Impflingen
Wertvoller Brocken aus Holz: Warum eine 200 Jahre alte Eiche gefällt wurde
Wohl 1795 ist die Stieleiche bei Impflingen gekeimt. „Das lässt sich anhand der Jahresringe feststellen“, sagt Regionalförster Niklas Dengel, der zudem kommissarischer Leiter des Reviers Herxheim-Queichwaldungen ist. 231 Ringe wurden gezählt. Keine einfache Aufgabe, denn gerade bei alten Eichen liegen sie oft eng beieinander. Trockenjahre und gute Wachstumsphasen hinterlassen unterschiedlich breite Spuren im Holz. Doch das Ergebnis ist eindeutig: Der Baum hat mehr als zwei Jahrhunderte überdauert. „Mehrere Generationen von Forstleuten waren mit der Aufzucht und Pflege beschäftigt.“ Waldwirtschaft sei ein langfristiges Geschäft, Entscheidungen von heute wirkten sich erst Jahrzehnte später aus.
Im Sommer 2025 wurde die Pfälzer Eiche nun gefällt und zurechtgesägt. Sechs Meter lang ist der Stamm, der zum Verkauf steht, mit 109 Zentimeter Durchmesser, in der Mitte des Stammes gemessen. Damit zählte er zu den stärksten angebotenen Hölzern bei der alljährlichen Wertholzsubmission, so heißt die Versteigerung der Hölzer. Dabei werden besonders hochwertige Stämme aus mehreren Forstämtern an zentralen Lagerplätzen gesammelt. Interessenten können sie begutachten. Die Gebote werden anschließend verdeckt über eine Internetplattform abgegeben. Wer das höchste Angebot einreicht, erhält den Zuschlag.
Nicht mehr lange auf den Lagerplatz
Der Erlös der Stieleiche: 25.475 Euro, also 5199 Euro pro Festmeter. Den Zuschlag erhielt ein Furnierholzhersteller aus dem EU-Ausland. Solche Preise werden nur für außergewöhnliche Qualitäten erzielt. Entscheidend sind Geradwüchsigkeit, eine möglichst astfreie untere Stammzone und eine gleichmäßige Holzstruktur, erklärt Dengel. Aus solchem Holz entstehen später hochwertige Furniere – hauchdünne Blätter, die auf Trägermaterial aufgebracht werden, so wie im vergangenen Jahr bei einer Eiche aus dem Bienwald, die für knapp 16.000 Euro versteigert wurde. Der Käufer, ein Furnierhersteller, berichtete damals, dass das Holz für die Verkleidung von Konferenzräumen, im Schiffsausbau und für Wohnungen in Dubai verwendet wird.
Ein Stamm wie das aktuelle Exemplar mit einem Erlös von mehr als 25.000 Euro ist die Ausnahme. Nach dem Verkauf bleiben die Stämme nicht mehr lange auf den Lagerplätzen liegen. Zu hoch ist das Risiko von Diebstahl oder Beschädigung. Auch die Eiche wurde bereits vom Käufer abgeholt, sagt Dengel.
Ziel: Starke und gesunde Wälder
Dass ein mehr als 200 Jahre alter Baum gefällt wird, wirft bei manchen Beobachtern Fragen auf: Warum lässt man solch ein Naturdenkmal nicht stehen? „Jeder Baum hat eine natürliche Lebenserwartung und wir müssen den Bestand verjüngen, damit jüngere Bäume eine Chance haben“, erklärt der Förster. Alte, dominante Bäume nehmen viel Licht und Raum ein. Werden sie rechtzeitig geerntet, können junge Bäume nachrücken und stabile Mischbestände entstehen. Ziel sei es, starke und gesunde Wälder aufzubauen und dabei nicht mehr Holz zu nutzen, als nachwächst.
Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet aber nicht, dass alle alten Bäume verschwinden. Im Bereich des Forstamtes sind mehr als 1000 Hektar als sogenannte Prozessschutzflächen ausgewiesen. Dort wird nicht mehr bewirtschaftet. Bäume dürfen altern, natürlich sterben und als Totholz zahlreichen Arten Lebensraum bieten. Der überwiegende Teil der Bäume erreicht weder die Dimension noch den Marktwert der nun verkauften Eiche. Umso größer ist die Bedeutung eines solchen Einzelverkaufs für die Kommune, denn die Einnahmen fließen in den kommunalen Haushalt.
