so läuft wie es sollte. „Wir sind aktuell dabei, unser Familienunternehmen zukunftsfähig für die nächste Generation aufzustellen: Unter anderem intensivieren wir unsere Aktivitäten im Vertrieb“, erklärte sie.

Herzinger macht keinen Hehl daraus, dass er enttäuscht ist über sein Ende bei Wickert Maschinenbau. Dennoch betont er, dass er dem Unternehmen und den Beschäftigten nur das Beste wünsche und hoffe, dass die erfolgreiche Tradition der vergangenen Jahrzehnte fortgesetzt werden könne. Sein Urteil zu Stephanie Wickert persönlich ist eindeutig: „Sie ist mit der operativen Führung des Unternehmens schlicht überfordert.“

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